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8.000 Tiere auf dem Meer umgeladen – VGT fordert Aus für Schiffstransporte

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (29.03.2022)

Wien, 29.03.2022

Aufgrund eines kaputten Motors mussten die Tiere des ehemaligen Frachtschiffs Spiridon II auf dem Meer auf ein anderes Schiff umgeladen werden. Tiertransporte auf dem Meer sind zeitlich unbegrenzt und nicht kontrolliert. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN fordert ein Ende dieser grausamen Transporte.

Am 23. Februar legt Spiridon II in Tarragona in Spanien ab. Bis nach Jordanien soll es die geladenen 7600 Schafe aus Spanien und 300 Jungbullen aus Frankreich und Spanien bringen. Nur 4 Tage später versagt der Motor. 3 Tage lang wartet das Schiff vor Griechenland, bis es in den Hafen Eleusis einfahren darf. Dort werden die Tiere aber nicht abgeladen, um versorgt zu werden - Futter und Wasser wurden aufgrund der Verzögerung vermutlich schon knapp - sie werden über eine Rampe auf ein zweites Tiertransportschiff umgeladen. Der Grund ist, dass Tiere, die einmal als Exporttiere die Europäische Union verlassen haben, nicht mehr zurück gebracht werden dürfen.*

VGT-Campaignerin Ann-Kathrin Freude: Das ist eine absurde und grausame Regelung! Wir erinnern uns an die letzten Tiertransport-Tragödien vor einem Jahr, als die Karim Allah und die ElBeik monatelang auf dem Mittelmeer umher irrten und die geladenen Jungrinder nirgendwo abladen durften. Alle 2635 Tiere mussten schlussendlich getötet werden, da sie dem Tod näher waren als dem Leben. Tiere sind keine Pakete, die man verschicken und achtlos ein paar Monate im Verteilerzentrum parken kann, weil man sie vergessen hat. Tiertransporte auf dem Meer sind sofort zu beenden!

Tiertransport „ohne Ende“

Die Tragödien der Karim Allah, ElBeik und nun auch der Spiridon II enthüllen ein tiefgehendes Problem in der Tiertransportgesetzgebung der EU: Es gibt keine Höchstdauer für Schiffstransporte von Tieren, sie können also zeitlich unbegrenzt durchgeführt werden. Während beim Straßentransport in LKWs die unweigerlich hohe Belastung der Tiere zumindest ansatzweise durch zeitliche Limits adressiert wird, gilt dies nicht für Schiffstransporte. Die typischen Transporte von Rindern aus ganz Europa – auch Österreich, über Spanien – bis nach Libyen dauern so z.B. in der Regel um die zwei Wochen. Verweigert der Zielhafen das Anlegen und Abladen, verlängern sich die Fahrten um Wochen oder Monate. Futter und Wasser werden knapp kalkuliert und sind somit spätestens nach Ablaufen der geplanten Fahrtzeit aufgebraucht. Tierärzt:innen befinden sich keine an Bord.

Älteste Flotte der Welt

Tiertransportschiffe sind generell in einem desolaten Zustand und damit eine Gefahr für die Tiere, die Besatzung und die Umwelt. Die Spiridon II ist, wie viele andere Tiertransportschiffe, ein ehemaliger Frachter, der 2011 notdürftig zu einem Tiertransportschiff umgerüstet wurde. Mit 49 Jahren bringt sie ein für Schiffe jenseitiges Alter mit sich - für Tiertransportschiffe allerdings völlig normal, bilden sie doch die älteste Flotte der Welt. Die oben genannte ElBeik ist sogar ganze 55 Jahre alt und ein ausgemustertes Autofrachtschiff. Beide Schiffe fahren inzwischen unter togolesischer Flagge - wohl, weil sie in europäischen Ländern längst keine Zulassung mehr bekommen würden. Beide stehen auf der schwarzen Liste der Hafenstaatkontrolle Paris MoU und werden als hochriskant eingestuft. Die Spiridon II wurde 8 Mal festgehalten aufgrund baulicher Mängel. Der ElBeik wurde zwischen 2003 und 2020 in 9 Häfen das Anlegen untersagt und im März 2015 wurde sie sogar für 3 Monate aus allen europäischen Häfen verbannt.

Ann-Kathrin Freude dazu: Auf solche Leichentransporte schicken wir österreichische Tiere wissentlich! Das ist in Kauf genommene Tierquälerei und Österreich steht hier als exportierendes Land in der vollen Verantwortung, kein einziges Tier mehr auf ein solches Schiff zu bringen! Ich erwarte mir, dass unser neuer Tierschutzminister Johannes Rauch hier schnellstmöglich einen energischen Riegel vorschiebt und alles in seiner Macht stehende unternimmt, Tiertransporte in Drittländer generell zu beenden.

* Aufarbeitung des Falles durch Compassion in World Farming, Animal Welfare Foundation und Animals International. 

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