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Hard, am 23.02.2021

Taubenbabies bedroht - Stadttauben brüten in Abriss-Bahnhof

Diese Tauben sollten vertrieben, ihre Babys getötet und ihre Nester zerstört werden. Der Grund? Sie brüten und leben in einem alten Bahnhof der ÖBB, der abgerissen werden soll.

Der Schauplatz: Hard in Vorarlberg. Eine besorgte Nachbarin hatte den VGT und die Vorarlberger Tierrettung zum alten Bahnhof gerufen, da im Dachstuhl des zum Abbruch freigegebenen Gebäudes eine Taubenkolonie lebt. Ein Schwarm von rund 20 Vögeln umkreiste das Gebiet - offensichtlich in Aufruhr, da die Ausräumarbeiten des Gebäudes bereits im Gange waren. Durch die Lüftungsöffnungen im Giebel verschwanden immer wieder Tauben im Inneren. Bei der Begutachtung des Dachstuhls entdeckte man ca. 30 Nestlinge und Jungtauben und mehrere brütende Elternpaare.

Ann-Kathrin Freude, Campaignerin des VGT: Es ist nicht erst seit gestern klar, dass der Bahnhof abgerissen werden soll. Man hätte also schon vor Wochen beginnen sollen, die noch nicht entwickelten Eier gegen Attrappen auszutauschen. So wären hier nun keine Nestlinge und Jungtauben vorhanden. Die Einfluglöcher hätten verschlossen werden können. Jetzt wird ein aufwendigerer Einfang- und Umsiedelungsprozess notwendig. Wir werden genau aufpassen, dass die Tiere mit der notwendigen Vorsicht behandelt werden.

Das „Problem“ ist hausgemacht

Stadttauben sind Nachkommen domestizierter Tiere und vermehren sich aufgrund von Jahrhunderte langer Zucht das ganze Jahr über. Sie sind auf Nistplätze in Dachböden oder Hausnischen angewiesen, da sie anders als die meisten Wildvögel nicht in Bäumen brüten können. Ein bis zwei Eier legen sie pro Brutvorgang. Die Kücken werden von Mutter und Vater versorgt, die sich lebenslang binden. Tauben sind sehr soziale und reinliche Tiere, die in festen Familienverbänden leben und sich gegenseitig unterstützen.

Auch Stadttauben sind natürlich durch das österreichische Tierschutzgesetz geschützt. Dieses verbietet das Zerstören von Nestern und Töten von Taubenkücken bei Hausabbrüchen oder Umbauten.

Doch es gibt Lösungen

Dieser und ähnliche Fälle zeigen, wie wichtig es ist, im Vorhinein sinnvoll zu erheben, was zu tun ist. Taubensensible Lösungen müssen vorgedacht werden, sorgen damit aber auch für weniger Kosten, als späte Lösungen, die oft viel umständlicher sind. Es ist sinnvoll, Expert:innen, wie zB taubenkundige Wildtierhilfen hinzuziehen. So lassen sich Konflikte im Interesse der Menschen und der Tiere am besten lösen. Hard kann mit einer tiergerechten Umsiedlung eine Vorbildfunktion einnehmen, wie sie es in anderen Bereichen bereits tut – wie bei der Umsiedelung der Eidechsen für den Bau des neuen Bahnhofsgebäudes.


Pressefotos zum Download (Copyright: VGT.at)

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