Eurobarometer "Einstellung der
EU-BürgerInnen zu Tierschutz "
Im März 2007 veröffentlichte die EU-Kommission eine europaweite Umfrage zum Thema "Einstellung der EU-BürgerInnen zu Tierschutz" (siehe http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/survey/sp_barometer_aw_en.pdf)
. Die Befragung wurde in 29 europäischen Ländern von
6. September bis 10. Oktober 2006 durchgeführt. Insgesamt
wurden 28.652 Personen befragt.
Selbsteinschätzung: Wissen über die Haltungsbedingungen von Nutztieren
Wieviel, würden Sie sagen, wissen Sie über die Bedingungen unter denen Tiere
in Österreich für die Herstellung von Nahrungsmitteln
gehalten werden? Würden Sie sagen, dass Sie viel, wenig
oder gar nichts darüber wissen?

86% der ÖsterreicherInnen sagen von sich, dass sie wenig bis gar nichts über
die Haltungsbedingungen der Nutztiere in Österreich
wissen. Nur 11% meinen von sich, dass sie gut über
dieses Thema orientiert sind.
Im Vergleich die Antworten aus den anderen europäischen Ländern. Gefragt wurde jeweils
zu den Haltungsbedingungen im eigenen Land.

Österreich liegt mit seiner Selbsteinschätzung im europäischen Mittelfeld.
Von den EU25 meinen am besten die Dänen, die Finnen und die Iren über die Haltungsbedingungen
von Nutztieren Bescheid zu wissen. Am unteren Ende
der Skala liegen Spanien, die Slowakei und Tschechien.
Bedürfnis nach mehr Information über Haltungsbedingungen von Nutztieren
Würden Sie gerne stärker über die Haltungsbedingungen von Nutztieren in Österreich
informiert werden?

68% der ÖsterreicherInnen haben das Bedürfnis nach mehr Information über die
Haltungsbedingungen der Nutztiere in Österreich. 27%
sind nicht an mehr Information interessiert.
Im Vergleich die Antworten aus den anderen europäischen Ländern. Gefragt wurde jeweils
zu Informationen über die Haltungsbedingungen im eigenen
Land.

Quer durch Europa ergibt sich ein sehr heterogenes Bild. Während sich in Griechenland
85% mehr Information wünschen, sind es in den Niederlanden
nur 30%. Die ÖsterreicherInnen liegen mit ihrem Bedürfnis
nach mehr Information deutlich über dem europäischen
Durchschnitt.
Welche Informationsquellen werden bevorzugt?
Wenn Sie nach Informationen über die Haltungsbedingungen unter denen Nutztiere
in Österreich gehalten werden suchen, welche der folgenden
Informationsquellen bevorzugen Sie? (Maximal 3 Antworten)

Es zeigt sich, dass sowohl in Österreich als auch im europäischen Schnitt Fernsehen
die wichtigste Informationsquelle darstellt. In Österreich
werden auch deutlich öfter als in europäischen Durchschnitt
Tageszeitungen als wichtige Informationsquelle genannt.
Überspitzt ausgedrückt verlassen sich die ÖsterreicherInnen
auf die Informationen von ORF und "Kronen Zeitung".
Überraschend ist jedenfalls, dass das Internet in Österreich als Informationsquelle
eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung hat.
In Österreich wird das Internet erst an sechstwichtigster
Position gereiht. Im europäischen Durchschnitt stellt
das Internet die zweitwichtigste Informationsquelle
dar - sogar wichtiger als Tageszeitungen.
Die in Österreich bevorzugten Informationsquellen
sind durchwegs kommerzieller oder öffentlich rechtlicher
Natur: Fernsehen, Radio, Zeitungen und Magazine.
Die Information selbst, vor allem aber die Auswahl
der Informationen, kann bei derartigen Medien nicht
als unabhängig bezeichnet werden. Öffentlich rechtliche
Medien unterliegen einem politischen Einfluss, kommerzielle
Medien leben von ihren Werbekunden und können daher
genausowenig als unabhängig bezeichnet werden. Gerade
Lebensmittelkonzerne, aber auch die AMA (Agrarmarkt
Austria GmbH), verfügen
über sehr große Werbemittel. Kaum ein Medium kann es
sich leisten, seine größten Werbekunden zu vergrämen.
Wie auch immer: Das Ergebnis dieser Umfrage kann als Bildungsauftrag an den öffentlich
rechtlichen ORF gewertet werden. 68% der ÖsterreicherInnen
erwarten sich jedenfalls mehr Informationen über die
Haltungsbedingungen von Nutztieren in den Medien, wobei
das Fernsehgerät für diese Menschen das wichtigste
Informationsmittel darstellt.
Wichtigkeit des Schutzes von Nutztieren
Bitte bewerten Sie auf einer Skala von 1 bis 10 wie wichtig es Ihnen ist, dass
das Wohlergehen von Nutztieren geschützt wird?
"1" steht für "vollkommen unwichtig" und "10" für "sehr
wichtig".

