Teilen:

Podiumsdiskussion zeigt erschreckende Bedrohung der Zivilgesellschaft durch Tierschutzprozess auf

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (17.09.2013)

Wien, 17.09.2013

Univ.-Prof. Dr. Petra Velten, Vorständin vom Institut für Strafrecht der Uni Linz, spricht von einer Disziplinierung von Bürgerbewegungen durch den Nötigungsparagraphen als Allzweckwaffe

Im Frühjahr 2014 wird es tatsächlich eine Wiederholung des Tierschutzprozesses von Wr. Neustadt geben - wenn auch im Kleinformat. Statt um eine kriminelle Organisation geht es nun um schwere Nötigung, und zwar nicht durch die Androhung strafbarer Handlungen, sondern einer Kampagne und von Demos. Am Donnerstag den 12. September 2013 diskutieren Univ-Prof. Dr. Petra Velten, Justizsprecher der Grünen Mag. Albert Steinhauser, Verteidiger Rechtsanwalt Mag. Phillip Bischof und VGT-Obmann DDr. Martin Balluch.

Univ.-Prof. Dr. Petra Velten hielt das einleitende Impulsreferat. Und sie ließ kein gutes Haar am Berufungsurteil des Wiener Oberlandesgerichts. Die Abwägung von Mittel und Zweck der Androhung einer VGT-Kampagne, sollten die Kleiderfirmen nicht aus dem Pelzhandel aussteigen, sei im Urteil nur eine "Show". Tatsächlich hätten sich die Richterinnen auf die Auslegung festgelegt, dass jede Forderung einer NGO oder einer Einzelperson, auf die diese keinen Rechtsanspruch haben, bereits eine strafbare Nötigung sei. Damit würden aber sozial normale und übliche Verhaltensweise strafbar werden. Das sei verfassungswidrig. Details zum Vortrag siehe martinballuch.com.

Mag. Albert Steinhauser sprach sich deutlich dafür aus, nach § 278a nun auch den Nötigungsparagraphen reformieren zu wollen. Das wäre aber wesentlich komplizierter, nicht nur juristisch sondern auch politisch. Er wäre für jede Hilfe auf beiden Ebenen dankbar.

Verteidiger Mag. Phillip Bischof hatte gleich eine Neuformulierung anzubieten: Demonstrationen und zivilgesellschaftliche Kampagnen müssten vollständig von der Nötigung ausgenommen werden. Dem Oberlandesgericht sei es gelungen, auf 101 Seiten seines Urteils nicht ein einziges Mal von den zentralen Werten wie Versammlungs- oder Meinungsfreiheit zu sprechen, obwohl es ausschließlich darum gehe. Nach dem Freispruch sei vor dem Freispruch, gab er sich kämpferisch.

VGT-Obmann DDr. Martin Balluch berichtete von der erfolgreichen Selbstanzeigeaktion und der IFES-Umfrage, die die Meinung der Bevölkerung in dieser Frage offenlegten. Wenn das Gesetz normiert, dass das Rechtsgefühl der Bevölkerung in dieser Sache entscheidend sei, dann müsse man sie auch fragen. Die Richterinnen dürften in eigenen abgeschlossenen sozialen Kreisen leben, die mit der Realität nicht viel zu tun haben. Demos seien schließlich dazu da, öffentlichen Druck auszuüben, dafür sind sie auch verfassungsmäßig geschützt. Würden sie keinen Konflikt hervorrufen, hätte man sie nicht in den Menschenrechten verankern müssen. Der konstruktive Konflikt in einer demokratischen Gesellschaft im Rahmen demokratiepolitisch legitimer Aktionsformen ist zulässig und darf nicht kriminalisiert werden.

Das Podium rief die Zivilgesellschaft dazu auf, gegen dieses Urteil Widerstand zu leisten. Nach der Wahl wird der VGT mit zahlreichen Events zur Neuauflage des Tierschutzprozesses die Öffentlichkeit mobilisieren.

Input Vortrag Petra Velten, Vorständin des Instituts für Strafrechtswissenschaften Linz:


Anschließende Podiumsdiskussion mit Petra Velten, Josef Bischof(Rechtsanwalt), Albert Steinhauser (Grüne), Martin Balluch (VGT):

14.09.2026, Salzkammergut

Singvogelfang: VGT beruft gegen ALLE 52 neuen Bescheide, die den Fang erlauben

Morgen beginnt die neue Singvogelfangsaison im OÖ Salzkammergut; der VGT hält die reformierte Artenschutzverordnung für verfassungswidrig und ruft VfGH an

11.09.2026, Klagenfurt

Einladung Klagenfurt: 2 Personen 11 Std auf Schweine-Vollspaltenboden

Einer der Tierschützer:innen wird auf einem klassischen Vollspaltenboden sitzen, der 2034/2038 verboten wird, die andere auf der Neuversion des Vollspaltenbodens, die kein Ablaufdatum hat

10.09.2026, Färöer

Waljagd auf den Färöer-Inseln: VGT spricht mit Walfänger

Heuer wurden schon über 800 Grindwale auf den Färöer-Inseln massakriert – die zu Dänemark gehörende Inselgruppe beruft sich auf Tradition

09.09.2026, Wien

Noch immer kein Schweine-Vollspaltenbodenverbot: VGT-Protest beim Ministerrat

Der VGT erinnert die Regierung daran, dass im Tierschutzgesetz festgelegt ist, dass es ab Ende 2026 einen neuen Mindeststandard für die Haltung von Schweinen geben muss

08.09.2026, Wien

Pferde leiden weiter in der Hitze. Über 100.000 Menschen kämpfen gegen Fiaker in der Innenstadt

Tierschutzorganisationen fordern runden Tisch: Damit im kommenden Jahr keine Pferde mehr unter Hitze, Verkehr und Stress in der Wiener Innenstadt leiden müssen

01.09.2026, Wien

VGT trauert um Legehennen-Pionier Toni Hubmann

Toni Hubmann war Vorreiter in der Legehennenhaltung, auf ihn gehen die strukturierte Weide, das Ende des Schnabelkupierens, das Sandbad, der Wintergarten und die Einstreu-Nester zurück

31.08.2026, Dalsbu, Island

VGT präsentiert aktuelle Fotos von letzter Pelzfarm in Island – fordert Ende

12.000 amerikanische weiße und schwarze Nerze in winzigen Drahtgitterkäfigen – in Österreich kam bereits 1998 das weltweit erste Pelzfarmverbot und löste europaweit Verbote aus

28.08.2026, St. Pölten-Land

400 Menschen versammeln sich gegen Tierquälerei in Traismauer

Überwältigendes Signal in Traismauer, NÖ, aus der Bevölkerung: Tierleid darf nicht länger toleriert werden