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#Abgestillt! Protest-Aktionen in ganz Österreich!

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (31.05.2022)

Wien, 31.05.2022

Anlässlich des „Weltmilchtags“ zeigen Tierschützer:innen österreichweit auf, dass es Zeit ist, sich von der Kuh-Muttermilch zu lösen – es ist Zeit, abzustillen!

Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN beteiligt sich an der #abgestillt-Kampagne, die im gesamten deutschsprachigen Raum dazu aufruft, den Kuhmilch-Konsum zu hinterfragen.

Immerhin etwas mehr als eine halbe Million (524.000 im Jahr 2020) Milchkühe werden in Österreich gehalten. Damit sie Milch produzieren, müssen die Kühe jedes Jahr ein Kalb gebären. Die Jahresmilchleistung pro Kuh nahm in den letzten Jahren immer weiter zu: von 6.759kg im Jahr 2016 zu 7.286kg im Jahr 2020.1 Hochleistungszucht und ein Fokus auf die hohe Milchleistung als Zuchtmerkmal sind auch in Österreich verbreitet.
Die Milch-Werbebranche zeigt glücklich grasende Kühe und vermittelt den Mythos der Kuhmilch als Grundnahrungsmittel. Der VGT hat das unter die Lupe genommen.

Wie reagieren Menschen, wenn mitten in der Wiener Innenstadt ein erwachsener Mensch am Euter einer Kuh nuckelt? Dieser Frage gingen die VGT-Tierschützer:innen in ihre heutigen Aktion nach. Aktivist:innen in Kuh-Kostüm stellten das Säugen menschlicher Erwachsener nach – die Passant:innen reagierten verwundert bis schockiert.

VGT-Campaigner Georg Prinz: Diese Darstellung mag Empörung hervorrufen, doch sie zeigt, was Kuhmilchkonsum tatsächlich bedeutet: das Trinken der Muttermilch von Rindern. Ob nun über Melkmaschine, Molkerei und Kühlregal oder direkt aus dem Euter ist kein relevanter Unterschied.

Wie alle Säugetiere produzieren auch Kühe nur Milch, wenn sie schwanger sind und Nachwuchs gebären. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist auf die Bedürfnisse der eigenen Kinder angepasst. Kuhmilch ist evolutionär auf die schnell-wachsenden Kälber optimiert. Es ist aus dieser Perspektive gesehen äußerst bizarr, dass Menschen glauben, Kuhmuttermilch sei für sie ein wichtiges Nahrungsmittel.

Der VGT kritisiert insbesondere die immer noch verbreitete Anbindehaltung von Milchkühen in der österreichischen Landwirtschaft. Schätzungsweise 42% der Rinder in Österreich stehen angebunden im Stall.2 In dieser Haltungsart werden die Rinder massiv in ihren Bewegungsbedrüfnissen eingeschränkt. Die Anbindehaltung ist für jede Tierart eine Qual – was etwa für Hunde oder sogar Schweine gesetzlich verboten ist, bleibt bei Rindern weiterhin erlaubt.

Georg Prinz weiter: Wir fordern ein Verbot der Anbindehaltung, ausnahmslos. Auch die derzeit legale Anbindehaltung mit sogenanntem Freilauf an 90 Tagen im Jahr ist keinesfalls tierschutz-konform – vor allem, wenn wie derzeit möglich, die Dauer des Freilaufs pro Tag und die Art des Auslaufs nicht geregelt sind. Selbst wenige Minuten in dunklen Buchten gelten damit als Freilauf!

 

Zur Petition


Der VGT hat diesen gesetzlichen Mangel in seiner Stellungnahme zur Tierschutzgesetz-Novelle deutlich gemacht. Weiters wird auch die fehlende Kontrollmöglichkeit der Einhaltung von Freilauf-Zeiten kritisiert. Die neue Gesetzesnovelle soll zwar die sogenannte „dauerhafte Anbindehaltung“, die derzeit über Ausnahmeregelungen erlaubt ist, verbieten – die Anbindehaltung mit 90-Tage-„Freilauf“ bleibt davon im aktuellen Entwurf der Regierung jedoch unbetroffen.

Der Kuhmilchkonsum stagniert in Österreich – trotz massiver Bewerbung durch die Milchbranche. Gleichzeitig müssen die einzelnen Kühe aufgrund von Hochleistungszucht und Energiefütterung immer mehr Milch produzieren. Die Kälber, deren Geburt notwendig ist, damit Kuhmütter überhaupt Milch erzeugen, bekommen jedoch nur 3,4 % der Gesamtproduktion. Die Muttermilch der Kälber geht an den Menschen, während die Kälber billigen Milchaustauscher bekommen. Der Export boomt hingegen – das Landwirtschaftsministerium selbst gibt an, dass jeder zweite Liter Kuhmilch als verarbeitetes Produkt exportiert wird.3 Der Selbstversorgungsgrad in Österreich liegt bei 177% (Jahr 2020)4.

Auch aus Umweltschutz- und Effizienzsicht sind Tierprodukte die Schlusslichter. Nur 24% der über Futtermittel bereitgestellten Kalorien und des Eiweißes wird von Kühen in Kalorien und Eiweiß in der Milch umgewandelt.5

Es wäre wünschenswert, wenn die Österreicher:innen ihren Milchkonsum kritischer hinterfragen würden in Hinblick auf Tierleid und Tierausbeutung. Es gibt viele pflanzliche Alternativen, die ohne die Nutzung von Tieren und damit in Zusammenhang stehendem Leid auskommen, so Prinz abschließend.

Der VGT fordert ein Ende der Anbindehaltung und eine Abkehr von der Hochleistungszucht.


(1) Statistik Austria

(2) Schlatzer, Martin und Thomas Lindenthal: Analyse der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Österreich. Umwelt- und Tierschutzaspekte. Wiener Umweltschutzabteilung, Wien 2018

(3) Milchwirtschaft in Österreich, Landwirtschaftsministerium

(4) Statistik Austria

(5) Ourworldindata: Energy efficiency of milk and dairy production


Presse-Fotos zu den Aktionen in ganz Österreich

(Ordner wird laufend ergänzt) (Copyright: VGT.at)

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