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Symposium: 10 Jahre Pelzfarmverbot in Österreich

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.10.2008)

Wien, 28.10.2008

100 TeilnehmerInnen hören hochkarätige Vorträge zur Bewertung der 10-Jahresfeier dieses historischen Ereignisses

100 TeilnehmerInnen hören hochkarätige Vorträge zur Bewertung der 10-Jahresfeier dieses historischen Ereignisses

Im Februar 1998 wurde es beschlossen und am 30 November 1998 Gesetz: das welterste generelle Verbot Pelztiere für die Gewinnung von Pelz zu halten. Die letzten österreichischen Pelzfarmen sperrten bis dahin zu und seitdem ist der Pelzhandel hierzulande ausschließlich auf den Import angewiesen, da Pelz nicht mehr in Österreich produziert werden darf.

Doch den wenigsten Menschen ist dieser Umstand bewusst: Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass Pelz grundsätzlich Tierquälerei ist, und dieser Konsens ist bereits 10 Jahre alt! Grund genug, mit kompetenten FachexpertInnen in einem eigenen Symposium diesen historischen Vorgang zu bewerten.

Ursprünglich war das Symposium mit der Hilfe eines Universitätsprofessors am Institut für Biologie der Uni Wien organisiert worden. Allerdings legtniversitätsleitung in letzter Sekunde ein Veto dagegen ein: es herrsche Auftrittsverbot für den VGT und seinen Obmann am Unigelände. Offenbar wird hier versucht zu verhindern, dass eine gewisse politische Meinung, rational und vernünftig vorgetragen, verbreitet wird. Eine sehr bedenkliche Entwicklung! Das Symposium fand also in einem vegetarischen Restaurant statt.

1. Teil: Der Weg zum Pelzfarmverbot

Zunächst fasste der Geschäftsführer des VGT, Harald Balluch, der selbst damals schon aktiv war, die Kampagne zum Pelzfarmverbot und die Geschichte des Pelzhandels in Österreich zusammen. Ohne auf einen spezifischen Verein Bezug zu nehmen, wurde gezeigt, wie es schon 1988 zu einem dramatischen Einbruch in den Pelzhandelszahlen kam, und wie dann über die 1990er Jahre bis 1998 jede einzelne Pelzfarm zusperren musste. Die letzte Farm im Waldviertel in NÖ schloss nach einem Vertrag mit dem Land, das dem Pelzfarmer 4,7 Millionen Schilling zusicherte, wenn dieser weder das Pelzfarmverbot gerichtlich bekämpfen, noch sein Wissen über die Pelztierzucht in Österreich weitergeben werde. Er zog dann allerdings über die Grenze nach Tschechien und eröffnete dort die größte Nerzfarm dieses Landes, die bis heute besteht.

Danach sprach die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins und Sprecherin der Grünen in NÖ, Dr. Madeleine Petrovic, über die Versuche, im Parlament und im Landtag ein Pelzfarmverbot zu erreichen. Tatsächlich brachten die Grünen bereits 1989 einen Antrag für eine strenge Pelztierhaltungsverordnung ein, allerdings noch ohne ein volles Pelzfarmverbot zu fordern. Im Parlament versuchte man, vor allem anlässlich des Tierschutzvolksbegehrens 1996, ein Bundestierschutzgesetz zu erreichen, in dessen Rahmen ein Verbot möglich gewesen wäre. Letztendlich wurde eine Artikel 15 A Vereinbarung der Länder unterzeichnet, die eine strenge Pelztierhaltungsverordnung vorsah, die in 6 von 9 Bundesländern zu einem Totalverbot führte. In den übrigen 3 Bundesländern waren allerdings die Anforderungen so groß, dass keine Pelzfarm mehr kommerziell erfolgreich betrieben werden konnte.

2. Teil: Das Pelzfarmverbot als Meilenstein im Tierschutz

Anfang 2005 trat das neue Bundestierschutzgesetz in Kraft, dessen §25 (5) das Halten von Pelztieren zur Gewinnung von Pelz grundsätzlich und bundesweit verbietet. Tierschutzrechtsexperte Mag. Eberhart Theuer führte dazu aus, dass es sich beim Pelzfarmverbot also um das erste Totalverbot einer gewissen Form der Tiernutzung handelt. Ein Totalverbot, das im Gegensatz zur Nutzungsregulierung zur Fleischproduktion einerseits dadurch begründet wird, dass Pelz ein Luxusprodukt ist, und andererseits dadurch, dass Wildtiere auf Farmen nicht artgerecht gehalten werden können. Das Pelzfarmverbot setzt sich damit vom klassischen Tierschutz ab, der Leiden zu vermeiden versucht, aber die Nutzung nicht verhindert und das damit einhergehende Leiden als notwendiges Übel ansieht. Andererseits bedeutet auch das Totalverbot der Nutzung von Pelztieren nicht, dass die Pelztiere dadurch subjektive Rechte hätten. Derartige Rechte würden bedeuten, dass Pelztiere Personen sind, und dass RechtsvertreterInnen in ihrem Namen z.B. das Nutzungsverbot juristisch erzwingen könnten. Die Diskussion um den Personenstatus nichtmenschlicher Tiere wurde ja durch den Prozess um den Schimpansen Hiasl ausgelöst. Im Prinzip ist aber jedes Totalverbot, das nicht durch eine Staatszielbestimmung Tierschutz in der Verfassung abgesichert ist, mit der Aufhebung bedroht.

Kristo Muurimaa von der Gruppe Oikeutta Eläimille aus Finnland beleuchtete im Anschluss die Auswirkungen des österreichischen Pelzfarmverbots auf die anderen Länder Europas. In England wurde das österreichische Gesetz dem Parlament zur Diskussion vorgelegt und letztendlich gab es auch dort zusammen mit Nordirland, Schottland und Wales ein gleichlautendes Verbot. In Skandinavien, wo in Europa der allermeiste Pelz produziert wird, wirkte sich wiederum das englische Verbot aus: Schweden schloss alle seine Fuchsfarmen aus ethischen Gründen. In Finnland, das eine sehr große Pelzindustrie mit tausenden Fuchsfarmen hat, geriet der Pelz auch unter Druck und die Anzahl der Farmen konnte seit dem Jahr 2000 fast halbiert werden.

3. Teil: Der Blick in die Zukunft

Trotz Pelzfarmverbot ging der Pelzhandel in Österreich munter weiter. Waren vorher bereits 98% der verkauften Pelze importiert, so wurden es jetzt eben 100%. Ein volles Handelsverbot schien 1998 völlig außer Reichweite, gab es doch die Grundfreiheiten der Wirtschaft in der EU, die durch Tierschutzbedenken nicht einzuschränken waren. Selbst das Fallenfangverbot in der EU konnte gegen den Widerstand der USA nicht zu einem EU-weiten Importverbot von Pelzen, die durch Fallenfang gewonnen worden waren, ausgedehnt werden. Entsprechend versucht die Tierschutzbewegung bis heute, den Handel durch Kampagnen gegen spezifische Firmen einzuschränken. Nach Erfolgen gegen C&A, P&C, Zara u.a. geht es momentan in erster Linie um Kritik an Kleider Bauer und Fürnkranz, die beide am Pelzverkauf festhalten wollen, ohne sich um den Konsens in der Gesellschaft, dass Pelz grundsätzlich Tierquälerei bedeutet, zu scheren. Die diesbezüglichen Ausführungen von Monika Springer, Kampagnenleiterin des VGT, mündeten in heftige Diskussionen, die aufgrund der fortgeschrittenen Zeit abgebrochen werden mussten.

Zuletzt sprach der VGT-Obmann DDr. Martin Balluch darüber, dass die Wurzeln der heutigen Repression gegen die Tierschutzbewegung in der ersten erfolgreichen konfrontativen Kampagne 1998 für ein Pelzfarmverbot zu suchen sind. Gab es in den 1980er und frühen 1990er Jahren zwar viel bunte Aktivität, so fehlte aber damals das Selbstvertrauen, eine konzertierte Kampagne mit einem ganz spezifischen Ziel anzugehen. Das letzte ausstehende Landesverbot, in NÖ, wurde 1997 letztendlich zum Kampagnenziel, mit Aktionsmitteln wie Dauerdemos, die es damals erstmals in Österreich gab, über Pelzfarmbesetzungen bis zu der Besetzung des Büros des Landeshauptmanns von NÖ. Die mit diesen gezielten – LEGALEN – Kampagnen verbundenen Erfolge führten aber nicht nur dazu, dass Tierschutz gesetzlich wesentlich verbessert und öffentlich ernstgenommen wurde. Sie riefen auch die Reaktion der Mächtigen auf den Plan: die Repression durch die Polizei. Aus anfänglichen Bespitzelungen bei jeder Tierschutzveranstaltung wurden letztendlich der Große Lauschangriff und die Hausdurchsuchungen in 7 Tierschutzbüros und 23 Privatwohnungen, sowie die Untersuchungshaft von 10 legal aktiven AktivistInnen ohne jeden Verdacht.

Nach 4 Stunden Vorträgen und Diskussion endete die Veranstaltung.

 

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