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VGT-Aktion thematisiert Skandal: Schweine müssen über ihrem Kot leben

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.05.2019)

Wien, 28.05.2019

6 Kloschüsseln auf der Wiener Mariahilferstraße, auf denen Aktivist_innen mit Schweinemasken sitzen: Vollspaltenboden bedeutet Leben auf dem Plumpsklo

Während man bei der ÖVP die 34 % Zustimmung der Bevölkerung im Rahmen der EU-Wahl als historischen Rekord feiert, gibt es schon seit langem Mehrheiten von 80 % und mehr in der Bevölkerung gegen Tierfabriken, Intensivtierhaltung und insbesondere die tierquälerische Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden. Bei Letzterer müssen die Tiere auf harten Betonspalten über ihrem Kot leben, und haben keinerlei Zugang wenigstens zu Stroh. Bisher hat sich die ÖVP als Lobbypartei der Tierindustrie gegen jede Verbesserung im Tierschutz ausgesprochen und ihre jeweiligen Koalitionspartner_innen diesbezüglich in Geiselhaft genommen. Doch damit ist es in den nächsten Monaten nach dem gestrigen erfolgreichen Misstrauensantrag vorbei. Eine einmalige Chance für den Tierschutz, freie Mehrheiten im Parlament für einen vernünftigen Fortschritt zu finden. Das Verbot der Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden wäre ein solcher. Die Alternative, nämlich Teilspaltenboden mit eingestreuter Liegefläche, ist kommerziell machbar, existiert bereits in anderen Ländern und kostet lediglich 30 % mehr, hat aber große Auswirkungen für die Schweine. Die Tiere würden dann nämlich nicht nur weicher liegen, sie können sich auch beschäftigen, beißen sich nicht mehr gegenseitig Ohren und Schwänze ab, haben mehr Platz und müssen nicht mehr über ihrem Kot leben. Letzteres thematisierte der VGT heute auf der Wiener Mariahilferstraße.

Sechs Kloschüsseln standen mitten auf der Straße. Darauf saßen Aktivist_innen mit Schweinemasken. Der Platz für ein 85 kg schweres Mastschwein in Österreich beträgt 0,55 m² oder 1 m x 55 cm. Dieser minimale Platz muss zum Schlafen, Essen, zu jeglicher sonstiger Aktivität und zum Koten dienen. Selbstredend können da die Tiere ihren Exkrementen nicht entkommen und müssen ununterbrochen direkt über ihnen leben. Die Folge sind geschädigte Lungen und entzündete Augen. Ex-Bundeskanzler Kurz hatte dazu gemeint, Tierhaltung sei Privatsache und kein politisches Thema, das müssten eben die Konsument_innen selbst entscheiden. Ohne Deklaration auf den Fleischpackungen und ohne seriöse Information aus den Ställen wohlgemerkt, weil die Kurz-ÖVP sogar ein strafrechtliches Filmverbot in Tierfabriken geplant hatte, wozu es jetzt glücklicher Weise durch das Regierungsende nicht gekommen ist. Nun, ohne eine Koalitionsvereinbarung, die SPÖ und FPÖ bei ihrer jeweiligen Regierungsbeteiligung in Geiselhaft genommen hatte, wäre der Weg frei für eine offene Abstimmung im Parlament, um die Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden endlich zu verbieten.

VGT-Obmann Martin Balluch dazu: Sowohl die SPÖ als auch die FPÖ haben mir in den letzten Jahren und Jahrzehnten im persönlichen Gespräch gesagt, dass wenn sie könnten, wie sie wollten, drastische gesetzliche Änderungen im Tierschutz kommen würden, wie z.B. ein Verbot des Vollspaltenbodens, aber auch ein Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln, ein Verbot des Schnabelkürzens bei Puten und des Kückenschredderns, und ein echtes Anbindehaltungsverbot bei Rindern - um nur einige zu nennen. Jetzt gibt es keine Koalitionsbindung an die ÖVP, jetzt könnten sie frei entscheiden. Jetzt werden wir sehen, ob ihre Reden vom Tierschutz nur heiße Luft zur Imagepflege sind, oder ob sie es ernst meinen. In den Monaten bis zur Wahl könnten echte Fortschritte im Tierschutz erzielt werden!

Der VGT hat eine Petition gestartet: vgt.at/vollspalten

Fotos in Printqualität: Zum Download

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