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Was hat Animal Liberation mit Wr. Neustadt zu tun?

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (19.03.2019)

Wien, 19.03.2019

Vom 16. bis zum 17. März 2019 fand in Wr. Neustadt das erste Mal das Animal Liberation Weekend statt. Ein Wochenende, an dem sich sämtliche Teilnehmer*innen mit dem Thema Befreiung der Tiere beschäftigten.

Aber was bedeutet das? Geht man hinaus und öffnet sämtliche Tore zu den Stellen, um die Tiere zu befreien? Es wäre auf jeden Fall naheliegend. Aber das Naheliegende ist nicht immer das Richtige. Nein, es geht nicht um direkte Freilassung, sondern darum einen Weg zu finden jedem Lebewesen die Möglichkeit zu geben ein geglücktes Leben zu führen, in Freiheit und Gleichheit.

Animal Liberation Weekend das bedeutet in erster Linie eine Gruppe Menschen, die sich der Thematik der Tierrechte und ihrer Durchsetzung annehmen und widmen möchten. Um dies wirklich zielführend tun zu können, bedarf es einer theoretischen Grundlegung. So erfuhren die Teilnehmer*innen im KulturGutNatur was Tierrechte überhaupt sind, wie die rechtliche Lage in Österreich ist. Eine schwierige Ausgangslage. Tiere sind nach wie vor Sachen, laut dem ABGB. Aber ein wenig anders. Ein Tisch ist eine Sache. Ein Hund auch. Dennoch sieht der Gesetzgeber zumindest ein, dass es nicht dasselbe ist ob ich mit einem Tisch oder einem Hund umgehe. Immerhin. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass wir weit davon entfernt sind unsere Mitgeschöpfe als fühlende Wesen zu titulieren. Auch im Gesetz. Aber warum ist es so wichtig, dass das Gesetz dieses festhält?

Wenn man die meisten Menschen fragt, dann würden sie dem spontan zustimmen. Tiere sind fühlende Wesen. Also zumindest Hunde und Katzen und Meerschweinchen und Kaninchen. Oder zumindest mein Hund oder meine Katze oder mein Meerschweinchen oder mein Kaninchen. Spontan und aus dem Bauch heraus. Aber was kann das mit einem Schwein oder einer Kuh oder einer Ratte zu tun haben? Da hört sich das spontane Bauchgefühl schon wieder auf. Und außerdem sind Ratten ekelig, meinen viele. Und übertragen Krankheiten. Aber Katzen, ja Katzen sind lieb. Das nennt sich dann, wie auch gelehrt wird, Speziesismus, also die Höherwertung mancher Spezies gegenüber anderen. Das kann aber nicht Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein, schon gar nicht im Sinne Kants. Neben diesem emotionalen Zugang, gibt es auch andere, handfestere Gründe, warum wir unsere Mitgeschöpfe unterschiedlich behandeln, in der Wahrnehmung, ebenso wie im Gesetz, das letztlich nichts anderes ist als die allgemeine Meinung einer Gesellschaft. Diese Gründe bestehen im Nutzen, den wir aus den Tieren ziehen, wie Genuss oder Profit. Außerdem sind die meisten Menschen der Meinung, dass das Gesetz recht hat. Was nicht verboten ist, so der Tenor, kann nicht schlecht sein. Und wiederum schwirrt Kant im Hinterkopf herum:

Habe den Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Eine schwerwiegende Entscheidung, eine, die jene Teilnehmer*innen im Vorfeld getroffen haben. Zunächst kommt bei den meisten wohl der emotionale Einstieg, indem sie für sich entscheiden, ihren Mitgeschöpfen kein Leid mehr zufügen zu wollen. Nicht nur durch ihre direkten Handlungen, sondern auch durch die indirekten. Kaum jemand schlachtet sein Essen selbst, aber gegessen werden die geschlachteten Tiere. Das wurde erkannt. Für mich selbst. Aber es ist zu wenig, zu wenig für eine leidfreie Welt, für ein befreiendes, liebevolles, zugewandtes Miteinander. Es gilt diese Botschaft zu verbreiten, anderen den Mut zu geben, ebenso zu sehen und zu verstehen. Dabei gelangt man sehr schnell an den Punkt, an dem man mit Interessen in Konflikt gerät. Mit den Profitinteressen derer im Großen und Ganzen, die an diesem Leid verdienen. Deshalb ist es wichtig, und wurde auch an diesem Wochenende breit behandelt, zu wissen, welche Möglichkeiten habe ich meine Botschaft zu verbreiten, sei es in Form von Kundgebungen oder Demonstrationen, durch das Verteilen von Informationsmaterial oder Vorträge etc. Was für Rechte habe, wie weit muss ich mich der Exekutive gegenüber zu erkennen geben? Wie weit muss ich brav und gehorsam sein, im weitesten Sinne des Wortes?

Eingelernte Werte, Autoritäten zu gehorchen, aber ihnen auch vertrauen zu können, dass mir zumindest die Wahrheit gesagt wird, werden erschüttert. Es ist nicht leicht all dies hinter sich zu lassen ohne einen Anflug von Unwohlsein. Weil wir ja gute Menschen sein wollen. Weil wir ja brav sein wollen. Weil wir keinen Ärger machen wollen. Aber wenn man eine Lüge enttarnt, Menschen dazu bringen möchte, eingelernte Pfade zu verlassen, dann wird man sich Ärger einhandeln, und sei es nur verbal. Deshalb wurde dem Thema der Kommunikation, der Auseinandersetzung breiter Raum eingeräumt, um nicht zuletzt die praktische Umsetzung nicht zu vergessen. Denn wer gesehen werden will, muss sich sichtbar machen, wer gehört werden will, muss sich hörbar machen. Mit viel Engagement und Kreativität haben die Teilnehmer*innen die Botschaften in Aktionen verpackt, die wir bald ausprobieren werden. Und dann war das reichhaltige Essen mehr als verdient. Alles total lecker und natürlich leid frei.

Unsere Sponsor_innen

Ein großes Dankeschön an alle, die dieses Wochenende ermöglicht haben. Insbesondere dem fantastischem Catering-Team für das tolle Essen.

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