Mit einem Durchschnittswert von 7,7 auf einer Skala von 1 bis 10, machen die
EU-BürgerInnen deutlich, dass ihnen der Schutz von
Nutztieren ein wichtiges Anliegen ist das einen hohen
Stellenwert genießt. Österreich liegt hier genau im
europäischen Schnitt.
Mehr Schutz für Nutztiere
Glauben Sie, dass ganz allgemein der Schutz von Nutztieren in Österreich verbessert
werden sollte?
Antworten aus Österreich:

71% der ÖsterreicherInnen sind der Meinung, dass der Schutz von Nutztieren verbessert
werden sollte und nur 19% meinen, dass das nicht notwendig
wäre. Diese Antworten machen deutlich, dass auch nach
Einführung des Bundestierschutzgesetzes der großen
Mehrheit der ÖsterreicherInnen die Standards im Nutztierschutz
viel zu niedrig sind.

Der europäische Vergleich zeigt, dass in der gesamten EU deutliche Mehrheiten
für eine Verbesserung des Nutztierschutzes eintreten.
Die größte Zustimmung findet sich in Griechenland (96%),
Zypern (91%), Portugal (90%) und Frankreich (86%).
Die niedrigste in Großbritannien (68%), Finnland (67%),
Luxemburg (63%) und Irland (58%).
Wenn man weiß welche entscheidende Rolle Frankreich bei der Niederschlagung der
EU-Mindestrichtlinie bezüglich Masthühnern gespielt
hat, muss einem die hohe Zustimmung der französischen
Bevölkerung für höhere Tierschutzstandards zu denken
geben.
Generell zeigt sich immer wieder, dass in repräsentativen Demokratien gegen den
Willen der BürgerInnen regiert wird.
Bereitschaft Geschäfte zu wechseln
Wären Sie bereit ihre Einkäufe in anderen als den bisher von Ihnen bevorzugten
Geschäften zu tätigen, um tierfreundlichere
Nahrungsmittel einkaufen zu können?
Antworten aus Österreich:

Eine überwiegende Mehrheit der ÖsterreicherInnen (71%) wäre bereit ihre Einkaufsgewohnheiten
zu ändern und Geschäft zu wechseln, um an Lebensmittel
mit höheren Tierschutzstandards zu gelangen. 16% schließen
das eher aus und nur 3% können sich das gar nicht vorstellen.
Österreich liegt damit ganz deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Nahrungsmittelkennzeichnung
Welche der folgenden Informationswege würden Sie bevorzugen, um erkennen zu können,
mit welchen Tierschutzstandards Nahrungsmittel produziert
worden sind?

Am beliebtesten zur Kennzeichnung von Tierschutzstandards sind
Logos (Tierschutzgütesiegel) und textliche Kennzeichnungen
- jeweils auf der Verpackung. Während in Östereich
Logos bevorzugt werden, sind es im europäischen Durchschnitt
Texte.
Auch graduelle Bewertungssysteme, etwa mit 1 bis 5 Sternen würden bei den KonsumentInnen
in Österreich eine beträchtliche Zustimmung finden.
Importierte Nahrungsmittel
Sind Sie der Meinung, dass von außerhalb der Europäischen Union importierte Nahrungsmittel
dieselben Tierschutzstandards erfüllen sollten, wie
jene aus der Europäischen Union?

Wie zu erwarten, ist eine große Mehrheit der EU-BürgerInnen der Ansicht, dass
auch in die EU importierte tierliche Nahrungsmittel
aus Haltungssystemen stammen sollten, die die EU-Mindeststandards
erfüllen. In Zypern und Malta etwa, fand sich überhaupt
niemand der gegenteiliger Ansicht gewesen wäre. Überraschender
Weise ist gerade Österreich jenes Land der EU, in dem
bei weitem die meisten Menschen zu finden sind, die
Nahrungsmittel in den Supermärkten haben wollen, die
nicht den EU-Tierschutz-Mindeststandards entsprechen:
Immerhin 18% der ÖsterreicherInnen sind
dieser Meinung.
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