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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (01.07.2012)

Fiaker

Tierschutzrelevante Probleme

Im Jahr 2006 gab es vom VGT eine Flut von Anzeigen wegen Übertretung des Bundestierschutzgesetzes bei einer Vielzahl von Fiakerunternehmen, da schwerwiegende Probleme in den Stallungen gesichtet wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Anbindehaltung von Fiakerpferde endlich Geschichte wurde.

Nun stehen die Fiakerpferde in Boxen, wobei ein freier Auslauf auf Koppeln leider für keine Pferde in Österreich gesetzlich vorgeschrieben ist.
Im Fahrbetrieb haben sich die FiakerfahrerInnen lange Zeit nicht an die vorgeschriebenen Arbeitszeiten gehalten und dies wurde toleriert. Nach massenhaften Anzeigen vom VGT kam es auch hier zu der kleinen Verbesserung, dass nun die Arbeitszeiten an den Standplätzen, die jedoch noch immer 12 Stunden betragen, eingehalten werden.

Immer wieder kontrolliert der VGT die Fiakerpferde an den Standplätzen und hierbei sind folgende Probleme aufgetreten:

  • Geschirre sind nicht ordnungsgemäß ans Pferd angepasst
  • Fellabschürfungen
  • Wunden
  • Lahmheiten
  • Schlechter Beschlag
  • Abgemagerte Pferde sind im Einsatz
  • Kaum bis gar keine Futtergabe
  • Fehlende Wassergabe
  • Stehen in Hitze und Kälte
  • Keine Möglichkeiten einen freien Schritt zu setzen
  • Ständiges Gehen auf Asphalt
  • Abgase
  • Maulkörbe
  • Schweif anbinden
  • Respektloser Umgang mit den Pferden
  • Gestresste Pferde sind im Einsatz
  • „Konzessionspferde" werden nie im Betrieb in der Stadt verwendet

Trotz zugesagter regelmäßiger Kontrollen der zuständigen Behörden, kommt es immer wieder zu Gesetzesübertretungen, scheinbar wird zu milde oder gar nicht sanktioniert.

Folgenden Problemen sind die Fiakerpferde ausgesetzt:

