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Lush Prize: Internationale Verleihung zu tierfreien Forschung 2026

08.06.2026

*Dieser Artikel enthält Produktplatzierungen

Jedes Jahr leiden und sterben unzählige Tiere bei oft höchst fragwürdigen und grausamen Tierversuchen. Informationen über diese Praktiken sind häufig schwer zugänglich und in vielen Bereichen der Forschung und Produktentwicklung sind Tierversuche weiterhin Standard. Sogar bei Kosmetikprodukten in der EU kann es trotz Verbots noch passieren, dass Inhaltsstoffe an Tieren getestet werden. Grund dafür sind widersprüchliche Verordnungen (wie z.B. REACH).

Doch es gibt Hoffnung: Initiativen wie der „Lush Prize“ zeigen, dass sich immer mehr Menschen, Organisationen und Unternehmen für ein Ende von Tierversuchen einsetzen.

Der Lush Prize ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Kosmetikunternehmen Lush und der Forschungsgruppe Ethical Consumer. Der mit 250.000 £ dotierte Preis ist der weltweit höchste im Bereich der tierversuchsfreien Forschung und der einzige, der sich ausschließlich auf die vollständige Abschaffung von Tierversuchen konzentriert. Seit 2012 werden damit herausragende Leistungen in diesem Bereich ausgezeichnet. Bis heute erhielten insgesamt 150 Gewinner:innen in 36 Ländern (auf allen Kontinenten außer der Antarktis) im Rahmen des Lush-Prize eine Gesamtsumme von £ 3,19 Mio. Damit hat der Lush Prize als globaler Preis bereits Wissenschafter:innen und Aktivist:innen in unterschiedlichen Ländern wie China, Kenia, dem Iran, der Ukraine und Indien sowie Neuseeland, Brasilien, USA und ganz Europa unterstützt. 2022 schaffte es ein österreichisches Projekt in die Nominiertenliste.

Der VGT durfte am 12. Mai 2026 bei der Lush Preisverleihung in London vor Ort dabei sein und einen Einblick in die Welt der tierfreien Forschung erhalten. Dabei wurden Projekte aus zehn Ländern ausgewählt, die besonders herausragende Arbeit zur Beendigung der Nutzung von Tieren in Forschung, Tierversuchen und Bildung geleistet haben. Die Preise werden dabei in fünf Hauptkategorien vergeben: Wissenschaft, Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Politische Interessenvertretung und Nachwuchsforscher:innen. Darüber hinaus gibt es drei Anerkennungspreise und die Jury vergibt den sogenannten „Andrew Tyler Award“ für einen herausragenden Beitrag zur Abschaffung von Tierversuchen.

Forschung ohne grausame Tierversuche? 

Dass Tierversuche längst obsolet, grausam und unnötig sind, zeigt u.a. das Projekt von Dr. Zohreh Izadifar von der Harvard University im Bereich der Vaginal- und Gebärmutterhalsforschung, das mit dem Lush Science Prize ausgezeichnet wurde. Dr. Izadifar und ihr Team haben die nächste Generation des „Organ-on-Chip“ entwickelt, der kaum größer als ein USB-Stick ist. Mithilfe elektrischer Sensoren können damit die Echtzeitreaktionen von Zellen der menschlichen Vagina und des Gebärmutterhalses auf Hormone, nützliche Bakterien und Infektionen untersucht werden. Diese Mikrochips können so die Funktionsweise dieser Gewebe originalgetreu nachbilden und werden bereits eingesetzt, um mehr über die Gesundheit der Vagina, Frühgeburten und Unfruchtbarkeit zu erfahren.

Tierversuchsfrei ≠ Tierfrei

Darüber hinaus erhielten wir exklusiven Einblick in die Arbeit des weltweit ersten tierversuchsfreien Labors, XCellR8 in Warrington, UK. Das Labor arbeitet eng mit Lush zusammen und hat sich auf tier- und tierproduktfreie In-Vitro-Tests spezialisiert. Besonders ist, dass XCellR8 auch auf tierproduktfreie Komponenten setzt – ein Ansatz, der in der Branche keineswegs selbstverständlich ist. Das bedeutet, dass für die In-Vitro-Tests keinerlei tierliche Bestandteile verwendet werden. Laut eigenen Angaben ist XCellR8 somit das einzige vegane und tierversuchsfreie Labor weltweit.

Hierbei ist die Unterscheidung wichtig: Der Begriff "tierversuchsfrei" beschreibt ausschließlich die Testmethode und bedeutet, dass keine Versuche an lebenden Tieren durchgeführt werden. Das schließt jedoch nicht automatisch aus, dass bei der Entwicklung oder Durchführung dieser Tests tierliche Materialien verwendet werden. In vielen konventionellen In-vitro-Verfahren kommen beispielsweise tierliche Seren, Proteine oder andere aus Tieren gewonnene Bestandteile zum Einsatz.

Demgegenüber bezieht sich "tierproduktfrei" auf die gesamte Wertschöpfungskette eines Testverfahrens und bedeutet, dass weder bei der Zellkultivierung noch bei den sonstigen Komponenten tierliche Produkte eingesetzt werden. Ein Test kann also tierversuchsfrei sein, ohne gleichzeitig tierproduktfrei zu sein.

Dr. Carol Treasure, die Gründerin und CEO von XCellR8 hat uns vor Ort mehr über ihre Forschung und Mission erzählt. Laut ihrer Expertise sind Tierversuche unzuverlässig, da ihre Vorhersagekraft bei unter 50 % liegt. Das bedeutet, dass die Ergebnisse etwa so zuverlässig, sind wie ein Münzwurf. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Menschen äußerst schlecht ist und es nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich sinnvoll ist, auf tierfreie Methoden zu setzen.

 

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