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Kälber auf Langstrecken-Transport blutend und unterversorgt

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (23.06.2023)

Loipersdorf, 23.06.2023

Kälbertransporter in Loipersdorf dokumentiert; VGT appelliert an BM Rauch, Bedingungen für Tiertransporte endlich zu verbessern

Das Bildmaterial, das dem VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN zugespielt wurde, zeigt einen polnischen Kälbertransporter mit litauischen Kälbern, der vergangenen Samstag auf der Raststation Loipersdorf im Burgenland abgestellt war. Der Fahrer transportierte die Kälber laut eigener Aussage von Polen nach Italien. Eventuell waren sie davor bei einer Sammelstelle in Polen, da sich der Transport von Litauen nach Italien kaum in der gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Beförderungszeit von 19 Stunden inklusive einer Stunde Pause ausgeht. Tierschützer:innen verständigten die Polizei, die den Transporter einholte und kontrollierte, nachdem der von der Raststation Loipersdorf weggefahren war.

Blutige Verletzung, Enge, fehlendes Wasser

Eines der Kälber ist auf den Aufnahmen mit einem blutigen Schwanz zu sehen – eine Verletzung, die durch die Enge im Transporter oder auch durch Gewalt beim Verladen entstanden sein kann. Die Bilder zeigen, dass die Deckenhöhe im dreistöckigen Tiertransporter kaum ausreicht, damit die Kälber den Kopf ganz heben können. Besonders schockierend: Laut den Augenzeug:innen waren die Tränken abgedreht! Der Fahrer drehte die Wasserversorgung trotz der Hitze an diesem Tag erst wieder auf, als er die Tierschützer:innen entdeckt hatte. Wie lange die Tiere ohne Wasser waren, kann nicht gesagt werden.

Zur Petition

Altersgerechte Versorgung am Transporter unmöglich

Die Holstein Kälber waren noch sehr jung (vermutlich erst wenige Wochen alt) und dementsprechend noch von der Milch ihrer Mütter abhängig. Technisch ist es aber nicht möglich, Kälber auf einem LKW mit Milch oder zumindest Milchaustauscher zu versorgen. Durch die Tränken fließt meist nur Wasser oder Elektrolyt-Lösung. Allerdings ist die Trinkvorrichtung aus Metall, wie auch bei anderen Kälbertransportern, nicht altersgerecht. Die Jungtiere brauchen Saugnäpfe, um Flüssigkeit aufnehmen zu können.

Das Schicksal der männlichen Milchkälber

Männliche Kälber sind für Milchbetriebe überflüssig, da sie keine Milch geben können. Daher werden sie, wie bereits in zahlreichen Aufdeckungen des VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN veröffentlicht, quer durch Europa zu riesigen Masthallen transportiert. Ihre Zieldestinationen befinden sich vor allem in südlichen Ländern, wie Italien oder Spanien, wo die Mast am billigsten ist. Für einige geht die Tortur nach der Mast sogar noch weiter, nämlich in Drittländern, wie Libanon, Ägypten oder der Türkei, wo sie unheimlich lange Transporte, teils wochenlang auf Schiffen, ertragen müssen und schließlich qualvoll getötet werden.

Laut der EU-Tiertransportverordnung dürfen Kälber ab 3 Wochen Lebenszeit länger als 8 Stunden transportiert werden. Laut dem ehemaligen Amtstierarzt Dr. Rabitsch befinden sich Kälber zwischen 2 und 4 Wochen in einer immunologischen Lücke, in der sie nicht imstande sind, ausreichend Abwehrstoffe zu bilden. Da sie eine physiologische Schwäche aufweisen, dürften sie in diesem jungen Alter gem. Anhang I Kapitel I Ziffer 2 der EU-Tiertransportverordnung gar nicht transportiert werden. Dennoch ist es gängige Praxis, dass Kälber aus ganz Europa über viele Stunden quer über den Kontinent gekarrt werden.

Dringender Appell an die Minister

Im Herbst soll die EU-Tiertransportverordnung reformiert werden. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN fordert Tierschutzminister Rauch und Landwirtschaftsminister Totschnig dazu auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass Transporte von nicht entwöhnten Tieren, wie Kälber, explizit verboten werden und dass die Einhaltung der Gesetze stärker kontrolliert wird. Österreich ist nicht nur verantwortlich für das Schicksal der österreichischen Kälber, sondern auch für das jener Tiere, die in LKWs durch Österreich transportiert werden.

VGT-Campagnerin Isabell Eckl: Das tragische Schicksal tausender Milchkälber, die sogar im Sommer unter den miesesten Bedingungen über weite Strecken transportiert werden, ist einfach unerträglich. Wir fordern ein sofortiges Ende dieser illegalen Praxis, denn jedes Opfer ist eines zu viel. Jede:r Einzelne kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass keine Kälber mehr transportiert werden: Keine Milchprodukte konsumieren und zusätzlich unsere Petition gegen Kälbertransporte unterschreiben!

Pressefotos (Copyright: VGT.at)

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