a. Während des Fahrbetriebs

  • Bewegungseinschränkung: Die Pferde müssen jederzeit abfahrbereit sein, das heißt, dass sie immer angeschirrt auf den nächsten Fahrgast warten müssen. Angeschirrt sein bedeutet, dass sie während dieser Zeit (erlaubt von 9.00 Uhr bis 23.00 Uhr) niemals einen freien oder unkontrollierten Schritt machen können.
  • Langes Stehen ist ungesund: Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper ist auf viel Bewegung angepasst. Bewegung ist auch notwendig, damit die Gelenke und Sehnen gut durchblutet werden. Ewiges Stehen kann dadurch zu Problemen mit dem Fortbewegungsapparat der Pferde führen.
  • Gelenksprobleme durch Gehen auf Asphalt: Wenn sie sich endlich bewegen dürfen (Ausfahrt) müssen die Pferde durchwegs auf Asphalt gehen. Dies hat natürlich auch gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die Beine und Gelenke (Wie beim Menschen wenn er lange Zeit auf Asphalt geht). Noch schlimmer wird dieses Problem, wenn die Fiaker mit ihren Pferden durch die Stadt traben oder vielleicht sogar galoppieren, was auch immer wieder vorkommt.
  • Fellabschürfungen: Viele Pferde haben auch Fellabschürfungen. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Geschirr nicht passt, oder dass es unsachgemäß angeschirrt wurde oder dass die Pferde es zu lange Zeit tragen mussten.
  • Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze: Wenn die Pferde im Sommer auf den Standplätzen auf den nächsten Fahrgast warten, stehen sie oft in der prallen Sonne. Pferde ziehen sich normalerweise bei großer Hitze in den Schatten zurück und ruhen. Dies ist auf den Wiener Standplätzen nicht möglich, denn wenn der nächste Kunde kommt, müssen sie sich körperlich anstrengen und eine Kutsche ziehen, egal wie heiß es ist.
    Es wird TierschützerInnen immer erklärt, dass Fiakerpferde kein Problem hätten, am Standplatz in der prallen Sonne zu stehen. Pferde seien Steppentiere, Pferde sind Sonnentiere, Pferde lieben die Sonne und sie können mit ihrem Fell die Körpertemperatur gut regulieren.
    So oberflächlich sollte aber an dieses Thema nicht herangegangen werden. Richtig: Auch Fiakerpferde stammen von Steppentieren ab, aber sie leben nicht mehr in der Steppe, sondern eingespannt im Geschirr an den Standplätzen mitten in Wien, ohne die Möglichkeit einen freien Schritt zu setzen - und das auch bei 30°C!
    Jeder der vorbeigeht, ist schockiert und betroffen, dass die Pferde keinen Schatten haben. Vielen wird dann vorgeworfen, dass man die Pferde nicht vermenschlichen dürfe, für die Pferde wäre das „eh nicht so schlimm“. Aber die Pferde leben nicht mehr in ihrer natürlichen Umgebung, sie wurden von den Menschen in die Stadt geholt und ins Geschirr gespannt ohne auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Und es stimmt, es wäre sehr wichtig den Fiakerpferden eine Möglichkeit der Abkühlung zu bieten. Fiakerpferde sind Sonnentiere, aber man darf die zusätzliche Belastung der Stadt nicht unterschätzen. Durch den Asphalt und die Häuser wird enorme Hitze abgestrahlt.
    In der Steppe suchen sich Pferde Plätze, wo es ein bisschen Luftzug gibt, oder sie suchen einen Schattenplatz auf, doch das können die Wiener Fiakerpferde nie tun. Sie können sich nicht einen kühleren oder windigeren Ort suchen, denn sie müssen dort stehen, wo sie der Kutscher abstellt, in der prallen Sonne.
    Deshalb schlägt der Verein Gegen Tierfabriken Möglichkeiten zum Schutz vor Hitze für Pferde vor, entweder Sonnendächer oder Schattenplätze, oder zumindest das Abspritzen der Hufe zur Kühlung.
  • Lärm und Straßenverkehr: Das Pferd ist ein Fluchttier, es verwendet seine Sinne, um Gefahren zu orten. Um den Fluchtreflex der Pferde zu minimieren, werden für die Ohren Ohrenstöpsel verwendet. Damit das Gesichtsfeld der Pferde eingeschränkt wird, verwenden die Fiaker Scheuklappen. Natürlich ist es für die Fiakerpferde im Straßenverkehr und im Straßenlärm besser diese Vorsorge zu treffen, aber man erkennt deutlich welche Vorkehrungen (Einschränkungen) getroffen werden müssen um einen Fiakerbetrieb in Wien überhaupt zu ermöglichen. Sie werden wirklich nur als reine Antriebsmaschinen verwendet.
  • Fiakerpferde und ihr Hufbeschlag: Prinzipiell ist der Beschlag der Fiakerpferde nicht schlecht, trotzdem sind Mängel festzustellen: Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich bringt. Leider ist diese Dämpfung noch nicht für alle Fiakerpferde vorgeschrieben. Viele Fiakerpferde haben zu lange Zehen, die BesitzerInnen versuchen die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern. Gehen mit zu langen Zehen ist für Pferde so unangenehm als würden wir Menschen mit Schwimmflossen in Wien spazieren gehen.
    Weiters werden nicht wie bei allen „normalen“ Reitpferden die Eisen mit 6, sondern mit 8 Nägeln an den Huf genagelt, somit verlieren die Pferde nicht so leicht ihre Eisen, was bei starker Beanspruchung im Betrieb leicht passieren könnte. Der Griff, ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch durch den Griff und die Stollen steht das Pferd eigentlich nur auf 3 Punkten, wodurch sie einen schlechteren Halt haben.
