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Urlaub am Bauernhof

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (18.09.2007)

Wien, 18.09.2007

Ein Urlaub auf diesem Bauernhof kann helfen, die romantischen Vorstellungen von glücklichen Tieren am Bauernhof zu zerstören

Ein Urlaub auf diesem Bauernhof kann helfen, die romantischen Vorstellungen von glücklichen Tieren am Bauernhof zu zerstören

 

„Artgerechte Tierhaltung in einem österreichischem Vorzeige-Stall“

Die Haltung von Tieren findet oft im Verborgenen statt. Hält ein Bauer Schweine, Rinder, Hühner etc. in Stallungen, so ist dies für kaum jemanden einsehbar, außer für die Bauern selbst und bestenfalls für den Amtstierarzt, der meist in viel zu großen Abständen kontrollieren kommt. Viele Bauernhöfe liegen abseits, die Stallungen sind fest verschlossen oder sind von außen nicht als solche erkennbar. Tierquälereien werden hier nur durch Zufall aufgedeckt.

Urlaub am Bauernhof!

Anders ist dies im folgenden Fall: eine niederösterreichische Familie bietet „Urlaub am Bauernhof“ an. Menschen werden eingeladen zu kommen und tagelang am Hof zu verweilen. Außerdem befindet sich ein Buschenschank am Hof, viele Menschen kommen dort rein zufällig vorbei und haben hier die Gelegenheit, sich die Stallungen anzusehen. So erreichte uns vom VGT ein Hilferuf einer aufmerksamen Tierschützerin: die Kühe auf dem besagten Hof hätten kaum Stroh, liegen in ihren Exkrementen, haben Fußfesseln, sind am Hals angekettet. Als wir Fotos des Tierstalles bekamen staunten wir nicht schlecht: im Stall, für alle deutlich erkennbar, befand sich eine Legebatterie in Miniaturausführung: ein paar Käfige nebeneinander, zwei Reihen übereinander. Die Kühe hatten, wie beschrieben, kaum Stroh, und waren angekettet. Ein Pony war an die Stallmauer angebunden, hatte dadurch kaum Bewegungsfreiheit, und ebenfalls kaum Stroh. Dazu muss man sagen: der Hof steht alleine, liegt inmitten von Wiesen! Es gäbe also genügend Platz für Auslauf!

Dialog mit betreffenden Bauern!

Wir wollten wissen, warum diese Bauern ihre Tiere so halten, und fuhren dort hin. Zuerst wurden wir vom Bauern freundlich begrüßt, als wir jedoch sehr freundlich und vorsichtig erklärten, was der Grund unseres Besuches ist, beschimpfte er uns und war zu keinem Dialog bereit! Wir gaben nicht auf. Die Bäuerin zeigte sich vernünftiger. Es war uns zumindest möglich mit ihr zu sprechen.

Hühner in den Käfigen, warum?

Wenn die Hühner frei herumlaufen können, dann „scheißen sie alles voll“, meinte sie. „Freilandhaltungen sind alle schmutzig und unhygienisch“, sie fragte, ob wir derartige Bakterien-verseuchte Eier essen wollen. Die Tiere wären seit der „Hühnerpest“ (sie meinte jedoch Vogelgrippe) in den Käfigen. Das wäre besser für sie, denn dieses einsperren-rauslassen etc. wäre schlimmer für die Hühner als ständig eingesperrt zu sein. Tierquälerei sei es keine, 3 Tiere in einen kleinen Käfig zu sperren. Erst ab 4 Tiere wäre dies eine solche. Außerdem sei diese Haltungsform nicht verboten. (erst ab 1.1.2009)

Angekettete Rinder, teilweise mit Fußfesseln, warum?

