Ferkelspenden! vgt.at Verein gegen Tierfabriken Menü
Wien, am 03.02.2020

Jubiläum: 25 Jahre VGT-Tierschutzunterricht

Das Projekt Tierschutzunterricht ist dem VGT schon nach kurzem Bestehen sehr wichtig gewesen. Das Hauptanliegen des Vereins war und ist die Bewusstseinsbildung und die
Öffentlichkeitsarbeit.

Da liegt es nahe, sich auch an Kinder und Jugendliche zu wenden. Gibt es eine bessere Investition in die Zukunft, als den jungen Menschen den Tierschutz näherzubringen und ihnen aufzuzeigen, wie ähnlich sich Menschen und Tiere doch sind, wie sie in vieler Hinsicht gleich empfinden?

Wer mit 7- jährigen Kindern über Tiere spricht, erkennt schnell, wie sehr Menschen in diesem Alter nicht nur an Tieren interessiert sind, sondern auch deren Bedürfnisse ernst nehmen, wenn man sie ihnen erklärt. Tiere sind für Kinder dieses Alters Personen, die auf jeden Fall Rechte haben sollten. Das ist für sie selbstverständlich, da bedarf es zumeist keiner weiteren Erläuterung. Bemerkenswert ist eher, wie sich dieses Gefühl mit zunehmendem Alter verflüchtigt. Es wird den Kindern durch eine Gesellschaft ausgetrieben, die unsagbar brutal zu Tieren ist. Um sich zu fügen, sind die Kinder gezwungen, ihre Tierliebe aufzugeben oder in Bereiche zu kanalisieren, wo sie der systematischen Nutzung der Tiere nicht im Weg steht.

25 Jahre Erfolgsgeschichte

Da der VGT anfangs in den frühen 1990er Jahren in Niederösterreich in der Nähe von Wien beheimatet war, wurden zweimal pro Jahr alle niederösterreichischen und Wiener Schulen angeschrieben, um ihnen Tierschutzstunden anzubieten. Als Tierschutzlehrer trat Kurt Schmidinger auf, der bis heute eng mit dem VGT verbunden ist. Das Angebot war und ist kostenlos, die Resonanz groß, sodass pro Jahr etwa 270 Schulklassen besucht werden konnten.

1997 übernahm der heutige Obmann Martin Balluch den Tierschutzunterricht. Er war in England zum Tierschutzlehrer ausgebildet worden und hatte dann ebenso das Tierschutzlehrerseminar an der Pädagogischen Hochschule in Graz absolviert. Bis heute ist er dort an der Ausbildung neuer Tierschutzlehrer_innen beteiligt. Mit dem Schuljahr 2005/06 hat Mag.a Elisabeth Sablik den VGT-Tierschutzunterricht übernommen. Die engagierte Biologin besuchte bis zu ihrer Karenz im Jahr 2016 tausende Schulen in Wien, Niederösterreich und im Burgenland. Sie wurde von vielen Lehrer_innen jedes Jahr aufs Neue eingeladen und hatte so u.a. die Möglichkeit, Volksschulkinder vier Volksschuljahre lang zu begleiten. Sehr beeindruckend für sie war, dass sich Schüler_innen an die Inhalte des VGT-Tierschutzunterrichts oft sogar bis ins kleinste Detail erinnerten. Auf dieser Basis konnte ein fundiertes Tierschutzwissen schon bei den Kleinsten aufgebaut werden. Der Tierschutzunterricht wurde in den Schulen immer beliebter und gefragter, weshalb das Team im Schuljahr 2012/13 vergrößert wurde, um auch in der Steiermark den begehrten Tierschutzunterricht anbieten zu können.

Dieses Schuljahr besucht die Tierschutzlehrerin Nina Decker Schulen in Wien, Niederösterreich und im nördlichen Burgenland, im restlichen Burgenland und in der Steiermark ist unsere Tierschutzlehrerin Susanne Richter unterwegs. Mit Beamer und Präsentationen, Filmen, eigens erstellten Spielen, unseren beliebten Arbeitsblättern und viel Engagement werden wir jährlich von hunderten Schulen gebucht. Ein zusätzlicher Anreiz ist, dass der Tierschutzunterricht für die Schulen und Eltern mit keinen Kosten verbunden ist, er wird vom VGT kostenlos angeboten.