    Durch Eisen mit hohen Stollen und dem ewigen Gehen auf Asphalt wird der Huf in seiner Hufmechanik stark eingeschränkt, und es kann so leicht zu einem Trachtenzwang kommen, der bei vielen Pferden zu erkennen ist.
  • Fehlstellungen: Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann noch solange eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett "verbraucht" sind. Hier findet man auch immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen. Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt eine zusätzliche Belastung für Hufe und Gelenke.
  • Maulkörbe: Leider sieht man sehr oft, dass Fiakerpferde Maulkörbe umgebunden bekommen.
    Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung nicht gewachsen. Aufgrund dieses teilweise täglichen psychischen und physischen Stresses werden die Pferde aggressiv, sie schnappen nach PassantInnen oder nach ihren Pferdenachbarn. An manchen Tagen gehört auch stundenlanges Stillstehen zum Tagesablauf, als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des Geschirrs. Diese Tiere sind seelisch krank und bräuchten zumindest eine Auszeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Einige Pferde können sich nie an diese Belastung gewöhnen, diese gehören aus dem Fahrbetrieb genommen. Doch stattdessen verpasst man ihnen einfach einen Maulkorb und schon sind sie wieder für den Fahrbetrieb tauglich.
    Es gibt verschiedene Maulkorb-Modelle. Das billigste schaut wie ein Plastikblumentopf aus, der bei den Nüstern einfach zwei Löcher hat. Jeder der schon einmal eine Faschingsmaske anhatte, weiß wie unangenehm Plastik vor dem Gesicht ist und wie froh man ist, diese wieder los zu werden, um vernünftig atmen zu können. Die Pferde müssen es erdulden, auch während der anstrengenden Fahrten. Ein anderes Modell besteht aus einem engen Ledernetzwerk, dieses bedeckt die kompletten Nüstern, zum Atmen muss die Luft die durch die Ritzen kommt reichen!
    In diversen Internet-Foren kann man auch lesen, dass diese Maulkörbe zu aufgescheuerten Lippen bis hin zur Blasenbildung führen können. Natürlich sind diese Pferde auch in ihrem Sozialverhalten noch stärker eingeschränkt.
    Der VGT hat verschiedene Fiakerunternehmen, die ihren Pferden Maulkörbe verpassen, wegen Tierquälerei angezeigt und ist für ein Ende von Maulkörben!
  • Schweif anbinden: Immer öfter werden gerade im Sommer den Pferden der Schweif, oder ein Teil des Schweifs am Gespann festgebunden. Die Fiaker wollen damit verhindern, dass sie vom Kot aus den pooh-bags angespritzt werden. Für die Pferde ist dies aber eine starke Einschränkung in ihrem Verhaltensrepertoire und in ihrem Wohlbefinden, da sie den Schweif verwenden um lästige Fliegen zu verscheuchen.
  • Drogengabe bei Fiakerpferden: Pferde sind Steppentiere und dadurch natürlich in keinster Weise an ein Leben in einer Großstadt gewöhnt. Um Pferde überhaupt diesen gewaltigen Sinnesreizen aussetzen zu können, wäre ein langsames Gewöhnen notwendig.
    Einige Fiakerunternehmen nehmen sich diese Zeit und so gibt es z.B. ein erstes Nachtfahrten, um den Pferden so einen langsamen Einstieg in den Alltag der Großstadt zu ermöglichen. Es gibt aber immer wieder Pferde, die trotz aller Bemühungen nie mit der Situation in der Stadt zurechtkommen.
    Manchmal greifen Fiaker zu Sedalin, einem Beruhigungsmittel mit folgender Wirkung: „…Durch seine zentralpsychomotorische Hemmung führt es zur verminderten Erregbarkeit und verminderter Motorik mit Erschlaffung der Muskulatur… Dieser Zustand der relativen Indifferenz gegenüber der Umwelt führt zur teilnahmslosen Gleichgültigkeit mit reduzierter Schmerzempfindung, so dass Manipulationen an dem und mit dem Tier mühelos möglich sind.“ (Quelle: Arzneimittelcodex)
    Es bedeutet Tierquälerei die Tiere dahingehend zu beeinflussen, dass sie von ihrer Umgebung kaum noch etwas mitbekommen. Pferde sind Fluchttiere, sie verlassen sich auf ihre Ohren und ihre Augen. Trotz dieser verminderten Wahrnehmungen, durch das Beruhigungsmittel hervorgerufen, werden sie dann im vollen Betrieb eingesetzt. Manchmal wird dieses Medikament auch prophylaktisch bei Fiakerpferden verwendet, damit sie leichter zu handhaben sind. Es werden Tiere eingesetzt, die mit dem Lärm, den Autos, den anderen Verkehrsmitteln und den vielen Menschen – dem Alltag aller Fiakerpferde – nicht zu Rande kommen. Das ist eindeutig Tierquälerei. Zusätzlich zu der Einschränkung durch Scheuklappen, und oft auch Ohrenstöpsel, wird dieses Beruhigungsmittel verwendet. Eine andere Methode, Fiakerpferde ruhig zu halten ist der Wasserentzug. Es ist uns aufgefallen, dass manche Pferde auf den Standplätzen wenig bis gar nicht getränkt werden. Wenn Tiere keine Flüssigkeit aufnehmen können, wird ihr Körper schlaffer und müder, wodurch sie ruhiger werden. Wasserentzug ist Tierquälerei, bei Hitze sogar Folter.

