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VGT fordert Ende der Fütterung von Wildtieren für die Jagd

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (19.11.2019)

Österreich, 19.11.2019

Kärntner Studie in 10.000 ha Jagdgebiet ohne Fütterung beweist, dass es dann Tieren und Wald besser geht; Vorbild Liechtenstein: Fütterungen nur mehr bei echter Notlage

Im letzten Jahr, bei den großen Niederschlägen im Winter, hat die Jägerschaft bewusst die Öffentlichkeit getäuscht und so getan, als müsste sie aus Tierschutzgründen (nur) jagdbare Wildtiere (die große Trophäen produzieren können) füttern, würde davon aber von der Forstwirtschaft abgehalten. Manche tierschutzaffinen Personen und Organisationen fielen darauf herein. In Wahrheit wird nur gefüttert, um hohe Populationen mit kapitalen „Stücken“, wie in der Jägersprache Tiere genannt werden, zu erreichen. Mit Tierschutz hat die konventionelle Jägerschaft überhaupt nichts am Hut. Dass es den Tieren und dem Wald ohne Fütterung besser geht, beweist eine Studie aus Kärnten. Dort wurde auf 10.000 ha Grund im Jahr 2014 vollständig mit der Fütterung aufgehört. Ein Monitoring durch DI Horst Leitner vom Büro für Wildökologie und Forstwirtschaft ergab eindeutig, dass der Waldverbiss zurück ging und nicht mehr Tiere im Winter gestorben sind. Wildtiere sind eben an den Winter angepasst und haben entsprechende Strategien, ihn ohne Hilfe durch den Menschen zu überleben. Sie pflanzen sich nur ohne die intensive Fütterung weniger fort, was alle, denen Natur und Wildtiere am Herzen liegen, nur freuen kann.

Vorbild, wie es auch in Österreich gehen könnte, ist das Fürstentum Liechtenstein. Dort hat man bereits 2005 mit der Fütterung aufgehört. Seither gilt, dass nur noch in einer absoluten Notlage gefüttert werden darf. Die ist dann gegeben, wenn auf 1000 m Seehöhe 1) seit mehr als 2 Wochen 2) die Temperatur unter -10°C, 3) die Schneehöhe über 1 m und 4) die Schneeoberfläche durchgehend verharscht ist. Für einen solchen Fall stehen 15 Futterstellen bereit, die mit regionalem Heu versorgt sind und nur bei einer solchen Notlage geöffnet werden. Die Tiere wissen, wo sich diese Futterstellen befinden.

VGT-Obmann Martin Balluch plädiert für Vernunft bei der Fütterung jagdbarer Wildtiere: Die Jägerschaft wird nicht müde, ständig zu wiederholen, dass die Rothirsche aussterben würden, wenn sie nicht gefüttert werden. Aber weil man sie füttert, müsse man sie dann leider in Massen abknallen. Letzteres ist vom Standpunkt des Tierschutzes problematisch, Ersteres faktisch falsch. Wir wissen jetzt, dass Rothirsche an den Winter angepasst sind, ihre Verdauung umstellen und die kalte Jahreszeit mühelos überstehen können. Aus Gründen des Tierschutzes sollte man nur in einer echten Notlage füttern. Doch wann ist die gegeben? Die österreichischen Jagdgesetze verpflichten sogar zur Fütterung in einer Notsituation, doch geht man hierzulande üblicherweise davon aus, dass damit der ganze Winter gemeint ist. Der Vorschlag einer Definition von Notlage aus Liechtenstein scheint mir vom Standpunkt des Tierschutzes aus sehr vernünftig. Die Jagd sollte sich an der Ökologie und dem Tierschutz orientieren, und nicht am Trophäenkult und der Lust, Beute zu machen!

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