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Rinder brauchen ihre Hörner

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (11.01.2024)

Wien, 11.01.2024

Das Enthornen von Rindern ist Tierquälerei. Die negativen Auswirkungen für die Tiere sind weitreichend. Gesetzlich ist Enthornen erlaubt. Der VGT setzt sich für ein gesetzliches Verbot des Enthornens ein.

Heutzutage werden routinemäßig Kälber im Alter zwischen 2 und 8 Wochen enthornt. Bei dieser tiermedizinischen Operation wird die Hornanlage mit speziellen Brenneisen ausgebrannt und zerstört. Die Kälber müssen dabei laut Gesetz sediert sein und an der Operationsstelle muss zusätzlich ein Betäubungsmittel gespritzt werden. Vorgeschrieben ist außerdem eine postoperative Behandlung mit schmerzlindernden Medikamenten.1, 2

Betroffen sind Rinder in der Milchproduktion und in der Fleischproduktion. Enthornt wird in konventionellen und in biologischen Rinderbetrieben. In biologischen Betrieben bedarf es einer behördlichen Genehmigung, um Enthornungen durchzuführen.

Behornte Rinder sind angeblich gefährlich

Enthornt wird, weil behornte Rinder für Rinderhalter:innen angeblich gefährlicher sind, als unbehornte Rinder. Außerdem sollen behornte Rinder für sich und Artgenoss:innen eine höhere Gefahr darstellen, als unbehornte Rinder. Für diese zwei Gründe gibt es allerdings keine objektiven und wissenschaftlichen Beweise.

Möglicherweise sind diese Behauptungen eine strategische Argumentation der Rinderbranche, um das Enthornen in der Öffentlichkeit als eine Notwendigkeit darzustellen. Denn enthornte Rinder sind wirtschaftlich rentabler, weil sie weniger Platz in den Ställen benötigen und sich die Rinderhalter:innen weniger Zeit für die Rinder nehmen müssen.

Aktuelle, öffentlich zugängliche Daten über die Anzahl von behornten bzw. enthornten Rinder liegen für Österreich nicht vor.

Enthornen ist Tierquälerei

Aus Sicht des VGT ist das Enthornen von Rindern Tierquälerei, weil dem Rind dadurch Schmerzen zugefügt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2018 unter Leitung von Dr.in Claudia Spadavecchia vom Department für klinische Veterinärmedizin der Universität Bern untersuchte mögliche Schmerzen nach Enthornung bei Kälbern.3 Dabei wurde herausgefunden, dass trotz fachgerechter Betäubung und Schmerzausschaltung während der Enthornung sowohl akute, als auch chronische Schmerz- und Überempfindlichkeit bei den Kälber entstehen können. Dr.in Claudia Spadavecchia erklärt dazu: Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass die Enthornung bei Kälbern Verhaltens- und hormonelle Veränderungen auslöst, die auf akute Schmerzen hinweisen.

Das Enthornen zerstört auch Nerven. Dadurch können lebenslange sogenannte Phantomschmerzen, wie sie von Menschen bekannt sind, auftreten.4

Hörner sind wichtig für Rangordnung und Herdenhierarchie

Aus Sicht des VGT ist das Enthornen von Rindern Tierquälerei, weil das natürliche Verhalten der Rinder gestört wird. Hörner haben für die Rangordnung innerhalb der hierarchischen Ordnung einer Gruppe oder Herde von Rindern eine wesentliche Funktion. Ein Beispiel dafür sind die Abstände, die Rinder zueinander einnehmen. Horntragende Rinder halten größere Abstände zueinander ein als enthornte Rinder. In Herden mit behornten Rindern besteht eine stabilere Rangordnung und Herdenstruktur. Zwischen behornten Rindern gibt es seltener Rangkämpfe und Rangwechsel.5