b. In der „Freizeit“

  • Kein freier Auslauf auf Koppeln: Da es bei den meisten Betrieben keine Möglichkeit eines freien Auslaufes gibt, können die Pferde auch nie Sozialkontakte pflegen oder sich endlich auf weichem Untergrund frei bewegen. Tiere, die in der freien Wildbahn in großen Herden zusammenleben, können sich in dieser Haltungsform nie ihrer Art und Natur entsprechend verhalten.
  • Zuwenig Licht: Zusätzlich befinden sich einige Ställe in Kellern mitten in der Stadt oder sind auch aus anderen Gründen dunkel (z.B. verstellte oder enorm verdreckte Fenster). Die Pferde leben dann - vor allem im Winter - in absoluter Dunkelheit. Wie auch beim Menschen gibt es bei Pferden eine sogenannte Winterdepression, die sie bekommen, wenn sie zu wenig Sonnenlicht sehen. Aufgrund dieser Dunkelhaltung können die Fiakerpferde in Wien auch im Herbst und im Frühjahr diese Depression bekommen.
  • Fehlende Tränksysteme: Eine Reihe von Betrieben hat keine Tränkanlage für die Versorgung der Pferde mit Wasser. Daraus ergibt sich, dass den Pferden nicht laufend Wasser zur Verfügung steht.
  • Fehlende oder zu spärliche Einstreu: Immer wieder konnte beobachetet werden, dass den Pferden in ihren Ständen oder Boxen kein oder zuwenig Einstreu als Liegefläche zur Verfügung gestellt wurde. Das Liegen auf hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der Gesundheit der Pferde.
  • Fehlendes Heu: Pferde sollten ständigen Zugang zu Heu haben.

Gesetzliche Regelungen

a. Bundestierschutzgesetz

Die Haltung von Pferden in Österreich wird durch das Bundestierschutzgesetz geregelt.

Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes sind:

  • Gebäude und Stalleinrichtung: Die Böden müssen rutschfest sein. Die Liegeflächen eingestreut, trocken und so gestaltet sein, dass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.
  • Bewegungsfreiheit: Die Anbindehaltung ist verboten.
  • Licht: Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen Ställe offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mind. 3% der Stallbodenfläche aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mind. acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mind. 40 Lux zu gewährleisten.
  • Ernährung: Die Fütterungs- und Tränkevorrichtungen sind so zu gestalten und anzuordnen, dass die Tiere ungehindert fressen und trinken können.
  • Betreuung: Werden Pferde regelmäßig mehr als sechs Stunden pro Tag zur Personenbeförderung in einem Gespann eingesetzt, sind ihnen innerhalb einer Woche an mindestens zwei nicht aufeinander folgenden Tagen Ruhetage mit freiem Auslauf zu gewähren. Weiters muss sichergestellt werden, dass das Gesamtgewicht des voll beladenen Gespannes bei ebener Strecke und glattem Untergrund das Dreifache der Summe der Körpergewichte aller vorgespannten Pferde nicht überschreitet.
    Es ist sicherzustellen, dass die Anbindevorrichtungen und Ausrüstungsgegenstände, wie z.B.: Geschirre, Zaumzeuge, Zügel, Gebisse oder Sattel, die Tiere nicht verletzen können und ein ungehindertes Fressen und Misten ermöglichen. Diese Einrichtungen sind regelmäßig zu überprüfen und den Körpermaßen der Tiere anzupassen.

b. Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz

Die Fiakerbetriebe in Wien unterliegen dem Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz.

