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Weihnachtskarpfen: Tierleid um der Tradition Willen

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (19.12.2022)

Wien, 19.12.2022

VGT plädiert für ein friedliches Weihnachten ohne Fleischgerichte

Der „Weihnachtskarpfen“ ist ein traditionelles weihnachtliches Essen in Österreich und dem restlichen Mitteleuropa. Gerade zu Weihnachten suchen wir Menschen nach Erinnerungen - was auf den Tisch kommt, erinnert uns an Kindheit, Familie, schafft Zugehörigkeit. Dass dafür Tiere leiden müssen, blenden viele aus. Der VGT möchte aufklären, was an Tierleid passiert, bevor der panierte Fisch am Heiligabend auf dem Teller landet.

Massentötungen von Karpfen

In Fischzuchtbetrieben wurden im Jahr 2020 insgesamt 620.555 kg Karpfen als Speisefische „produziert“.1 Bei einem Durchschnittsgewicht von 1,5 kg pro Karpfen sind das über 413.705 Karpfen, die für den kulinarischen Genuss von Menschen in Karpfenzuchtbetrieben getötet wurden. Dabei werden nur 7% des österr. Karpfen-Bedarfs aus heimischen Betrieben gedeckt.2 Der Großteil muss importiert werden. Dazu kommen weitere Tausende Karpfen, die von Angler:innen aus Teichen gefischt werden, obwohl sich Karpfen jetzt im Dezember in einer Art Winterruhe befinden. Damit Karpfen nicht einen zu starken schlammigen Geschmack entwickeln, bekommen sie in Zuchtanlagen oft wochenlang keine Nahrung. Das ist lt. Tierschutz-Schlachtverordnung 4 Wochen lang erlaubt. Aus Sicht des VGT ist das nicht tierschutzgerecht.

VGT Fischereiexperte Mag. Erich Schacherl: Jede Form der Fischzucht ist tierquälerisch. Denn sobald ein Fisch aus dem Wasser geholt wird, leidet er unter Erstickungsgefühlen und Todesangst.3 Nur weil diese Tiere nicht schreien können, heißt das nicht, dass sie nicht leiden. Die Leidensfähigkeit von Fischen ist längst wissenschaftlich erwiesen.

Weihnachts-Karpfen teurer denn je

Karpfen werden als Produkte gesehen, mit denen sich Geld verdienen lässt. Ganz schön viel sogar. Eine Internetrecherche über die aktuellen (Dezember 2022) Preise von Karpfen als Speisefisch hat ergeben, dass ein Kilogramm Karpfen zwischen 20.- und 45.- Euro kostet - stolze Summen, die u.a. der Inflation und den gesteigerten Futterkosten geschuldet sind. Bei der Karpfenproduktionsmenge von 620.555 kg im Jahr 2020 ergibt das Einnahmen zwischen 12.411.100.- (Kilopreis von 20.-) und 27.924.979 (Kilopreis 45.-) Millionen Euro. Die „Produktion“ von Karpfen ist offensichtlich lukrativ. Zu Weihnachten klingeln nicht nur die Glocken am Christbaum, sondern auch die Kassen der Tiernutzer:innen.

Mag. Erich Schacherl: Karpfen sind fühlende, empfindsame, soziale und leidensfähige Wirbeltiere mit speziellen Bedürfnissen. Natürlich brauchen sie gesetzlichen Schutz. Es kann und darf nicht sein, dass diese faszinierenden Fische wie Produkte oder Waren behandelt werden. Aber genau das ist der Fall! In österreichischen Massentierhaltungen fristen nicht nur Hühner, Rinder und Schweine ein trauriges Dasein – auch für Fische ist die enge, auf maximalen Profit ausgelegte Haltung oft eine absolute Qual. Gerade in der Fischerei und Fischzucht haben wir es oft mit tierschutzwidrigem und tierquälerischen Umgang mit Karpfen zu tun. Sei es bei der Vermehrung, dem Handling (wie mit den Karpfen umgegangen wird), beim Abfischen und bei der Hälterung. Das Tierschutzgesetz mutiert bei Karpfen (und anderen Fischen) zum TierNUTZgesetz und schützt die Fischzüchter:innen und Teichwirte:innen, aber nicht die Tiere.

Der VGT fordert ein gesetzliches Fangverbot für Karpfen und alle anderen Fische von November bis März sowie ein Ausweitung des Tierschutzgesetzes, um Fische besser zu schützen.

Der beste Weihnachtskarpfen ist der, der in einem Teich im Schlamm am Boden lebendig und frei seine Winterruhe genießt. Zahlreiche Fleisch- und fischfreie Weihnachtsrezepte warten darauf, entdeckt zu werden! Probieren Sie sie heuer doch einmal aus.

(1) Statistik Austria, Aquakulturproduktion in Österreich im Jahr 2020

(2) Statista: Pro-Kopf-Konsum von Fisch in Österreich

(3) Sneddon, Lynne U. Et al: Ample evidence for fish sentience and pain, in: Animal Sentience 21(17), 2018


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