„Wir lassen uns nicht den Schädel einschlagen“, meinte sie. Eine einzige Kuh wehre sich gegen das Melken, deshalb hat sie Fußfesseln. Einige Zeit nach dem Gebären hätten alle Kühe Fußfesseln, damit sie keinen Beckenbruch beim Aufstehen erleiden. (Tiere stehen auf feuchtem, rutschigem Betonboden, wenig Stroh, außerdem sind sie durch die Ankettung in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt).
Wer den Umbau bezahlen solle, fragte sie. Der Stall ist nicht dafür geeignet, die Tiere täglich auf die Weide zu lassen. (So stehen sie inmitten von Wiesen ihr ganzes Leben an einer Kette im Stall!) „Glauben sie, Kühe wollen bei Regenwetter im Freien sein?“ Ja, aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Kühe bei Regen lieber im Freien sind (unter Bäumen), als im Stall.

Kontrollen sind streng!

„Der Stall wird regelmäßig kontrolliert“, wurde uns versichert, die Kontrollen seien streng. Die AMA kontrolliere, der Tiergesundheitsdienst und „aus Brüssel“ gäbe es auch Kontrollen. Die gesetzlichen Auflagen werden scheinbar wirklich größtenteils erfüllt, das beweist, dass die Standards aus Tierschutzsicht viel zu niedrig sind.

Stadtmenschen haben keine Ahnung!

Neben verschiedenen, teils ordinären und aggressiven Beschimpfungen wollte er seiner Frau auch mehrmals befehlen ins Haus zu gehen, und nicht weiter mit uns zu sprechen.
„Stadtmenschen haben keine Ahnung, wie Tiere gehalten werden sollen“, sagte er. Wir sollten die Bauern in Ruhe lassen, und stattdessen zur Landwirtschaftskammer, zum Veterinäramt zu und zu den Politikern gehen. (Was wir ohnedies ständig tun.)

Bei uns werden die Tiere artgerecht gehalten! (Zitat Bäuerin)

Die Grundeinstellung eines Bauern ist scheinbar immer, dass am eigenen Hof die Tiere artgerecht gehalten werden, egal, ob die Kühe lebenslang in einer Kette hängen oder die Hühner in Käfigen gehalten werden.

Bauern haben Vertrauen verloren.

Wir hätten gerne gemeinsam mit der Bäuerin den Stall angesehen, um die Sicht der Bauernschaft verstehen und unsere Sicht, die des Tierschutzes, erklären zu können. Das wurde jedoch abgelehnt. „Wir haben das Vertrauen in unsere Gäste verloren“, war die Begründung. Immer sei die Stalltüre offen gewesen, jeder konnte den Stall und die Tiere ansehen. Jetzt sei dies nicht mehr möglich, weil einige Menschen sich an dieser Form der Tierhaltung stoßen, es gäbe immer wieder Probleme mit Leuten. Es gab auch vor kurzem eine Anzeige gegen die Tierhalter. Der Amtsveterinär wäre gemeinsam mit der Polizei gekommen. Diese hätten alles als legal angesehen, trotzdem hätte man einen Rechtsanwalt eingeschalten. Schließlich habe man ja eine Rechtsschutzversicherung.

Bewusstsein schaffen – Verantwortung übernehmen!

Kurioserweise bezeichnen sich Bauern immer wieder als Tierschützer. Das das nicht funktionieren kann ist klar: (Nutztier-) Bauern leben von der Nutzung der Tiere, sie sind wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt. Vielleicht würden viele Bauern ihre Tiere besser halten wollen. Aber der Ertrag aus dieser Nutzung muss hoch genug sein, damit sich die Bauern ihre Arbeitsmittel und ihr Leben leisten können. Die Verlockung ist deshalb groß, die Tierschutzstandards möglichst gering zu halten und sich dann selber zu betrügen mit den Argumenten: „Es war schon immer so, es geht nicht anders, das ist eh in Ordnung.“ Oder: „Wer sollte das bezahlen?“

Die Verantwortung tragen deshalb alle gemeinsam:

Die die Tiere (schlecht) haltenden Bauern, die unwillige Politik, trügerische Werbekampagnen, sowie die KonsumentInnen und WählerInnen, die sich teilweise zu wenig Gedanken über ihr Einkaufsverhalten machen.
Der VGT hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle diese Gruppen auf ihre Verantwortung aufmerksam zu machen und zu einem Umdenken zu bewegen.

Im Sinne der Millionen leidensfähiger (Nutz-)Tiere.

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