Es gibt noch zusätzliche Verordnungen zu diesem Gesetz, die folgende Punkte regeln:

  • Fahrdienstprüfungsverordnung
  • Betriebsordnung
  • Höchsttarife und Routen
  • Straßenreinigungsaufwand
  • Eignungsvoraussetzungen für Fiaker

Im Jahr 2011 ist es zu einer Novelle des Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz, der Betriebsordnung und der Fahrdienstprüfungsverordnung gekommen. Der VGT beschäftigt sich seit langem mit der Fiakerproblematik in Wien und hat auch Stellungnahmen zu den Entwürfen geschrieben und an die zuständige Behörde weitergeleitet. In diesen Stellungnahmen führt der VGT klar und deutlich alle Problembereiche der Fiakerei aus.

Bei den gesamten Änderungen dieser Novelle war das primäre Ziel eine Erleichterung der Kontrolltätigkeit für die Behörde. So müssen die KutscherInnen ein Fahrtenbuch führen und es gibt rote Platzkarten, die nur an ungeraden Tagen verwendet werden dürfen und grüne Platzkarten nur an geraden Tagen. Auf den Tierschutz wird in diesen Gesetzen kaum bis gar nicht Rücksicht genommen mit der Begründung, dass für Tierschutz allein das Tierschutzgesetz zuständig ist. Gerade im Fahrbetrieb sollte jedoch ein wichtiges Augenmerk auf den Tierschutz gelegt werden, da es ja hauptsächlich Pferde betrifft, die ihre Arbeit leisten müssen.

Als einzige tierschutzrelevante Änderung sind Wasseranschlüsse und Kübeln auf allen Standplätzen vorgeschrieben. Von Schattenplätzen oder Futteraufbewahrungsvorrichtungen (für eine artgerechte Fütterung ist eine 3malige Raufuttergabe pro Tag laut Tierschutzgesetz vorgeschrieben) ist im Fiakergesetz niemals die Rede.

Auch die enorm lange Arbeitszeit wurde nicht gekürzt. Um die Wettbewerbsproblematik der KutscherInnen untereinander einzuschränken werden die Auffahrzeiten auf die Standplätze geregelt und nicht mehr wie früher die Zeit des Anschirrens bis zum Abschirren. Seit März 2011 dürfen die Fiaker in der Zeit von 10:00 bis 22:00 Uhr am Standplatz stehen, die alte Regelung sah einen Beginn des Anschirrens um 9:00 Uhr vor und ein Ende des Abschirrens spätestens um 23:00 Uhr.

Alles in allem gibt es für die Pferde kaum bis gar keine Verbesserungen bei diesen Novellierungen

Nuir ein absolutes Verbot von Fiakerpferden in Wien wäre für den VGT die einzig wirklich tierschutzgerechte Änderung.


Unfälle mit Fiakern

Die regelmäßig auftretenden Unfällen beweisen, dass die Fiakerpferde dem Stress nicht gewachsen sind. Kleinste nicht vorhersehbare Zwischenfälle können diese Fluchttiere in Panik versetzen, so dass es für die KutscherInnen nicht mehr möglich ist, diese Tiere unter Kontrolle zu halten.


Fiakerschutzpaket 2009

Im März 2009 hat die Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger ein Fiakerschutzpaket veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um ein 7- Punkte Paket:

  1. Verschärfung der Fiakerfahrdienstprüfungsverordnung- Prüfungsgebiet „Umgang mit Pferde“ wird erweitert
  2. Tränken und Abkühlen mit Wasser
  3. Strenge Schwerpunktkontrollen von Stadt und Polizei – bei Vergehen Sanktionierungsmaßahmen
  4. Verstärkung der Routinekontrollen
  5. Null-Toleranz bei Alkoholisierung
  6. Sonnendach bei Standplatz Burgtheater
  7. Verbot der Anbindehaltung wird rigoros kontrolliert – bei Verstoß droht Konzessionsentziehung

Kommentar des VGT:

Neues Schutzpaket für Fiakerpferde – hätte das nicht schon immer so sein sollen?

