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Ponykarussell und Reitpavillon im Wiener Prater

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (03.09.2009)

Wien, 03.09.2009

Tradition seit 1887, doch was steckt dahinter

Tradition seit 1887, doch was steckt dahinter

Stolz rühmt sich das Pferdekarussell eines der ältesten Traditionsunternehmen des Wiener Praters zu sein und unwillkürlich kommt so manchen hier der Gedanke von George Bernard Shaw in den Sinn: Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.

In letzter Zeit haben wir wieder vermehrt entsetzte Schreiben von Wien TouristInnen bekommen, sie alle können nicht fassen, dass dieses Karussell noch erlaubt sein soll. Und so haben sich ein paar VGT-AktivistInnen auf den Weg gemacht, um einmal mehr zu schauen, wie es den Ponys so gehen mag.

Geregelt ist das Ponykarussell durch die Wiener Veranstaltungsverordnung

Diese schreibt dem Familienunternehmen vor, dass die Tiere alle drei Stunden ausgetauscht werden müssen. Die Ponys gehen immer in die gleiche Richtung und das in einem kleinen Kreis, dieser Radius erlaubt nicht einen geraden Schritt. Daraus resultiert eine einseitige Belastung der Gelenke und somit eine ernste gesundheitliche Belastung.
Auch die Lärmbelastung ist für diese Tiere enorm. Ist doch gleich nebenan eine Autorennstrecke für Kleinkinder und der größte Spaß für die Kleinen ist, sich lautstark mit der Hupe bemerkbar zu machen. Selbst für Menschen ist das Verweilen an jenem Ort nach kürzerer Zeit unangenehm. Das Gehör des Pferdes verfügt aber über ein wesentlich breiteres Spektrum und kann Töne bis in den Ultraschallbereich hören.
Bei gutem Geschäft ist das Karussell von 14:00 bis 22:00 Uhr geöffnet.

An einem sonnigen Spätsommernachmittag haben einige VGT-AktivistInnen beim Ponykarussell Stellung genommen

Ab 15:30 Uhr haben wir das Geschehen beobachtet. Und der Verdacht, der uns von Kennerseite schon des öfteren mitgeteilt wurde, nämlich, dass die Ponys nicht ordnungsgemäß ausgetauscht werden, hat sich leider auch an diesem Tag bestätigt. Bis 19:00 Uhr wurde kein einziges Pony ausgetauscht. Und erschreckender weise wurden die Tiere auch nicht ein einziges Mal getränkt oder gefüttert. Gegen 19:00 Uhr wurde ein einziges Pony ausgewechselt. Da an diesem Tag das Geschäft nicht so gut lief, wurde bereits gegen 20:00 Uhr geschlossen. Ein Kellner aus dem gegenüber liegendem Schweizerhaus bestätigte uns auch diese Wahrnehmung. Auch er teilte uns sein Mitleid mit den Ponys mit und sagte, dass er noch nie gesehen habe, dass die Tiere getränkt oder komplett ausgetauscht wurden und er arbeite schon lange in diesem Betrieb.

Der VGT hat diese Beobachtungen der Tierschutzombudsstelle Wien mitgeteilt, diese wird nun eine Anzeige vorbereiten.

Aber auch das Reitpavillon, das ganz in der Nähe des Riesenrads platziert ist, verstößt gegen das Gesetz

Bereits vor einer Woche meldete eine Tierschützerin, dass sich in diesem Pavillon ein Pony mit Maulkorb befindet. An jenem besagten Tag waren es dann gleich drei Ponys mit Maulkorb und diese hatten sie von 15:30 bis 20:30 Uhr um.
Das Bundestierschutzgesetz sagt ganz eindeutig, dass die Ausrüstungsgegenstände der Tiere ein ungehindertes Essen ermöglichen müssen. Die Pferde in diesem Pavillon wurden ebenfalls den gesamten Nachmittag und Abend nicht ausgetauscht, drei davon waren zusätzlich mit dem Maulkorb belastet und so in ihrer natürlichen Verhaltensweise zusätzlich stark eingeschränkt.

Auch hier werden wir versuchen mit Hilfe der Tierschutzombudsstelle Wien eine Verbesserung für die Tiere zu erreichen.

 

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