Teilen:

Lotte Siebengescheit geht in den Zoo

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (04.03.2020)

Wien, 04.03.2020

Rezension des Kinderbuchs von Colin Goldner

Colin Goldner ist ein renommierter Psychologe und Kulturanthropologe und in Tierrechts-Kreisen durch seine Arbeit für das Great Ape Project sowie durch seine Veröffentlichungen zum Thema Tiere in der Unterhaltungsindustrie international bekannt. Nach den Werken Lebenslänglich hinter Gittern - Die Wahrheit über Gorilla, Orang Utan & Co in deutschen Zoos und Zirkus und Zoo - Tiere in der Unterhaltungsindustrie (Co-Autorin: Laura Zodrow) bringt er 2018 ein Kinderbuch im Alibri Verlag heraus, das die Themen Zoo und Tiergefangenschaft auf spielerische Weise kindergerecht aufbereitet.

Lotte Siebengscheit geht in den Zoo – und findet‘s gar nicht toll erzählt in Reimform die Geschichte der 7-Jährigen Lotte, die von ihrer Oma unfreiwilligerweise in den Zoo geschleift wird. Die wiffe Enkelin hat längst erkannt, dass Tiere in Gefangenschaft leiden und kommt nur mit, um ihre Großmutter über die Wahrheit hinter dem Zoobetrieb aufzuklären.

Dabei schneiden die beiden während ihres Zoo-Rundgangs die wichtigsten Themen der Zookritik aus Tierrechtssicht an: Elefanten, die als Wildfänge in den Zoobetrieb gelangen und zu lebenslänglicher Gefangenschaft verdammt werden. Eisbären, die aufgrund der engen Haltung Stereotypien aufzeigen und schwer gestresst sind. Vögel, die entgegen ihrem natürlichen Bewegungsdrang und dem Wunsch, frei zu fliegen, ihr Dasein in engen Drahtvolieren fristen müssen. Meeresbewohner, die in Aquarien tagein tagaus im Kreis schwimmen müssen. Tiere mit Depressionssymptomatik aufgrund der beengten Lebensbedingungen, die mit Psychopharmaka vollgestopft werden. Die Tatsache, dass in Zoos laufend für Nachwuchs gesorgt werden muss, um Besucher_innen anzulocken und die überschüssigen Jungtiere als Frischfleisch an die anderen Zootiere verfüttert werden. Und nicht zuletzt die Artenschutzlüge, mit der Zoos uns gerne vorgaukeln, dass sie für den Arterhalt eintreten, während der Zoobetrieb in Wahrheit ein Riesengeschäft ist, von dem eine Gruppe sicher nicht profitiert: die Tiere.

Unter dem Vorwand, dass hier wertvolle Bildungsarbeit betrieben werde, werden Tiere in Gefangenschaft gezwungen. Das hat sogar die 7-Jährige Lotte durchschaut:

Die Lotte sagt: "Und das soll nun
für uns're Bildung etwas tun?
Über die Tierwelt lerne ich
nur dann was, wenn die Tiere sich
in Freiheit und Natur bewegen.
In Zoogefangenschaft hingegen
lernt man, das weiß jedes Kind
nur, wie sie hinter Gittern sind.
Sieht man sich Dokufilme an,
man sehr viel mehr doch lernen kann."

Auch das Speisenangebot im Zoo wird von dem cleveren Mädchen kritisiert. Tiere zu bestaunen und gleich darauf in die Schnitzelsemmel zu beißen passt für Lotte einfach nicht zusammen und sie erklärt der Großmutter bestimmt:

Nein, sagt die Lotte, tierleidfrei
geht‘s nur, wenn Käse, Milch und Ei
gestrichen sind vom Speiseplan,
auch Fisch, das nennt man dann „vegan“.

Das Besondere an Goldners erstem Kinderbuch sind nicht nur die witzigen Reime und die bewundernswerte Nicht-Obrigkeitshörige Haltung der kleinen Lotte - es sind auch die Illustrationen, die von Krystyna und Manuel Valverde in liebevoller Detailarbeit mit echten Skulpturen im Dioramen-Stil aus Knetmasse geschaffen wurden.

Auch wenn die Thematik eine Ernste ist und die Stimmung der Protagonist_innen angesichts der aussichtslosen Lage der Tiere im Laufe der Erzählung immer betrübter wird, gelingt es dem begnadeten Autor doch, eine liebevolle Frische in die Erzählung zu bringen. Denn Lotte steht auf gegen das Tierleid und motiviert andere, es ihr gleichzutun. Ein gedichtetes Plädoyer für Tierrechte, Veganismus und Mitgefühl gegenüber Tieren in Gefangenschaft!

Fazit: Empfehlung für alle (Kinder und Erwachsene) ab 8 Jahren


Kostenlose Hörbuch- Version

Mehr Kinderbuch-Besprechungen auf vegan.at:

Kinderbücher Teil 1
Kinderbücher Teil 2

Hintergrundwissen ZOO

22.10.2026, Wien

VGT übergibt 90.000 Stimmen für Hitzefrei für Fiakerpferde an Stadtrat Czernohorszky

Internationale Entwicklungen zeigen : Wien darf nicht zum Schlusslicht im Pferdeschutz werden

21.10.2026, Wien/OÖ

Aktuelle UNESCO-Stellungnahme: ob OÖ-Singvogelfang Kulturerbe bleibt, ist offen

Festgestellt wird, „dass es sich um eine gesellschaftlich umstrittene Praxis handelt – insbesondere hinsichtlich der Einschätzung von Ausmaß und Zumutbarkeit des den Vögeln zugefügten Leids“

16.10.2026, Wien

Einladung: VGT-Anti-Pelz-Demomarsch in Wien

Samstag, 17. Oktober, 13 Uhr, Christian-Broda Platz

14.10.2026, Wien

VGT: Bundesregierung gesetzlich verpflichtet, 2027 Schweinehaltung neu zu regeln

Anlässlich der heutigen Nationalratssitzung erinnerte der VGT vor dem Parlament die Regierung daran, die offene Frage der Schweinehaltung auf Vollspaltenboden endlich zu lösen

13.10.2026, Wien/EU

85 % der Österreicher:innen fordern rasches Ende der Käfighaltung

Ein Großteil der Österreicher:innen will bis 2035 ein EU-weites Ende der Käfighaltung von Legehennen. Die Industrie pocht auf eine Übergangsfrist bis 2045.

09.10.2026, Wien

Urteil im SPAR-SLAPP gegen den VGT beweist: Vollspaltenboden ist Tierquälerei

Zusätzlich hat die Richterin mit Bezug zum OGH zahlreiche Klagspunkte von SPAR zurückgewiesen und dadurch die Klage als SLAPP entlarvt

08.10.2026, Wien

Der Schweine-Vollspaltenboden muss weg: VGT-Demos bei Parteizentralen in Wien

Mit Zitat aus dem Tierschutzgesetz, nach dem jetzt ein neuer Mindeststandard in der Schweinehaltung beschlossen werden muss, erinnert der VGT die Regierung an ihre Verantwortung

07.10.2026, Wien

VGT-Aktion: Tintenfische schützen, nicht essen

Morgen ist Welt-Oktopus-Tag. Brutale Methoden beim Fang sind weithin unbekannt