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Wien, am 07.09.2020

Vogel gefunden – was tun?

Nicht jedes Wildtier braucht Hilfe – eine Zusammenfassung über die wichtigsten Erstmaßnahmen

Fast alle tierlieben Menschen waren schon einmal in der Situation – in der Wiese sitzt ein junger Vogel, vermeintlich alleingelassen oder gar aus dem Nest gefallen? Ohne unsere Hilfe ist das Tier nicht überlebensfähig! - oder doch? Der VGT fasst die wichtigsten Punkte für aufgefundene Vögel zusammen. Wer braucht wirklich Hilfe?

1. Jung oder adult

Mache dir ein Bild, ob es sich bei dem Vogel um ein Jungtier handelt, oder um einen möglicherweise verletzten erwachsenen Vogel. Wenn ein erwachsenes Tier nicht wegfliegt, wenn du dich ihm näherst, stimmt etwas nicht! Der Vogel würde sich auf jeden Fall in Sicherheit bringen. Eventuell ist er benommen/bewusstlos (nach Anflugtrauma) oder hat Verletzungen (z.B. bei Katzenbiss). Typische Merkmale dafür, dass ein erwachsener Vogel Hilfe braucht, sind: Seitenlage, blutige Wunden, asymetrisch abstehende Körperteile (Knochenbruch), Umfallen, Einschlafen im Stehen, "Hecheln" (Schnabelatmung). Auch andere Krankheiten sind möglich. Bitte setze dich mit der nächsten Wildtierauffangstation in Verbindung! Wie der Vogel richtig gesichert werden kann, beschreibt die Wildtierhilfe Wien. Ist das Tier noch jung (erkennbar am flauschigen oder noch gar nicht vorhandenen Gefieder und den gelben oder weißen dicken Schnabelwülsten) gilt es als erstes, das ungefähre Alter zu bestimmen. Denn nur das gibt Auskunft darüber, ob der Vogel fremde Hilfe benötigt.

2. Nestling oder Ästling

Vögel, die noch im Nest verbleiben, werden Nestlinge genannt. Sie sind noch nicht in der Lage zu fliegen und werden von den Eltern rund um die Uhr betreut. (Ist ein Nestling z.B. bei starkem Wind aus dem Nest gefallen, kannst du ihn wieder zurücksetzen! Die Eltern werden das Tier trotz menschlichen Geruchs wieder annehmen. Bitte prüfe vorher, ob er Verletzungen hat oder ob eine Katze "dran" war - dann braucht das Tier dringend Antibiotika.) Dann gilt es, zu überprüfen, ob die Eltern wieder zum Füttern kommen. Ist kein Nest auffindbar, musst du den Vogel sichern und einer Wildtierstation übergeben. Sie sind noch nackt oder wenig befiedert und alleine nicht überlebensfähig.

Anders verhält es sich mit Ästlingen: sie haben bereits das Nest verlassen und beginnen, selbständig nach Nahrung zu suchen. Dabei sind sie aber nach wie vor in engem Kontakt mit den Elterntieren, leben aber außerhalb des Nestes. Die Elterntiere versorgen sie noch mit Futter (meist bis zu 2 Wochen, Krähen sogar noch länger) und beobachten sie ganz genau. Niemals dürfen Ästlinge, die nicht verletzt sind, aus falscher Tierliebe mit nachhause genommen werden! Erst wenn über ein paar Stunden aus einem sicheren Versteck beobachtet wurde, dass Elterntiere sich nicht um den jungen Vogel kümmern, und das Tier nicht selbständig nach Nahrung sucht, oder immer schwächer wird, kann davon ausgegangen werden, dass der Vogel Hilfe braucht. Wenn sich das Tier in akuter Gefahr befindet, z.B. durch Straßen, Hundezonen oder bspw. Katzen, kann der Vogel in ein Gebüsch in unmittelbarer Umgebung gesetzt werden.

Video von einer Tierrettung:

Im Frühjahr hat eine Aktivistin des VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN im Innenhof zwei Jungkrähen entdeckt, die wohl bei einem starken Sturm aus dem Nest gefallen sind. Eines der Tiere hatte eine Fehlstellung am Bein und musste tierärztlich betreut werden. Das andere Tier war ein Ästling und konnte sich bereits selbst versorgen! Die Eltern waren permanent in Kontakt mit ihren Kindern und haben sie mit Essen versorgt. Danke der engagierten Helferin für ihren tierlieben Einsatz!

3. Sonderfall Schwalben und Mauersegler sowie Tauben

Diese Tiere verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft. Findest du eine Schwalbe oder einen Mauersegler am Boden auf, braucht es auf jeden Fall Hilfe. Bitte setze dich mit einer Wildtierstation in deiner Nähe in Verbindung. Auch flugunfähige junge Tauben außerhalb des Nests brauchen immer Hilfe. (Tauben haben keine Ästlingsphase.)


Wichtige Tipps, die Leben retten

  • Bitte immer prüfen, ob der Vogel wirklich Hilfe braucht. Viele Tiere sterben aus falsch verstandener Tierliebe und hätten gar keine Hilfe benötigt.
  • Bitte ohne die explizite Anweisung von wildtierkundigen Personen einem aufgefundenen Tier niemals Essen oder Trinken reichen! Ganz besonders nichts einflößen, geschwächte Tiere können sich verschlucken und ersticken!
  • Jungvögel, die Hilfe brauchen, benötigen am dringendsten Wärme (vor Nahrung!) Bitte die Anweisung für den Bau eines künstl. Inkubators lesen und alsbald mit der nächsten Wildtierstation Kontakt aufnehmen.
  • Vögel für den Transport in eine dunkle, ausbruchsichere Kiste setzen ohne Wasser! Beim Transport wird der Vogel ev. nass und kann an Unterkühlung sterben. Für Nestlinge bitte ein zusammengerolltes Handtuch als Nestzur Verfügung stellen, damit sie nicht umhergeschleudert werden. Bitte unter den Karton eine lauwarme Wärmflasche legen, sodass das Tier zwischen wärmerm und kühlerem Untergrund wechseln kann. Bitte niemals zu heißes Wasser verwenden!
  • Tauben, die hinter einem Taubenabwehrnetz gefangen sind, brauchen dringend Hilfe! Bitte wende dich an die örtliche Feuerwehr, die Hausverwaltung, einen Tierschutzverein oder an den VGT und stelle ihnen Futter und Wasser zur Verfügung.
  • Bitte Vögel mit Anflugtrauma immer sichern. Oft sterben Tiere binnen 48 Stunden an Hirnblutungen. Kühl, dunkel und geräuscharm lagern und Pflegestelle kontaktieren!
  • Die meisten Vögel lassen sich erst einfangen, wenn es ihnen sehr sehr schlecht geht! Wenn ein adulter Vogel nicht flüchtet, braucht er dringend Hilfe!

Bitte hilfsbedürftige Wildvögel niemals zuhause aufnehmen und in Gefangenschaft halten – die Tiere gehören in die Freiheit, sobald sie gesund gepflegt wurden. Danke!

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