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Große Undercover-Recherche in AMA-Schweinemastbetrieben: Die Ergebnisse

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (02.07.2012)

02.07.2012

Ergebnisse: Fatale Zustände in AMA-Schweinemastbetrieben

Tierquälerei in österreichischer Schweinefleischproduktion

Elmar Völkl, VGT – ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG

Zwischen Jänner und Mai wurde dem Verein gegen Tierfabrik (VGT) umfassendes Bild- und Videomaterial aus 28 Schweinemastbetrieben aus Ostösterreich zugespielt. Aus dem Beweismaterial ergibt sich, dass alle 28 Tierfabriken Schweinefleisch unter dem „AMA-Gütesiegel“ und der sog. „Bauernhof-Garantie“ (REWE) vermarkten.

Der VGT hat sämtliche Zusendungen analysiert und die folgenden dominanten Problembereiche identifiziert:

Problembereich: Böden

In 96% der Betriebe leben Schweine auf Vollspaltenboden, in 100% der Betriebe - also auch jenen mit Teilspaltenböden – gab es Buchten ohne Einstreu.

Die konventionell üblichen Betonspaltenböden bieten eine struktur- und reizarme Umgebung. Die Fäkalien auf und unter den Böden bedingen eine hohe Ammoniak-Konzentration in der Luft, was oft (gemeinsam mit hoher Staubbelastung) zu Atemwegsbeschwerden (Husten) und/oder Augenentzündungen führt. Der harte, oft scharfkantige Boden bietet keinen akzeptablen Liegekomfort und fördert Klauen- und Gelenksprobleme. Darüber hinaus wird das natürliche Wühlbedürfnis der Schweine frustriert.

Problembereich: Hygiene

79% der Betriebe wurden angezeigt wegen verschmutzter, rutschiger Böden. In 32% der Betriebe waren die Tränken u/o Tröge (tlw. mit Exkrementen) verschmutzt.

In Freiheit lebende Hausschweine trennen natürlicherweise ihre Kot-, Ess- und Liegebereiche. In Massentierhaltungen ist das nicht möglich, der Ekel vor den Fäkalien beeinträchtigt massiv das tierliche Wohlbefinden. Urinfeuchter Boden fördert die Abrutsch- und Verletzungsgefahr; Keime in den Ausscheidungen sind potenzielle Auslöser von Infektionserkrankungen.

Problembereich: Platzangebot

Laut Gesetz reichen 0,7m² für ein „schlachtreifes“ 110kg-Mastschwein. Das sind 84x84cm – Ungefähr die Fläche von 11 DIN-A4-Blättern. In den 28 untersuchten Betrieben gab es in 32% mutmaßliche Unterschreitungen dieser gesetzlichen Mindestanforderung.

In Gruppenhaltungen wo jedem Schwein nur 0,7m² zur Verfügung stehen, ist es nicht möglich Kot-, Schlaf-, Ess- und Erkundungsbereiche zu trennen. Nicht einmal alle Schweine können gleichzeitig in Seitenlage liegen. Dies führt notwendig zu erhöhtem Stress, bei Konflikten und Rangkämpfen gibt es keine Rückzugs- oder Fluchtmöglichkeit. Artgemäßes Sozialverhalten ist durch den Platzmangel schwer beeinträchtigt.

Problembereich: Beschäftigungsmaterial

In 79% der Tierfabriken wurde fehlendes u/o ungeeignetes Beschäftigungsmaterial festgestellt.

Die reizarmen, engen, artwidrigen Bedingungen in Massentierhaltungen führen oft zu Verhaltensstörungen – oft gegenseitiges Beknabbern, Kannibalismus. Um von dieser Symptomatik abzulenken, wird den Schweinen sog. Beschäftigungsmaterial“ (Plastikgegenstände, Eisenketten, Autoreifen oder Holzstücke) geboten. All zu oft aber fehlt diese Ausstattung, ist unhygienisch, ungeeignet oder in unzureichender Menge.

Problembereich: Eingriffe

Aus Geschmacksgründen werden grundsätzlich alle männlichen Mastschweine für den österreichischen Markt kastriert. In allen 28 überprüften Betrieben wiesen darüber hinaus alle Schweine kupierte Schwänze auf. In 64% der Tierfabriken gab es Tiere, deren Schwänze auf weniger als die Hälfte gekürzt waren.

Um die Schäden durch haltungsbedingten Kannibalismus zu minimieren werden den Ferkeln die Eckzähne abgeschliffen und die Schwänze kupiert, obwohl diese Eingriffe laut Gesetz nur im akuten Bedarfsfall zulässig wären. Die Schwänze dürfen maximal nur um die Hälfte gekürzt werden. Die gesetzlich nicht vorgeschriebene aber gemäß einer „freiwilligen Branchenvereinbarung“ angeblich durchgeführte Injektion von schmerzlindernden Medikamenten unmittelbar vor der Kastration, vermag jedenfalls nicht die Angst, das Leid und die Schmerzen vor, während und nach dem Eingriff auszulöschen. Darüber hinaus führen die Eingriffe zu erhöhtem Stress und die verstümmelten Organe können ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen.
Aus Tierschutzsicht sind Haltungssysteme die derartige invasive Eingriffe erfordern, inakzeptabel.

Problembereich Krankheiten

In 36% der 28 untersuchten AMA-Schweinemasten wurden stallausstattungs – oder anderweitig haltungsbedingte Verletzungen oder eine Verletzungsgefahr identifiziert. In 43% der inspizierten Tierfabriken vermeldeten die InspektorInnen Atembeschwerden u/o Augenentzündungen durch Zugluft, hohen Ammoniak- oder Staubgehalt. In 50% der Betriebe gab es Hinweise auf haltungsbedingte Verhaltensstörungen.

Krankheiten, Verletzungen und sog. „Ausfälle“ (noch in Zucht oder Mast gestorbene Tiere) sind ein Kollateralschaden profitorientierter Massentierhaltung und ein deutliches Zeichen, dass die Tiere ihr Leben am organischen Limit verbringen müssen.
Haltungsformen, in denen eine auch noch so kleine „Ausfallsrate“ mit einkalkuliert ist, sind aus Tierschutzsicht jedenfalls strikt abzulehnen.

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