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Kälbertransporte: Landwirtschaft sieht keinen Handlungsbedarf

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (20.02.2020)

Wien, 20.02.2020

VGT lässt Ausflüchte nicht mehr gelten

Die Aufdeckungen des VGT rund um die Exporte männlicher Milchkälber nach Spanien und deren anschließenden Weitertransport in den Libanon hat für Entsetzen in der Bevölkerung gesorgt. Diese Transporte waren den polit. Verantwortlichen aber längst bekannt. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger sieht dennoch kein Problem im System. Der für Tierschutz zuständige Gesundheitsminister Rudolf Anschober will Tiertransporte stattdessen drastisch reduzieren.

Scharfe Kritik an Moosbrugger

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger bezeichnet es im gestrigen ORF-Interview als verwerflich, das aktuelle System der Milchproduktion zu hinterfragen und schiebt die Schuld stattdessen auf die Konsument_innen und den Handel. De facto bringt aber genau die immer weitere Intensivierung der Milchwirtschaft in Österreich das Problem der Kälbertransporte hervor. Während die österreichische Landwirtschaft immer mehr Milch für den Exportmarkt produziert, werden die ungewollten Milchkälber vorbei an den Augen der Öffentlichkeit ins Ausland transportiert.

Tobias Giesinger, VGT: Die Landwirtschaftspolitik muss endlich Verantwortung für die Probleme übernehmen die sie verursacht und handeln. Es braucht dringend eine Systemänderung hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, die ohne Tiertransporte ins Ausland auskommt.

Exporte in den Libanon längst bekannt

Im Gegensatz zu den meisten Verantwortlichen macht der spanische Käufer der österreichischen Kälber keinen Hehl daraus, dass diese als Jungrinder in den Libanon weiter exportiert werden – diese Information findet sich sogar auf der Webseite des Unternehmens.

Tobias Giesinger: Die Ausrede, dass man in Österreich nicht wisse, was mit den Kälbern passiert, lassen wir nach drei Jahren intensiver Kampagnenarbeit und Gesprächen mit der Politik nicht mehr gelten. Wenn sogar der einfache Klick auf die Webseite des Kälberhändlers verrät, dass dieser in den Libanon weiter exportiert, muss man sich schon sehr blind stellen.

Anschober

Der Vollzug der Tiertransportverordnung liegt im Ressort des Gesundheitsministeriums und somit bei Minister Rudolf Anschober. Der VGT begrüßt die Aussagen von Anschober in einem gestrigen Interview für die ZIB1, Tiertransporte drastisch reduzieren zu wollen.

Tobias Giesinger: Wir fordern, dass die EU-Verordnung konsequent eingehalten wird, was direkte Transporte in Drittstaaten von heute auf morgen beenden würde. Zusätzlich kein Transport von nicht-entwöhnten Tieren, so wären die drei Rinder aus Österreich gar nicht erst im Libanon gelandet.

Forderungen des VGT

  • Zukünftig konsequenter Vollzug der EU-Verordnung zu Tiertransporten
  • Kein Transport von Tieren, die noch nicht von der Muttermilch entwöhnt sind
  • Eine maximale Transportdauer von 8 Stunden für alle Tierarten
  • Keine Transporte in Drittstaaten
  • Förderung von Alternativen für den Export von Kälbern aus der Milchproduktion

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