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Rinder- und Menschenwahnsinn

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (08.12.2000)

Laaben, 08.12.2000

Kein Ende des (Rinder-)Wahnsinns? EU will mit Steuergeldern 2 Millionen Rinder "beseitigen" lassen.

8.12.2000, 10 Uhr: VGT-Aktion mit Grünen vor Landwirtschaftsministerium

Als Folge des erneuten BSE-Skandals will die EU jetzt, mit unseren Steuergeldern subventioniert, mindestens 2 Millionen Rinder "beseitigen" lassen, wie sich "unser" Kommissar ausdrückt. Alle Tiere über 30 Monate, die nicht sofort auf BSE getestet werden können, sollen "vernichtet" werden. Die Kosten zahlt der Steuerzahler - EU-weit an die 100 Milliarden S für Tests, Vernichtungsaktion und Ausfallszahlungen für die Agrarindustrie. Österreich will seine Milliarde, bei der es nicht bleiben wird, gar aus dem Katastrophenfonds nehmen. Zählt nun eine menschengemachte, über eineinhalb Jahrzehnte von verantwortlichen Behörden, Politikern und Wissenschaftlern vertuschte und verharmloste Seuche neuerdings auch schon zu einer "Katastrophe"?

Die Geschichte von BSE funktioniert wie ein Domino-Spiel: In Großbritannien hieß es jahrelang "Essen Sie nur britisches beef"; der Landwirtschaftsminister steckte noch am Höhepunkt des Rinderwahns, 1996, sich und seiner kleinen Tochter einen Hamburger in den Mund. In Frankreich schwor man bis vor ein paar Wochen auf "Filet de boeuf" und in Deutschland tönte es noch vor 2 Wochen: "Deutsches Rindfleisch ist absolut sicher". Eben dort wurde schon 1994 eine mutige Amtstierärztin entlassen, weil sie gemeldet hatte, daß eine BSE-verdächtige Rinderherde geschlachtet und der Nahrung zugeführt wurde - gerade 80 km von jenem Hof entfernt, wo jetzt das erste offizielle BSE-Rind entdeckt wurde!

Die Katastrophe folgte jeweils auf dem Fuß - in GB sollen bereits über eine ¾ Million Rinder infiziert sein, 180.000 sind erkrankt und ganze 4 Millionen hat man notgeschlachtet und "entsorgt". Und das offizielle Österreich, welches jährlich ca. 15.000 Tonnen Rindfleisch, tausende Tonnen Kadavermehl und tausende lebende Rinder importiert, beschwört bis heute die Formel: "Österreich ist BSE-frei". Lieb Vaterland magst ruhig sein - denn wer nicht kontrolliert - und v.a. nichts finden will, findet bekanntlich auch nichts...

Noch vor einer Woche hieß es vonseiten des Gesundheits- und Konsumentenschutzministeriums die Verfütterung von Tiermehl an Schweine, Hühner, Puten und Fische sei "völlig unbedenklich". Nun hat sogar die EU ab 1.1.2001 ein völliges Tiermehlfütterungsverbot (mit Ausnahme von Fischmehl und Schlachtfetten, z.B. für die Kälbertränken!) verhängt - allerdings nur für ganze sechs Monate. Österreichs LW-Minister, welcher noch bis vor kurzem strengere EU-einheitliche Sicherheitsstandards bei Risikomaterialen (Hirn, Rückenmark, Augen) - die z.B. in Würsten vorkommen - verhindern wollte, gibt sich nun als Vorreiter in Sachen Fleischsicherheit.

Gleichzeitig werden im neuen Agrar-Budget ausgerechnet die Mittel für die Tierindustrie um 90 auf über 500 Millionen Schilling erhöht, während Bio-Organisationen von 14 auf lächerliche 11 Millionen S gekürzt werden sollen! Das Geld ist den Lobbyisten der Agrarindustrie wichtig: denn das Landwirtschaftsministerium und die TIerindustrie versuchen nun, in sündteuren Werbekampagnen den - in Zeiten der offenen Grenzen völlig absurden - Eindruck zu erwecken, Österreich sei automatisch eine Insel der Seligen und auf Ewigkeit BSE-frei.

Der VGT - Verein gegen Tierfabriken hat daher heute, gemeinsam mit der Grünen Abgeordneten Dr. Petrovic, vor dem Landwirtschaftsministerium eine spektakuläre Aktion abgehalten, um gegen die lebensfeindliche Politik des "Lebensministeriums" zu demonstrieren. Mitwirkende waren: Eine Modellkuh aus Salzburg, goldene Futtertröge, eine Ladung Kadavermehl, verbrennende Tausender, Aktivisten mit Kuh-Masken und eine symbolische Mauer vor dem Eingang sowie Transparente wie "Russisches Roulette ist langweilig, heute ißt man Rindfleisch".

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