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Das geheime Leben der Hühner

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (01.01.2014)

01.01.2014

Dummes Huhn? – Mitnichten. Sie unterrichten ihre Kinder, haben verschiedene Laute für verschiedene Nahrungsquellen und Gefahren, und eine Vorstellung von der Zukunft

Heute treffe ich das Huhn Lieselotte am Schottenhof im Wienerwald. Ihre Menschenfreundin Andrea stellt mich vor. Lieselotte lebt in einer kleinen Gruppe von 5 Hennen und 1 großen, prächtigen Hahn namens Heinrich, der mich misstrauisch beäugt. Seit 3 Jahren schon leben Lieselotte und Andrea zusammen und verstehen sich prächtig. Andrea zeigt mir, wie Lieselotte mit einem Glöckchen läutet, einem Fußball spielt und nach Vorgabe auf ein oder das andere Spielzeug peckt.

Hühner kommen eigentlich aus dem Wald, dort fühlen sie sich wohl, also wandern wir auch in den Wald hinein. Hahn Heinrich gibt Acht und schlägt Alarm, sobald sich eine potentielle Gefahr nähert. Bei einem Raubvogel klickert er in kurzer Folge, bei einem Wanderer ist es ein langgezogener Laut. Zu seinen Hühnern ist er sehr nett, ruft sie zu ergiebigen Nahrungsquellen und teilt mit ihnen sogar Maiskörner, die er von Andrea bekommt und dann vor sie hinwirft. Auch für die verschiedenen genießbaren Würmer und Käfer, die von den Hühnern beim Scharren gefunden werden, haben sie verschiedene Laute, mit denen sie ihren GruppengenossInnen mitteilen, was es hier zu essen gibt..

Hennen sind gute Mütter. Nicht nur, dass sie ihre Kinder unter ihre sprichwörtlichen Fittiche nehmen, sie unterrichten sie auch aktiv. WissenschaftlerInnen konnten beobachten, dass die Glucken ihren Küken beibringen können, welche Körner für sie unverdaulich oder giftig sind. Wie in einer Schule stehen dabei die Kinder um ihre Mutter herum, die ihnen demonstriert, was sie essen können und was sie vermeiden müssen.

Hühner sind sehr aktive Wesen, ständig unterwegs legen sie täglich im Mittel 7 km zurück. Dabei bleiben sie aber in ihrem Territorium in ihrer sozialen Gruppe, in der sich alle sehr gut kennen. Manche bilden untereinander enge Freundschaften. Das kann nicht nur zu Eifersucht führen, sondern auch beim Tod eines der FreundInnen zu so tiefer Trauer, dass auch der/die andere PartnerIn stirbt.

Nach unserer Waldwanderung am Schottenhof kehren die 5 Hennen und ihr Hahn wieder auf die Weide zurück. Dort legen sie sich dicht nebeneinander in die Sonne und genießen die erste Wärme des Jahres, Lieselotte mitten darunter. Hühner sind, zweifellos, faszinierende Wesen. Von dummem Huhn keine Spur!

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