Hörner sind ein wichtiges Imponierorgan für das Sozialverhalten von Rindern. Christoph Menke und Susanne Waiblinger vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien schreiben in der Broschüre Behornte Kühe im Laufstall – gewusst wie: Die Imponierfunktion bewirkt, dass der Respekt behornter Tiere voreinander meist größer ist als bei enthornten Tieren, möglicherweise aus der für das Tier bekannten schmerzhafteren Wirkung eines Hornstoßes, oder da andere Rinder das Drohen bei Tieren mit Hörnern besser erkennen können.6

Hörner sind für die Körperpflege wichtig. Horntragende Rinder kratzen sich selbst mit ihren Hörnern, bestimmte Körperteile sind nur mit Hörnern zu erreichen, zum Beispiel der Rücken. Das tun sie auch bei befreundeten Rindern, ohne einander zu verletzen. Es wurde beobachtet, dass sich befreundete Kühe an der Hornspitze einer anderen Kuh ihre Augen kratzen und ausputzen. Offensichtlich ist sich jedes Rind der Größe und Form seiner Hörner voll bewusst.

Das Enthornen führt auch zu physiologischen Veränderungen. In einer Studie wurde festgestellt, dass die Enthornung von Kälber deren Kopfform verändert. Behornte Tiere haben einen größeren Augenabstand und die Stirnhöhe ist geringer. Der tierische Organismus reagiert demnach aktiv auf das Entfernen der Hornanlagen im frühen Jugendalter mit einem veränderten Stirnbeinwachstum. Eventuell hängt dies damit zusammen, dass Rinder auf die Hörner angewiesen sind und deren Fehlen durch eine Verformung des Stirnbeins zu kompensieren versuchen. Welche physiologischen Prozesse mit diesen Formveränderungen zusammenhängen, muss in zukünftigen Versuchen geklärt werden, erklären die Studienautorinnen.7

Hörner sind sensible Organe

Hörner sind ein wichtiger und unverzichtbarer Körperteil eines Rindes. Die zwei Hörner eines Rindes sind sensible Organe. Sie sind mit Blutgefäßen und Nerven durchzogen, mit dem Schädelknochen verwachsen und über Hohlräume mit der Stirnhöhle und und den Nasennebenhöhlen verbunden. Hörner wachsen ein Leben lang. Das Horn ist warm, auf Berührung empfindlich und lebendig, heißt es auf der Webseite der IG HornKuh dazu.8

Hörner können nicht mit Fingernägeln oder Geweihen verglichen werden. Der VGT informiert darüber in dem Webartikel Der Körper der Rinder: Im Gegensatz dazu ist ein Geweih, z.B. eines Hirsches, ein toter, nackter Knochen, der jährlich abgeworfen und danach neu gebildet wird. Das Horn eines Nashorns ist ein bloßer Auswuchs der Haut, vergleichbar mit Haaren oder Fingernägeln, ohne Blutgefäße oder Nerven.

Der VGT lehnt das Enthornen von Rindern ab und setzt sich für ein gesetzliches Verbot der Enthornung von Rindern ein.

Quellen

  1. Tierschutzgesetz
  2. 1. Tierhaltungsverordnung
  3. Alessandro Mirra, Claudia Spadavecchia et al.: Acute pain and peripheral sensitization following cautery disbudding in 1- and 4-week-old calves, in: Physiology & Behavior, Volume 184 (2018), S. 248-260
  4. Enthornen von Rindern, Expertise for Animals [12.1.2014], sowie Casoni, A. et al.: Can disbudding of calves (one versus four weeks of age) induce chronic pain?, Physiology & Behavior, Volume 199, 2019, S. 47-55
  5. Die Bedeutung der Hörner für die Kuh, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) 2016
  6. C. Menke und S. Waiblinger: Behornte Kühe im Laufstall - gewusst wie. Verein zur Erforschung artgerechter Tierhaltung e.V., Regensburg 2018
  7. Anja Ackermann, Anet Spengler Neff et al.: Enthornung verformt den Schädel, Zeitschrift bioaktuell 8/14. S. 19
  8. Tamara Fretz et al.: Warum braucht das Rind Hörner?  IG HornKuh, 2015

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