VGT-Tierschutzunterricht inVolksschulen

In den Volksschulen wird der Schwerpunkt auf die Offenheit der Kinder gegenüber Tieren gesetzt. Bei den Kleinsten beginnen wir mit einem Vergleich zwischen Menschen und den Tieren. Es wird erarbeitet, dass ihr Körper oft genauso aufgebaut ist wie der menschliche Körper, das Verhalten von Menschen und Tieren ist beinahe ident, alle Lebewesen müssen essen, trinken, schlafen und alle Lebewesen freuen sich über viel Platz, um sich bewegen zu können. Tiere können so wie wir Gefühle wie Angst, Wut, Freude und Liebe spüren und leben. Die Quintessenz dieser Unterrichtseinheit ist, dass Tiere genauso gerne leben wie wir und sich genauso wie wir ein Leben in Freiheit wünschen. Ab der dritten Volksschulklasse beginnen wir mit den Nutztier-Themen, dies jedoch altersgerecht abgestimmt und mit vielen Spielen versetzt. Das richtige Zusammenleben mit unseren Haustieren ist auch ein Thema in den Volksschulen.

VGT-Tierschutzunterricht in Unterstufen und Neue Mittelschulen

In den Unterstufen und Mittelschulklassen liegt unser Schwerpunkt bei den sogenannten Nutztieren, da gerade in den dritten Klassen die Intensivtierhaltung im Lehrplan steht. Wir zeigen, wie Schweine, Rinder und Hühner in Österreich gehalten werden, und erarbeiten Lösungen, wie wir mithelfen können, das Leben dieser Tiere zu verbessern. Hier geht es immer um eine bewusste Kaufentscheidung. Die Eier-Kennzeichnung, der Unterschied zwischen Bio-Haltung und Massentierhaltung wird erklärt und natürlich auch die Notwendigkeit einer Erhöhung des pflanzlichen Speisenangebotes. Dies alles sind Lösungen, die auch der eigenen Gesundheit, der Umwelt und unserem Klima helfen. Andere Themen in den Unterstufen- und Mittelschulklassen sind Pelztierhaltung, Tiertransporte und Tierversuche.

VGT-Tierschutzunterricht in Oberstufen

In Gymnasien zwischen der fünften und achten Schulstufe sind die Jugendlichen bereits vorgebildet und an einer Einbettung der Tierschutzproblematik in den Hintergrund ihres Wissens von Geschichte und Biologie interessiert. Es geht im Tierschutzunterricht dann hauptsächlich um die Entwicklung der Mensch-Tier Beziehung in unserer Gesellschaft von ihren Anfängen im Antiken Griechenland bis zur Aufklärung und dem modernen Verständnis von Tierschutz heute.
Selbstverständlich muss dabei auch der Status der Tiere heute und der Umgang mit ihnen in der Gesellschaft zum Thema werden. Dabei reicht der Bogen von Tierfabriken über Tierversuche bis zur Jagd. Überall dort, wo der Mensch über Tiere bestimmt, ist ihr rechtlicher Status als Sachen ausschlaggebend.
Mit den Schüler_innen können dann die grundlegenden Fragen zu Tierschutz diskutiert werden. Haben Tiere Interessen? Wenn ja, sind die z.B. politisch zu berücksichtigen? Was ist eigentlich eine Person? Und das bürgerliche Gesetzbuch kennt nur Sachen und Personen. Wenn Tiere keine Sachen sind, müssten sie Personen sein. Woran erkennt man Personen? Wenn man sich mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt, wird rasch klar, dass das Mensch-Tier-Verhältnis in unserem Rechtssystem auf keinen Fall haltbar ist. Es muss geändert werden. Aber wie? Breiten Diskussionen, an denen Jugendliche der Oberstufe meistens sehr interessiert sind, ist da Tür und Tor geöffnet. Aber für eine lebendige Demokratie, für eine Mitbestimmung und Mitverantwortung der Einzelnen in unserer Gesellschaft, ist diese offene Diskussion unabdingbar, auch wenn sie manchen an den Schalthebeln von Wirtschaft und Politik nicht gefällt.

Tierschutzunterricht einer kriminellen Organisation?

