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Haustiere als Wegwerfartikel

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.06.2007)

Wien, 30.06.2007

Ein Kofferraum voller Welpen – Aufsehen erregender Einsatz der Grenzpolizei gegen den Tierhandel der Haustiermafia. Unterdessen herrscht in Österreichs Tierheimen Hochbetrieb wie selten zuvor

Ein Kofferraum voller Hundewelpen – Aufsehen erregender Einsatz der Grenzpolizei gegen den skrupellosen Tierhandel der Haustiermafia. Unterdessen herrscht in Österreichs Tierheimen Hochbetrieb wie selten zuvor

Zwölf erst sechs Wochen alte Terrier und Chihuahuas wollten illegale Züchter vor einer Woche in den frühen Morgenstunden von Ungarn nach Österreich schmuggeln – und auf einem Autobahnparkplatz verkaufen. „Die Welpen waren in Reisetaschen und Plastikkisten gepfercht. Sie waren mangelhaft geimpft und wurden viel zu früh von ihrer Mutter getrennt“, so Herbert Steindl von Animal Rescue. An der Grenzstelle Nickelsdorf (Bgld) war für die Hundeschlepper Endstation. Täglich fahren schätzungsweise 30 solcher Transporte durchs Land!

Gefragt sind auch Malteser, Pinscher aber auch Pitbull und Co., und das Vertriebsnetz zu ihrer Verschacherung funktioniert nach einer genauen Logistik: 30 Euro müssen bereits bei der Bestellung – oft übers Internet – hingelegt werden, damit auf der Tour bestimmte Parkplätze überhaupt angefahren werden. Dafür bekommen die zukünftigen HundebesitzerInnen die Rasse nach Wahl und ein auffällig kleines, aber herziges „Paket“: Hundebabys von höchstens acht bis zehn Wochen – ob ihrer „Putzigkeit“ besonders begehrt und gerade so alt, dass sie ohne Mutter auf Reisen gehen dürfen.

Hundewelpenmafia geht über Leichen
Die Hunde werden vor allem in Ungarn, Tschechien oder Serbien von skrupellosen ZüchterInnen, die Zuchthündinnen wie Gebärmaschinen unter unfassbaren Zuständen halten, am laufenden Band „produziert“ und an die österreichischen Endabnehmer um 240 bis 380 Euro verkauft. LieferantInnen und ZüchterInnen teilen sich den Erlös, was an Welpen aus dem Wurf übrig bleibt, wird nicht selten „entsorgt“, indem die Hundebabys einfach auf die Straße geworfen werden. Der Handel mit den wehrlosen Jungtieren blüht, seit das neue bundesweite Tierschutzgesetz den Verkauf von Welpen und Katzen durch den Zoohandel erschwert, an sich eine wertvolle Errungenschaft, die aber im Gegenzug neue Problemfelder eröffnete.
Zudem müssen InteressentInnen an Tieren aus legalen Nachzuchten in Österreich oft Monate lang auf einen Hund warten und wesentlich mehr bezahlen, da „seriöse“ bzw. gesetzeskonforme ZüchterInnen normalerweise nicht mehr als zwei Würfe im Jahr haben.

100 bis 150 Welpen werden jedes Wochenende über die Grenze nach Österreich geschafft, schätzt Manfred Ehgartner, Salzburger Landesstellenleiter der „Österreichischen Tierrettung“. „Bei uns werden sie unter dem Deckmantel des Tierschutzes verkauft. Es heißt dann, das sind spanische Hunde, die vergast werden, obwohl sie eindeutig aus Tschechien oder Ungarn kommen“, erläutert Ehgartner die miesen Tricks der Hundewelpenmafia. Tierschutzombudsmann Alexander Geyrhofer kündigt Strafen von mindestens 1.000 Euro für die erwischten LieferantInnen an.

Geyrhofer: „Wer solche Hunde kauft, produziert Tierleid.“, und ortet einen ethisch ignoranten Zeitgeist: „Tiere haben in der Konsumgesellschaft keinen Wert mehr!“

Tierheime zum Bersten voll
Denn viele der kuscheligen Hundebabys landen am Ende im Tierheim. Es sei wesentlich leichter geworden, sich eine Tieres zu entledigen, erklärt Tierretter Ehgartner: Seit der Tierschutznovelle sind die Bezirksbehörden zur Bergung und Verwahrung herrenloser Tiere verpflichtet. Dies und die „sinkende Moral“ (Ehgartner) vieler HalterInnen seien der Grund, warum die Anzahl der Fundtiere kontinuierlich steige: „Es gibt Leute, die werfen sieben Katzen auf einen Tusch hinaus oder setzen ihren alten Hund aus, weil sie wieder einen neuen, jungen haben wollen“, skizziert er ein erschütterndes Sittenbild von heimischen TierhalterInnen.

Die Anzahl der Tiere, die ihren Platz auch durch Delogierungen verlieren, habe sich in den letzten Jahren fast verdoppelt. 60 Tage muss ein behördlich abgenommenes Tier verwahrt werden, 30 Tage ein aufgelesenes Tier. Danach ist es gleichsam „vogelfrei“. Die Folge: Die beiden Salzburger Tierheime in der Stadt Salzburg und in Hallein sind zum Bersten voll. „Dass wir jetzt auch Tiere bei Delogierungen, Spitalsaufenthalten und Sterbefällen aufnehmen müssen, hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, klagt Günther Mayrhofer, Präsident des Salzburger Tierheims. „Wir sind komplett voll!“ Aufgelesene oder verletzte Tiere werden inzwischen auch schon bei Bauern oder in Tierpensionen untergebracht. Ein kostspieliges und kaum überschaubares System.

Haustiere bitte nur aus nicht-kommerziellen Quellen beziehen!
Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN weist darauf hin, dass man generell nur (Haus)Tiere aus Tierheimen oder allenfalls von „unbeabsichtigtem“ bzw. nicht-kommerziellem Hunde-, Katzen- oder sonstigem Tiernachwuchs beziehen sollte. Gerade angesichts der aus allen Nähten platzenden Tierheime ist es völlig unverantwortlich, in der trostlosen Gefangenschaft der Tierasyle dahinvegetierenden Tieren eine würdige Unterkunft bzw. ein gutes Plätzchen zu verwehren, während man selbst durch den Kauf bei kommerziellen ZüchterInnen die tierverachtende und unmenschliche Tierzuchtmaschinerie ankurbelt.

Haustiere – ja!, aber bitte unbedingt an die zahlreichen Tierheime und ihre Insassen denken! Eine echte Tierfreundin / ein echter Tierfreund schenkt lieber einem verzweifelten Tier hinter (Heim)gittern ein neues Leben … !

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