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Kalb wurde von verzweifeltem Bauern ausgesetzt!

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (07.02.2001)

Laaben, 07.02.2001

ANKÜNDIGUNG: VGT-Aktion mit Kalb: Freitag, 9.2.01, 9.30 Uhr, Stock-im-Eisen-Platz

Gestern nachmittag haben Sympathisanten des "Verein gegen Tierfabriken" -VGT auf einer Einfahrtsstraße nach Wien ein an einem Masten angebundenes Kalb entdeckt, welches offensichtlich von einem verzweifelten Bauern ausgesetzt worden war. Es hatte einen Zettel um den Hals, worauf folgendes zu lesen war: "Ich habe dieses Kalb ausgesetzt, in der Hoffnung, daß es Tierfreunde finden und bei sich aufnehmen. In der EU will man es und 2 Millionen seiner Geschwister umbringen, weil sie nichts mehr wert sind. Vielleicht hat wenigstens dieses kleine Kalb Glück und wird von tierliebenden Menschen gefunden, um so dieser sinnlosen Massenvernichtung zu entgehen". Der VGT nimmt dieses ergreifende Ereignis zum Anlaß, kommenden Freitag, den 9.2., ab 9.30 Uhr mit diesem Kalb, welches wir "Florian" getauft haben, am Stock-im-Eisen-Platz in Wien gegen den Massenmord an Rindern zu demonstrieren. Mit dabei auch Frau NR-Abg. Dr. Madeleine Petrovic, Grüne Tierschutzsprecherin.

Politischer und ethischer Hintergrund: Die "Vernichtung" von EU-weit 2 Millionen Rindern ist ein ökonomisches, ökologisches und ethisches Desaster! Die Rindfleischmärkte sind aufgrund der neuerlichen BSE-Krise zusammengebrochen. Der Verbrauchsrückgang bei Rindfleisch beträgt bis zu 30%, Überschüsse von bis zu 1 Million Tonnen, also die max. EU-Lagerkapazität, werden für heuer erwartet. Die Kosten explodieren, Agrarkommissar rechnet mit bis zu 42 Milliarden öS für "unschädliche Beseitigung", Interventionsankäufe, Lagerhaltungskosten und Kälberprämien (neue Herodesprämie?).

Neben diesem ÖKONOMISCHEN WAHNSINN bedeuten die Folgen unseres exzessiven Fleischkonsums auch einen ÖKOLOGISCHEN WAHNSINN: "Unschädliche Beseitigung" bedeutet die EU-weite Vernichtung von ca. 2 Mio. Rindern, wobei die Verbrennung dieser 500.000 Tonnen wohl nicht unschädlich für die Umwelt sein kann. Damit die Rinder aufwachsen konnten, wurde aber erst sehr viel "Nahrung" (und Geld) verbraucht: Ca. 8 kg Getreide bzw. Soja werden benötigt, um 1 kg Fleisch zu pro-duzieren. Aber mit diesen 8 kg könnte man den Hunger in der Welt besiegen, indem man diese Tiere gar nicht erst "produziert" und auf den Flächen, welche zur Futtermittelproduktion nötig waren, Getreide, Obst und Gemüse für die hungernden Menschen angebaut hätte. Dazu kommt noch die bekannte Schädigung der Umwelt durch die heutige Massentierhaltung, v.a. Boden, Wasser und Luft, sowie die Zerstörung der Regenwälder, Treibhauseffekt, saurer Regen etc.

Nicht zuletzt bedeutet das Ganze aber einen ETHISCHEN WAHNSINN: Es geht ja bei dieser Tötungsaktion nicht einmal darum, BSE zu bekämpfen, sondern den Rindfleischmarkt zu "stabilisieren". Auch Österreich - allen voran die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern - denkt daran, sich "bei weiterem Einbruch des Marktes" daran zu beteiligen. Hinter der "Verarbeitungsprämie für Kälber" verbirgt sich die seit 1996 berüchtigte "Herodesprämie", die ausbezahlt wird, wenn männliche Rinder von Milchrassen, deren Mastleistungen für den schnellen Profit nicht gut genug sind, gleich nach der Geburt getötet und "entsorgt" werden. Man könnte meinen, die Agrar-Lobbyisten würden sich über Nägel oder Schrauben unterhalten und nicht über schmerzempfindende Lebewesen. Die Dimensionen und der Umgang mit den Tieren bei der geplanten EU-weiten Vernichtung von rund 2 Millionen Rindern sind kaum vorstellbar. Da die Tiere nicht einmal ordnungsgemäß geschlachtet werden, ist damit zu rechnen, daß bei der Tötung wieder - wie schon bei der Herodesaktion - gespart wird und die Tiere tlw. noch lebend in die Verbrennungsöfen gelangen. Wenn man zudem die Bilder von den Tiertransporten vor Augen hat, dann zeichnen sich hier Tiertragödien gigantischen Ausmaßes ab!

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