Als es dem VGT gelungen war, im Jahr 2005 gegen den Willen der Regierung ein einheitliches Bundestierschutzgesetz verbunden mit einem Legebatterieverbot und der Schaffung von Tierschutzombudsschaften durchzusetzen, begann ein starker Gegenwind spürbar zu werden. Das Unterrichtsministerium schickte im Jahr 2006 einen Brief an jede Schule Österreichs, in dem vor dem VGT gewarnt wurde. Als weitere Gegenmaßnahme gründete man das regierungseigene Projekt Tierschutz macht Schule, das explizit als Alternative zum Tierschutzunterricht des VGT gedacht war, um Tierschutzorganisationen aus den Schulen zu drängen. Die erste Unterrichtsmappe dieses Projekts las sich noch richtiggehend tierschutzfeindlich. Darin wurde z.B. behauptet, dass man Pelzfarmen nicht unbedingt als Tierquälerei bezeichnen könne, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt in Österreich längst als Tierquälerei verboten waren. Und zu Tiertransporten wurde zwar gesagt, dass sie nicht so angenehm seien, dass man deshalb aber noch lange nicht vegetarisch werden müsse, von vegan ganz zu schweigen. Durch den Umstand, dass sich aber immer mehr Idealist_innen zum Projekt Tierschutz macht Schule gesellten, wurde diese harte Anti-Tierschutz-Linie zunehmend aufgeweicht und heute existieren dieses Projekt und der Tierschutzunterricht des VGT und anderer Organisationen friedlich nebeneinander.

Der VGT hatte von Anfang an ein großes, immer aktuelles Archiv von Fotos und Filmen aus österreichischen Tierfabriken, das in die Unterrichtsmaterialien einfloss. Es wurden erstmals Tierschutzvideos für die Schulen erstellt, die in Bezug auf die Darstellung von Gewalt gegenüber Tieren der altersabhängigen Belastbarkeit angepasst wurden.
Doch 2006 wollte das Unterrichtsministerium den neuen Film des VGT über Schweinefabriken in Österreich mit dem Titel Kein Herz für Lucy nicht mehr approbieren. Als Begründung wurde angegeben, dass in dem Film Begriffe wie Schwangerschaft und Gebären auf Tiere angewandt werden, die nur für Menschen reserviert wären. Das würde die Kinder und Jugendlichen unnötig verwirren. Dank der Schulautonomie war es dennoch möglich, diesen Film in den Schulen zu zeigen, und er wurde zu einem großen Erfolg.
Im Jahr 2008 wurde der Tierschutzunterricht des VGT durch die Tierschutzcausa jäh unterbrochen. Eine Hausdurchsuchung im VGT-Büro am 21. Mai führte zur Beschlagnahme sämtlicher Computer und Filmmaterialien, die erst 10 Monate später nach richterlichem Befehl zurückgegeben wurden. Es stellte sich heraus, dass bereits 2007 eine Sonderkommission die Tierschutztätigkeit des VGT genau unter die Lupe genommen hatte und dabei sogar nicht davor zurückgeschreckt war, Schulkinder im Alter von 7 bis 9 Jahren darüber einzuvernehmen, wie der Tierschutzunterricht abgelaufen ist. Erst im Mai 2011 wurde mit einem kompletten Freispruch aufgrund erwiesener Unschuld durch das Landesgericht Wr. Neustadt diesem Spuk ein Ende gesetzt. Seither ist der Tierschutzunterricht wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Tierschutz im Ethikunterricht

An vielen Schulen wird ein säkularer Ethikunterricht als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht geboten. Die Ethiklehrer_innen, die diese Schulstunden übernehmen, haben eine eigene Ausbildung erfahren. Die Pädagogischen Akademien Österreichs bieten dann jedes Jahr Fortbildungsseminare zu spezifischen Themen. Eines davon ist der Tierschutz.
Zur Ethik im Allgemeinen gehört natürlich auch der Umgang mit den Tieren, die Tierethik. An den Universitäten ist dieses Thema in der Ethik bereits sehr weit entwickelt. Verschiedene Hochschulen bieten sogar Ringvorlesungen oder gar Studienlehrgänge zu Critical Animal Studies oder Human Animal Studies mit entsprechenden Lehrbüchern. Der Obmann des VGT, Martin Balluch, ist ein Vorreiter und Pionier auf diesem Gebiet. Er hat bereits 2004 das Thema Tierethik akademisch etabliert, indem er in seiner Dissertation in Philosophie an der Uni Wien das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte erarbeitet hat. Das qualifiziert ihn auch dazu, z.B. im Rahmen der Ringvorlesung zu Human Animal Studies an der Uni Innsbruck vorzutragen, oder eben auch an den verschiedenen Pädagogischen Akademien solche Ausbildungsseminare zur Fortbildung der Ethiklehrer_innen zu Tieren zu halten.

Akzeptieren

Wir nutzen Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich mit der Nutzung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren