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Neue Studie beweist: Jagd zur Regulierung von Wildtierpopulationen ungeeignet

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (02.10.2009)

Wien, 02.10.2009

Abschüsse heizen Wachstum der Wildschweinbestände an

Abschüsse heizen Wachstum der Wildschweinbestände an

Herbstzeit ist Jagdsaison

Mit dem Ausklingen des Sommers und Anfang des Herbstes beginnt auch die Jagdsaison so richtig: Wildtiere in Wald und Flur werden vermehrt von der Jägerschaft ins Visier genommen. In besonders großer Zahl werden Wildschweine den Jagdaktionen der JägerInnen in den nächsten Wochen zum Opfer fallen.

Die Jagd diene der notwendigen Regulierung übermäßiger Populationen von Tieren, JägerIn als eine Art „Gesundheitspolizei“ in den Wäldern, die eine zu starke Vermehrung der Bestände verhindern, welche ohne diese Dezimierungen, so wird behauptet, von ausufernden Krankheiten und Seuchen bedroht wären – Argumente wie diese hört man immer wieder. Doch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse scheinen gerade das Gegenteil zu beweisen.

Hohe Zuwachsraten trotz starker Bejagung

Denn die Wildschweine sind trotz eifrigster Bejagung und umfassenden Abschussplänen auf dem Vormarsch, und das sorgt vielerorts für Ratlosigkeit und Besorgnis. Vom Atlantik bis in die Balkanländer vermehrt sich das „Schwarzwild“, wie es von den JägerInnen genannt wird, rapide, auch in Österreich, so dass WildtierkundlerInnen bereits von einem exponentiellen Wachstum sprechen.

Die Wildschweinbestände bzw. die Populationsdichten der Tiere seien in den verschiedenen Regionen Europas noch recht unterschiedlich, doch die Zuwachsraten seien fast überall die gleichen, und die Reproduktionszahlen schnellen praktisch überall in die Höhe. In Österreich befinden sich die größten Wildschweinbestände im Osten des Landes sowie in der unmittelbaren Umgebung von Wien.

Jagdliche Wildtierfütterungen als Problem

Über die möglichen Ursachen der Zuwächse gehen die Meinungen auseinander. Während die JägerInnen mit ihrer altbackenen Theorie, nur intensives Bejagen könne die Populationen regulieren, offensichtlich falsch liegen (wie die Populationszuwächse trotz hoher Abschusszahlen beweisen) vermuten TierschützerInnen, gestützt von einigen Wildökologen, vor allem die Wildfütterungen der JägerInnen seien Schuld an der „Bevölkerungsexplosion“.

In Deutschland etwa werden mancherorts Wildschweine mit durchschnittlichen Futtermengen von mehr als 100 kg jährlich pro geschossenem Tier regelrecht gemästet.

In Österreich wurde in einigen Regionen das Füttern bereits verboten, weil man merkte, dass dieses den Populationszuwachs befeuerte. In Niederösterreich etwa ist es seit einigen Jahren tabu.

Maisanbau für die Massentierhaltung als Co-Ursache

Aber ebenso eine Rolle spielen könnte der europaweit gestiegene Maisanbau für die Viehmast. Denn das Futter für Schweine und andere Nutztiere in der Massen- und Intensivtierhaltung wird auch von deren wilden ArtgenossInnen nicht verschmäht.

Kritik an der Jagd – ein untaugliches Instrument?

Ein weiterer Kritikpunkt von JagdgegnerInnen aber auch ÖkologInnen bezieht sich auf den Abschuss an sich. Der erhöhte Jagddruck, so die KritikerInnen, bringe das normale Sozialgefüge der Wildschweinrotten aus dem Gleichgewicht und fördere so eine übermäßige Fortpflanzung, weil in Ermangelung von älteren "Bachen" – also weiblichen Widschweinen bzw. erfahrenen Muttertieren - die jungen Säue früher als sonst in den Fortpflanzungszyklus eintreten. Ließ sich diese These bislang schwer wissenschaftlich beweisen, gibt es jetzt neue Studien, welche ihre Gültigkeit stark untermauern.

Neue Studie untermauert Wirkungslosigkeit der Jagd als Regulationsmittel

Laut einer vor kurzem publizierten französischen Langzeitstudie in der Fachzeitschrift „Journal of Animal Ecology“ scheint starke Bejagung durchaus die Vermehrungsexplosion anzufachen. Dabei wurden zwei unterschiedliche Waldgebiete in Frankreich beobachtet, eines mit intensiver Jagd und dementsprechend hohem Jagddruck für die Schweine, sowie eine kaum bejagte Region in den Pyrenäen. Während im schwach bejagten Gebiet die Tiere in der Regel mit zwei Jahren mit der Fortpflanzung beginnen, werden in der Region mit dem hohen Jagddruck schon einjährige Schweine schwanger.
Auch im Wiener Lainzer Tiergarten kennt man diesen Effekt aus eigener Beobachtung: Jedes Jahr wird mehr als die Hälfte des Wildschweinbestandes erlegt – bis zu 1300 Tiere. FörsterInnen bestätigen, dass auch hier die Schweine schon früher geschlechtsreif werden. Ein Zusammenhang mit der extrem starken Bejagung (Abschussquote von mehr als 50 %) ist nahe liegend.

Weder in Österreich noch sonst irgendwo ist eine Trendwende in der „Schweinedemografie“ erkennbar. Sogar von einer möglichen Verdreifachung der jetzigen Populationsdichte ist bereits die Rede. "Ich sehe nur wenig Chancen, das jagdtechnisch in den Griff zu bekommen“, kommentiert dies selbst ein jagdfreundlicher Wiltierkundler.

Wirkungsvolle neue Strategien gefragt

WildtierbiologInnen, ÖkologInnen, Tierschutzorganisationen, Forstverwaltungen und auch Jagdverbände sind aufgerufen, neue Strategien zu erforschen und entwickeln. Innovative, aber auch ökologisch wie ethisch durchdachte Konzepte und Lösungen sind gefragt.

Die Jagd als vermeintliches Allheilmittel zur Populationsregulierung und zum brachialen „Naturschutz“ hat jedenfalls offenbar ausgedient.

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