Fiakerpferde dürfen laut Fiakergesetz 14 Stunden täglich, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr für Kutschfahrten für Touristen „genutzt“ werden.
Man kann hier wirklich von einer Nutzung sprechen, da auf das Wohlbefinden der Pferde nur wenig Rücksicht genommen wird. Nicht nur dass ein 14 – Stunden Arbeitstag für die Pferde erlaubt ist, auch die Arbeitsbedingungen stellen eine Katastrophe dar. Pferde, Fluchttiere, werden mit Ohrenstöpseln, Scheuklappen und Geschirr zum ewigen Gehorsam gezwungen, keine Möglichkeit das Leben zu genießen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass der harte Asphalt, der Lärm in der Großstadt, die Hitze zusätzliche Belastungen darstellen.
Viele Wiener und Wienerinnen, die bei den Fiakerpferden immer wieder vorbei gehen, erkennen das Leid der Tiere. Aber scheinbar hat der Profit, der mit diesen Tieren geschlagen wird, da sie als Tourismusattraktion verwendet werden, einen höheren Stellenwert als das Wohl der Fiakerpferde.
Tierschutzstadträtin Frauenberger sieht dieses Problem, trotzdem ist sie der Meinung, dass die Fiakerpferde zu Wien gehören. Um
das Leid der Tiere zu reduzieren, hat die Stadträtin letzte Woche ein Schutzpaket für Fiakerpferde präsentiert.
Der Verein Gegen Tierfabriken begrüßt jegliche Verbesserung im Tierschutz, und freut sich über das Engagement von Tierschutzstadträtin Frauenberger. Ob diese Schutzpaket eine Erneuerung ist oder ob es nicht eigentlich schon immer so sein hätte sollen ist in Frage zu stellen

Das Schutzpaket für Fiakerpferde

Bei dem Schutzpaket handelt es sich um ein 7- Punkte Programm.

1. Verschärfung der Fiaker- Fahrdienstprüfungsverordnung – Prüfungsgebiet „Umgang mit Pferden“ wird erweitert.

Es ist natürlich zu begrüßen, wenn wirklich nur Menschen Verantwortung für Pferde übernehmen, die sich auch mit Pferden beschäftigt haben, dadurch das Verhalten, die Körpersprache erkennen und auch richtig interpretieren können. In letzter Zeit wurde der Fiakerberuf oft als Studentenjob angeboten.
Zu bedenken wäre aber auch eine neuerliche Prüfung der schon tätigen Fiaker.

2. Tränken und Abkühlen mit Wasser

Wir hoffen, dass hier wirklich öfters Kontrollen durchgeführt werden, aber es ist sehr schwer nachzuprüfen, ob die Pferde getränkt wurden oder nicht.

3. Strenge Schwerpunktkontrollen von Stadt und Polizei – bei Vergehen Sanktionierungsmaßnahmen

Solche Schwerpunktkontrollen hat es immer schon gegeben, der VGT hofft, dass es jetzt zu wirklichen Kontrollen kommt und nicht zu „Auge zudrück- Kontrollen“. Auch hier wird in der Überschrift von Sanktionierungsmaßnahmen gesprochen, meist sind das aber nur Ermahnungen und Anordnungen für Veränderungen, wer kontrolliert aber ob diese Maßnahmen wirklich gesetzt wurden?
Bereiche wie die Arbeitszeit, die Fütterung, das Geschirr, und das Schweifanbinden sollen genauer unter die Lupe genommen werden. Wie schon oben erwähnt, hätte das nicht schon längst der Fall sein können, die Gesetzte gibt es schon lange, doch nie wurde kontrolliert. Der VGT hofft, dass jetzt diese Kontrollen wirklich ernst genommen werden.
Eine wichtige Erneuerung wäre jedoch sich über die Arbeitszeiten Gedanken zu machen, 14 Stunden pro Tag sind eindeutig zuviel!!!
Deshalb fordert der VGT schon seit langem eine Verkürzung der Arbeitszeiten und Urlaubstage.

