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Qualvolle Kaninchenhaltung

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (09.04.2001)

Laaben, 09.04.2001

Seit Jahrhunderten ist der "Osterhase" als Eierbringer für die Kinder gleichsam ein Symbol für das höchste christliche Fest. Und sein engster Verwandter, das Kaninchen, landet zunehmend als Festtagsbraten auf dem Tisch. Mehrere tausend Tonnen Kaninchenfleisch werden pro Jahr allein in Österreich verspeist, genauere Angaben sucht man im "Grünen Bericht" des Landwirtschaftsministeriums leider vergeblich. Im Unterschied zu anderen "Nutztieren" finden Kaninchen jedoch kaum Beachtung. In diesem Jahr werden vermutlich noch mehr Kaninchen geschlachtet, da viele Konsumenten angesichts der BSE-Krise, Schweinemastskandal und MKS auf Fleisch von Geflügeltieren oder Kaninchen ausweichen.

Unter welchen Bedingungen diese Geschöpfe gehalten werden, wissen allerdings nur wenige: Die Intensivtierhaltung hat auch vor den Kaninchen nicht Halt gemacht: Sie müssen ihr Dasein - ähnlich wie die Legehühner - in unstrukturierten, engen und reizarmen Käfigen meist ohne Einstreu auf Metall- oder Kunststoffrosten ohne Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten fristen. Mastkaninchen bis 3,3 kg Lebendgewicht stehen in der Regel ganze 20 x 40 cm bei einer Käfighöhe von 30-40 cm zur Verfügung. Oft sind es nur 500 qcm. So hocken die Tiere lebenslänglich in den Käfigen, die ihnen nicht einmal art-gemäßes Sitzen erlauben, und das "Männchen machen" und Hoppeln schon gar nicht.

Die Folgen: Entzündungen und Verletzungen an den Hinterpfoten, schmerzhafte Skelettveränderungen, die u.a. zu Knochenbrüchen führen, Krallenverletzungen, Ballengeschwüre, schwere Verdauungsstörungen, hervorgerufen durch nicht artgerechte Fütterung, mangelnder Abrieb der Nagezähne durch pelletiertes Futter, Verhaltensstörungen wie Gitternagen, endloses Kreisen um die eigene Achse, Kannibalismus und Selbstverstümmelungen durch Langeweile. Bis zu 30 % sterben aufgrund der schlechten Haltung und an Infektionskrankheiten!

Im Unterschied zu den kommerziellen Kaninchenmast-Betrieben werden die Tiere bei den privaten Haltern zwar meistens in traditionellen Holzställen gehalten und bekommen oft wenigstens eine Unterlage aus Stroh, doch ansonsten bietet der Holzverschlag nicht mehr als der Drahtgitterkäfig. Auch hier können die Kaninchen ihren ausgesprochenen Bewegungsdrang nicht ausleben und haben keinerlei Möglichkeit zum Rückzug oder zum Graben. Dabei sind sie körperlichen Höchstleistungen ausgesetzt: Bei den Häsinnen sind bis zu 11 Würfe pro Jahr mit je 8-10 Jungen keine Seltenheit. Sogenannte Wurfsynchronisation, herbeigeführt durch hormonelle Behandlung und künstliche Besamung, sind auch in der Kaninchenhaltung längst üblich. Die Säugezeit wird auf drei bis vier Wochen verkürzt. Bereits nach 10-12 Wochen erreichen die jungen Kaninchen ihr Schlachtgewicht.

Kaninchen leiden stumm und können sich ihrer Lage nicht entziehen, sind ihr hilflos ausgeliefert. In freier Wildbahn leben Kaninchen in Gruppen mit enger sozialer Bindung. Das Revier eines Familienverbandes beträgt einige Hundert Quadratmeter. Die Tiere graben ausgedehnte unterirdische Bauten mit weit verzweigten Röhrensystemen. Die geselligen Wesen hoppeln und springen vorwiegend in der Dämmerung und wollen sich verstecken können. All diese Verhaltensweisen sind ihnen in der Mast lebenslang verwehrt. Auch die "Hauskaninchen" haben sich nahezu das gesamte Verhaltensrepertoire ihrer wilden Vorfahren erhalten.

Österreich und die EU haben es bislang nicht für nötig gehalten, bindende gesetzliche Vorschriften zur Kaninchenhaltung zu erlassen. Man darf gespannt sein, wann endlich die verantwortlichen Politiker ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz erlassen, das den millionenfachen Qualen dieser und anderer Mitgeschöpfe ein Ende bereitet. Bis dahin bleibt nur der Appell an die Bevölkerung, sich über die Kaninchenmast zu informieren, kein Kaninchenfleisch und keine Kaninchenfelle zu kaufen.

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