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Delfin-Massaker: Protest vor japanischer Botschaft

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (10.12.2003)

Wien, 10.12.2003

VGT, CANIS und SEA SHEPHERD überreichen dem japanischen Botschafter Petition gegen den Walfang

VGT, CANIS und SEA SHEPHERD überreichen dem japanischen Botschafter Petition gegen den Walfang

Zwei AktivistInnen der Tierschutzorganisation „Sea Shepherd“ wurden nach der Rettung von 15 Delfinen in Japan 22 Tage inhaftiert – das erstellte Foto und Filmmaterial vom Delphinschlachten in der Bucht von Taiji wurde von den japanischen Behörden kurzerhand für illegal erklärt. So wurde verhindert, dass die Weltöffentlichkeit Bilder von den schrecklichen Massakern an Delfinen zu Gesicht bekommt. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN, die Tierrechtsorganisation CANIS und SEA SHEPHERD protestieren nun gemeinsam gegen den Walfang und die Vorgangsweise der japanischen Behörden: Am 10. Dezember – dem internationalen Protesttag gegen das Delfinschlachten – überreichen sie um 14:00 dem japanischen Botschafter eine diesbezügliche Petition.

10. Dezember 2003, 13:00 – 15:00
Kundgebung vor der japanischen Botschaft
1010, Hessgasse 6/Schottenring

Jeden Herbst wird die Küste vor der westjapanischen 4000-Einwohner-Stadt Taiji zum Schauplatz eines Massakers. Fischer treiben Delfine, Tümmler und kleine Wale zu hunderten vom offenen Meer in abgesperrte Buchten, wo die Meeressäuger mit Messer, Eisenstangen und Harpunen traktiert und getötet werden. Am 18. November dieses Jahres sprangen nun zwei AktivistInnen der Tierschutz-Organisation „Sea Shepherd“ ins Wasser, schnitten Löcher in die Netze und verhalfen 15 Delphinen zur Flucht. Die beiden AktivistInnen, nämlich die US-Amerikanerin Allison Lance Watson und der Niederländer Alex Cornelisson, wurden von den japanischen Behörden inhaftiert. Tags darauf stürmte die Polizei die Unterkünfte von „Sea Shepherd“: Kameras, Filme und Laptops wurden beschlagnahmt, Fotos und Filmaufnahmen des Delfinschlachtens wurden kurzerhand für illegal erklärt.

Dr. Martin Balluch, Obmann des VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN: „Auch wenn die AktivistInnen bei der Befreiung der Delfine gegen ein Gesetz verstoßen haben sollten, so ist unter den gegebenen Umständen dafür größtes Verständnis aufzubringen. Delfine haben ein ähnlich komplexes Sozial- und Gefühlsleben wie Menschen, und dieser Umstand ist im persönlichen Kontakt mit ihnen durchaus nachvollziehbar. Die Rettung eines in Not geratenen Delfins kann dabei – auch unter großem persönlichem Risiko – zur Selbstverständlichkeit werden.“

Hintergrund-Geschichte

Informationen von der Sea Shepherd Conservation Society

6. Oktober 2003: Japanische Fischer treiben in Taiji etwa 60 Delfine in eine seichte Bucht und beginnen, die Meeressäuger mit Messern, Stangen und Harpunen abzuschlachten. Gleichzeitig geben zwei Aktivistinnen der Sea Shepherd Conservation Society ihre Tarnung als Camper auf den Klippen auf, um das Gemetzel zu filmen. Es dauert nicht lange, da werden die Kanadierin Brooke McDonald samt ihrer britische Kollegin Morgan Whorwood von den Fischern unter Todesdrohungen zur Herausgabe ihrer Filme aufgefordert. Brooke gelingt es noch rechtzeitig, das Filmmaterial in ihrer Unterwäsche bzw. zwischen den Steinen zu verstecken. Mittlerweile war auch Aktionsleiter Nicolas Hensey (USA) vor Ort. Sein Hilferuf an die örtliche Polizei blieb unbeantwortet, erst 30 Minuten später trafen die Beamten eines Nachbarortes ein. Doch anstatt die Fischer wegen tätlicher Drohung zu inhaftieren, nahm die Polizei die drei Personen der Sea Shepherd Crew in Gewahrsam und unterzog sie neun Stunden lang einem Verhör; das Verständigen der Konsulate blieb untersagt. Gegen die Fischer wurde überhaupt nicht ermittelt.

18. November 2003: Erneut war die Crew der Sea Shepherd vor Ort, als ein weiteres Delfinmassaker sich anbahnte. Die Amerikanerin Allison Lance-Watson sowie der Niederländer Alex Cornelisson sprangen ins Wasser und schnitten Löcher in die Netze, wodurch 15 panischen Delfinen die Flucht gelang. Beide Personen wurden nachfolgend festgenommen und in der Polizeistation von Shingu unter Ablehnung einer Kaution inhaftiert. Tags darauf wurden die Unterkünfte der Sea Shepherd-AktivistInnen gestürmt. Die Polizei, welche Aufnahmen des Delfingemetzels kurzerhand für illegal erklärte, beschlagnahmte Filme, Kameras und Laptops. Alex und Allison, die Frau des Sea Shepherd-Präsidenten Captain Paul Watson, blieben bis heute hinter Gittern.

Taiji gilt als Zentrum der japanischen Delfinjagd. 2.900 der alljährlich 22.000 in Japan getöteten Delfine finden dort ihr Ende. Für die Fischer lohnt sich das Gemetzel, zumal der Verkauf des Delfinfleisches sich sehr lukrativ gestaltet. Die Leichenteile der Tiere finden als „Delikatesse“ reißenden Absatz. Überhaupt gilt Japan neben Norwegen als führende Nation, was den Fang von Cetaceen (=Walartigen) betrifft. Etwa 700 Wale landen alljährlich – getarnt unter dem Deckmantel „wissenschaftliche Forschung“ – ebenfalls in den Feinschmeckerrestaurants.

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