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Würgehalsbänder: sinnlose Tierquälerei auf Kosten der Mensch-Hund-Beziehung

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (11.05.2020)

Wien, 11.05.2020

VGT mahnt zur Einhaltung des Tierschutzgesetzes

Immer noch werden tierquälerische Hilfsmittel im Umgang mit Hunden zu deren „Erziehung“ verwendet. Geht man durch Wiens Straßen, trifft man unverhofft täglich mehrmals auf Hundehalter_innen, die Hunde mit den längst veralteten Würgehalsbändern traktieren. Eine großes psychisches und physisches Risiko für den Hund und ein Gesetzesbruch, wenn es sich um „Würger“ ohne Stopp handelt!

Gegen das österreichische Tierschutzgesetz, § 5. Verbot der Tierquälerei, verstößt die Verwendung technischer Geräte, Hilfsmittel oder Vorrichtungen, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen. Genannt werden Stachelhalsbänder, Korallenhalsbänder sowie elektrisierende oder chemische Dressurgeräte (so genannte Sprühhalsbänder). Zudem wurde im Zuge der Novelle des Tierschutzgesetzes 2017 explizit ein Verbot von Halsbändern mit Zugmechanismus ausformuliert, wenn damit durch Zusammenziehen das Atmen des Hundes erschwert werden kann. Würgehalsbänder, Kettenhalsbänder und so genannte Moxon- oder Retrieverleinen fallen in diese Kategorie.

VGT Hunde-Expertin und Tierschutzlehrerin Nina Decker klärt auf: Würgehalsbänder sind aus gutem Grund gesetzlich verboten – es ist eine absolute Tierquälerei! Würgehalsbänder MIT Stopp sind zwar erlaubt – oft werden sie aber so eingestellt, dass der Hund trotzdem gewürgt wird! Das stellt einen klaren Gesetzesbruch dar und ist aus Tierschutz-Sicht ganz klar zu verurteilen. Leider empfehlen selbsternannte „Hunde-Trainer_innen“ immer noch den Einsatz solcher Würgehalsbänder. Dabei ist dieser sogar kontraproduktiv – er wird das als negativ betrachtete Verhalten des Hundes im schlimmsten Fall nur verstärken.

Aber nicht nur der Einsatz von Kettenwürgern ohne Stopp ist verboten, sondern auch die tierquälerischen Ketten- und Stachelwürge-Halsbänder. Erst vor wenigen Wochen hat der VGT einen deutschen Zoofachhandel angezeigt, der diese Produkte auch nach Österreich liefert.1

Der Hundehals ist anatomisch ähnlich dem Menschenhals aufgebaut und ein sehr empfindlicher Bereich. Hier befinden sich Halswirbelsäule, Muskulatur, Luftröhre, Kehlkopf, Schilddrüse und Speiseröhre. Wichtige Blutgefäße und Nervenbahnen verlaufen durch den Hals. Zug am Halsband oder auch ein Leinenruck – ob durch den Menschen oder den Hund selbst verursacht – kann die Funktion dieser Organe beeinträchtigen, Atemnot verursachen und mechanische Verletzungen hervorrufen. Andauernde Muskelverspannungen können auftreten. In jedem Fall hat der betroffene Hund Schmerzen! In einer wissenschaftlichen Arbeit wurde der Zusammenhang zwischen Zug am Halsband und steigendem Augeninnendruck bis zum Glaukom beobachtet.2 Besonders in der Kombination mit langen Leinen, wie ausziehbaren oder Schlepp-Leinen, sind Halsbänder gefährlich! Laufen die Hunde mit hoher Geschwindigkeit und mit mehreren Metern Anlauf in die Leine, kann es zu Wirbelverschiebungen bis schlimmstenfalls zum Genickbruch kommen! Da die genannten negativen Effekte auch bei einem normalen Halsband auftreten können, ist ein gut sitzendes Y-Brustgeschirr die bessere Alternative.

Für ein Hundetraining sind, entgegen vieler Behauptungen, (Würge-)Halsbänder absolut nicht notwendig. Sie lösen beim Hund Stress aus, worunter der Hund selbst leidet und der kontraproduktiv für dasTraining selbst ist. Der Hund kann Angst vor dem Menschen bekommen, was die gesamte Mensch-Hund-Beziehung negativ beeinflusst. Das Gehen an lockerer Leine kann allen Hunden gut über moderne, gewaltfreie Trainingsmethoden beigebracht werden. Dabei wird freundschaftliche Zusammenarbeit gefördert und im weiteren sogar die Beziehung bereichert.


(1) Gemäß § 5 Abs 4 TSchG ist das In-Verkehr-Bringen von Gegenständen, die gemäß Abs 2 Z 3 lit a nicht verwendet werden dürfen, verboten. Gem. Abs 2 Z 3 lit a sind Stachelhalsbänder und Korallenhalsbänder verboten.

(2) Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs. In: Journal of the American Animal Hospital Association 42, S.207-211.

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