4. Verstärkung der Routinekontrollen

Während des Sommers (über 30°) soll es mehr Kontrollen geben. Wie immer ist eine Kontrolle nur eine Momentaufnahme. Kontrolleure müssten sich die Zeit nehmen öfters am Tag und vielleicht auch längere Zeit zu kontrollieren, um wirklich einen Überblick zu bekommen.

5. Null- Toleranz bei Alkoholisierung

Ist es nicht bedenklich, dass Kutscher, Menschen die eigentlich Verantwortung über andere Lebewesen tragen – nicht nur Pferde sondern auch Fahrgäste – erst jetzt eine Null- Toleranz gibt. Der VGT hofft, dass auch hier eine konsequente Vorgehensweise zu sehen ist, und wirklich auch die Kutscherberechtigung entzogen wird. Wer darf schon während der Arbeitszeit Alkohol trinken?

6. Sonnendach bei Standplatz Burgtheater

Der VGT begrüßt, dass jetzt ein Schattendach beim Burgtheater gebaut wird, allerdings sollten die anderen Standplätze nicht vergessen werden. Egal wo, die Pferde sollten immer Schattenmöglichkeiten haben.

7. Verbot der Anbindehaltung wird rigoros kontrolliert – bei Verstoß droht Konzessionsentzug

Auch hier hofft der VGT auf effektive Kontrollen mit wirklich konsequenter Durchführung.
Das Problem ist, dass auch jetzt die Anbindehaltung nur mit bestimmten Auflagen erlaubt ist. Eine Auflage besagt, dass Pferde täglich freien Auslauf bekommen müssen. Zu kontrollieren, ob sich das Pferd heute für eine viertel Stunde frei bewegen konnte ist schwer nachzuvollziehen. Man ist von der Ehrlichkeit der Fiaker abhängig.
Alles in allem ist es ein nettes Kontroll- Programm, doch eigentlich sollte das gesamte Programm eine Selbstverständlichkeit sein. Da aber der VGT immer wieder erkennt, dass das Vollzugsdefizit ein großes Problem darstellt, hoffen wir, dass die Tierschutzstadträtin ihr Paket ernst nimmt und somit wirklich effektive Kontrollen kommen werden.
Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es sich beim Schutzpaket hautsächlich um Kontrollen handelt, wirkliche Verbesserungen im Sinne der Arbeitszeit oder einer etwaigen Auslagerung in grüne Regionen von Wien wurden leider nicht angedacht.
Der VGT begrüßt die Verbesserungen, muss aber dennoch sagen, dass Pferde in einer Großstadt fehl am Platz sind, und das Deckmäntelchen des Tourismus wird immer durchsichtiger. Viele Wiener und Wienerinnen haben das schon durchschaut und erkennen das wahrhaftige Leid der Pferde, was auch eine neue Umfrage verdeutlicht. Es ist ein Wandel der Zeit, in vielen Städten wurden Fiaker aus ethischen Gründen verboten, und auch in Wien wird das irgendwann der Fall sein!


Sonstiges

Natürlich gibt es nicht nur tierschutzrelevante Probleme mit den Fiakerpferden.

  • Verschmutzung durch Kot: Die Pferde verschmutzen mit ihrem Kot die Stadt. Die Fiaker müssen zwar ihren Tieren Auffangvorrichtungen für den Kot montieren, aber es gibt auch Ausnahmen. Diese müssen dann pro Pferd € 2.775,- jährlich für den Straßenreinigungsaufwand zahlen.
  • Starke Abnutzung der Straßenbelege: Es wird der Asphalt und die Kopfsteinpflaster auf den Wiener Straßen durch die Kutschenräder und die Hufeisen der Pferde zerkratzt.
  • Behinderung des KFZ-Verkehrs: Zusätzlich stellen viele Kutschen im Verkehr eine eindeutige Fahrbehinderung dar, gerade in der Stoßzeit kommt es immer wieder zu Problemen.
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