Der VGT engagiert sich schon seit vielen Jahren dafür, dass die Bedingungen für Fiakerpferde verbessert werden. Ziel ist ein Ende dieser Tierqual-Tradition.
WIEN
In Wien gab es bereits zahlreiche Gespräche mit Tierschutzsprecher:innen der Stadtpolitik, dem Veterinäramt und der Tierschutzombudsstelle Wien. Außerdem hat der VGT 2018 die Allianz Pro-Fiakerpferde mitbegründet und sammelt seit Jahren mit einer Petition Unterschriften für bessere Bedingungen für die Tiere, wie etwa einer Hitzefrei-Regelung ab 30 Grad. Jedes Jahr finden zudem zahlreiche Demonstrationen und Medienaktionen gegen die Ausbeutung der Fiakerpferde statt. Seit vielen Jahren zeigt der VGT außerdem rigoros Gesetzesverstöße der Fiaker an.
Die häufigsten Übertretungen sind dabei:
- Schweifanbinden und die Verwendung von Maulkörben
- Überschreitungen der Betriebszeiten: In Wien dürfen die Fiaker erst um 10 Uhr aus ihren Stallungen in die Stadt fahren und frühestens um 11 Uhr auf die Standplätze auffahren. Spätestens um 22 Uhr müssen sie die Standplätze wieder verlassen haben und um 23 Uhr müssen sie zurück in ihren Stallungen sein.
- Einsatz der Tiere an hitzefreien Tagen: In Wien müssen die Fiaker an einem Tag, an dem die ZAMG Messstelle Wien Innere Stadt 35 Grad erreicht, den Betrieb einstellen und nach Hause fahren. Dabei wird der fettgedruckte Wert der Spalte Temperatur Maximum der sogenannten Hitliste der ZAMG herangezogen. Bereits angefangene Fahrten dürfen noch zu Ende gebracht werden, es dürfen allerdings keine neuen Gäste mehr aufgenommen werden. Den restlichen Tag, auch wenn die Temperatur wieder unter 35 Grad sinkt, dürfen die Fiaker nicht mehr fahren.
Dabei kommt oft auch Hilfe aus der Bevölkerung, die Verstöße an den VGT meldet. Für eine Anzeige sind Angaben zu Ort und Art der Übertretung, Datum und Uhrzeit, die F-Nummer und Platzkarte (beide wie ein Kennzeichen hinten an der Kutsche montiert) und ein Beweis, z.B. eine:n Zeugen:Zeugin oder ein Foto, notwendig.
Was dabei beachtet werden muss, ist im Artikel Wie anzeigen? noch einmal ausführlich zusammengefasst.
SALZBURG
Tierquälereien:
Über die Jahre haben wir viele Tierquälereien dokumentiert bzw. Videoaufnahmen erhalten, die solche zeigten.
- Im September 2022 haben wir Videoaufnahmen erhalten, auf denen zu sehen ist, wie einem Pferd Chilipaste in den Mund geschmiert wurde.
- Bereits dreimal wurden uns Videos zugeschickt, auf denen man sieht, wie Pferden mit der Hand ins Gesicht geschlagen wird, einmal im Juli 2022, einmal im Juli 2023 und einmal im November 2024. Man muss Glück haben und gerade zufällig filmen, weil Schläge u. Ä. schneller vorbei sind, als man ein Handy oder eine Kamera zücken kann.
- Wir haben auch dokumentiert, dass das Geschirr teilweise viel zu eng ist und die Pferde am Hals unangenehm eindrückt oder dass das Fell an den Seiten oder unter den Poo-Bags bereits abgerieben ist.
- Auch unnötiges Peitschen haben wir schon oft dokumentiert. Leider schreit niemand auf, wenn Pferde gepeitscht werden, weil es Konsens zu sein scheint, dass Pferde das „eh nicht spüren“. Aber Pferde spüren sogar, wenn eine Fliege auf ihnen landet und wedeln sie dann mit dem Schweif weg. Sie spüren Schmerzen wie alle anderen Tiere auch.
- Videos zu den Fiakern in Salzburg findest du auch auf YouTube: VGT.Austria
Leider haben wir im Zuge der Landtagssitzung am 12. Juni 2024 erfahren, dass alle Verfahren betreffend angezeigter Tierquälereien einfach eingestellt wurden.
Ruhetage:
Laut dem damals geltenden Vertrag war für die Pferde nach einem Tag in der Stadt mindestens ein Ruhetag verpflichtend. Im Sommer 2022 haben wir über drei Wochen lang täglich dokumentiert und festgestellt, dass die Pferde trotzdem sogar bis zu vier Tage hintereinander in der Stadt waren. Eine Nachkontrolle im September 2022 ergab, dass sich die Fiaker noch immer nicht an die Ruhetage hielten. Auch hier gab es keinerlei Konsequenzen durch das Magistrat, obwohl auch in diesem Fall allen Fiakern die Genehmigung hätte entzogen werden müssen.
Die skandalösen Konsequenzen unserer Dokumentationen:
Als der Fiakervertrag Anfang 2023 verlängert wurde, wurden die Tierschutzkriterien dramatisch verschlechtert:
- Die Hitzefreiregelung wurde komplett gestrichen.
- Die Ruhetagsregelung wurde komplett gestrichen.
- Die Fahrtroute wurde von einer „vorgeschriebenen“ zu einer „vorgeschlagenen“, die nun auch die vormals widerrechtlich befahrenen Straßen mit einschließt.
- Sogar die Konsequenzen für einen Vertragsbruch wurden gestrichen.