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Zirkus Knie - mit Tierquälerei in "Weihnachtsstimmung"

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (15.12.2000)

Laaben, 15.12.2000

Anzeigen wegen Tierquälerei und wieder VGT-Demos vor Nationalzirkus

Am 11. Dezember fand beim Zirkus Knie wieder die Premiere des Weihnachtszirkusses statt (wir berichteten) und ab diesem Tag gibt es auch wieder die "traditionellen" Demonstrationen des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), trotz aller behördlicher und sonstiger Hindernisse. Auch in diesem Jahr hat der Zirkus wieder jede Menge Tierqual im Gepäck: neben seinen zahlreichen anderen Tieren führt er heuer ein besonderes Exemplar eines Elefantenbullen mit, nämlich "Colonel Joe". Dieser aus den USA stammende, an verschiedene Zirkusse in aller Welt "verleaste", asiatische Bulle ist 3,40 m groß und an die 6 Tonnen schwer und soll neuerdings zur Belustigung der Prominenz und sonstiger Zirkusbesucher beitragen. Kleiner Nachteil, den kaum jemand kennt: alle Elefantenbullen, die trotz Kastration mit etwa 17 Jahren ihre Geschlechtsreife erlangen, werden in Gefangenschaft sehr aggressiv, was im Zirkus brutal unterdrückt werden muß. Daher werden diese Tiere, die in Ermangelung der Austragung ihrer Rangkämpfe und als Folge der jahrelangen, qualvollen Dressur als angriffslustig gelten, medikamentös sediert.

"Colonel Joe" hat nun ein besonderes Schicksal: nur sein Trainer kann mit ihm "umgehen". Der dritte im Bunde war ein Schäferhund, den der Elefantenbulle in Ermangelung von Artgenossen notgedrungen als Gefährten gewählt hatte, weil er sonst aus Einsamkeit wohl wahnsinnig geworden wäre. Denn Elefanten verlieren in Einzelhaltung sprichwörtlich ihren Verstand, denn dies bedeutet für sie die schlimmste aller Qualen. Dieser Schäferhund ist aber vor einiger Zeit gestorben (erschossen worden?); der Verlust über den Hund machte Colonel Joe nun erst recht aggressiv und so verschwand er für lange Zeit von der Bildfläche.

Nun tauchte er - ausgerechnet beim Zirkus Knie - wieder auf; gegen den Betreiber laufen 48 Exekutionsverfahren, er ist bereits wegen Körperverletzung an einem Tierschützer rechtskräftig verurteilt, er richtete erst im letzten März in Tulln mit seinen Mannen über 50.000,- S Sachschaden an und ließ zwei VGT-Aktivisten krankenhausreif prügeln. Der finanzielle Schaden wurde inzwischen bezahlt - ein inderektes Schuldbekenntnis - das Strafverfahren ist noch anhängig. Inzwischen hat sich sogar der HBP, der vor einem Jahr noch mit dem Zirkus im Programmheft zu sehen war, in einem Schreiben an uns von diesen Methoden distanziert!

Schläge, welche sichtbare Wunden verursachen, gibt es heute zwar weniger, an deren Stelle sind aber Elektroschocks getreten. Außerdem werden die Tiere mittels Traktoren und Baggern in die jeweilige gewünschte Stellung gebracht, die später als Kunststück vom ahnungslosen Publikum bewundert wird. So wird auch der Kopfstand trainiert, oder das Stehen auf zwei Beinen, wie "Colonel Joe" es im laufenden Weihnachtszirkus vorzuführen hat, dabei muß er sogar noch zwei Menschen tragen.

Den "Richtlinien für die Haltung von Wildtieren in Zirkusunternehmen", verfaßt von Pechlaner, Gsandtner und Schwammer, herausgegeben von der Wr. Umweltanwaltschaft, entnehmen wir folgendes: "Verboten sind alle Dressurleistungen, die nicht tiergerecht sind. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie eine statische Belastung oder Überbelastung einzelner Körperteile verursachen und dadurch zu Schädigungen und Verletzungen führen können. Dazu gehören Kopf- und Handstand sowie das Aufrechtgehen bzw. Stehen nur auf den Hinterbeinen, da dies bei erwachsenen Elefanten zu Gelenks- und Bandscheibenschäden führen kann...".

Der VGT hat daher, gemeinsam mit Dr. Bernd Haberditzl vom "Tiroler Tierschutzverein", Anzeige wegen Tierquälerei beim Magistrat Wien eingebracht.

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