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Soziale Intelligenz: Von Fischen lernen

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (26.07.2023)

Wien, 26.07.2023

Eine Verhaltensstudie zeigt, dass sich Fische in bestimmten Situationen sozialer und intelligenter verhalten, als Menschen.

Es ist ein bekanntes Katastrophenszenario. Ein mit vielen Menschen gefüllter Raum muss plötzlich geräumt werden, die Menschen müssen schnell raus. Es gibt nur eine Tür, alle gehen oder rennen darauf zu. Die, die zuerst bei der Tür sind, kommen noch unbeschadet durch. Binnen Sekunden wird es allerdings sehr eng, die Menschen drücken sich bei der Tür zusammen, die von hinten kommenden Menschen schieben nach, Angst und Panik brechen aus. Keiner kommt mehr leicht durch die Tür, vereinzelt schaffen es noch einige raus.

Das, was vielen Menschen schon bei der Vorstellung Angstschweiß auf die Stirn treibt, nennt die Wissenschaft sachlich kollektive Bewegungen oder Schwarmverhalten. Ein faszinierendes Phänomen der Natur, bekannt von Vogelschwärmen, Fischschwärmen, Tierherden, Insektenkolonien und natürlich auch vom Menschen.

Lange schon wird Schwarmverhalten erforscht. So wurde bereits herausgefunden, dass Menschen nicht besonders sozial oder intelligent agieren, wenn sie gezwungen sind, durch eine enge Öffnung zu entkommen. Sie verhalten sich wie körniges Material, das zu Verstopfungen führt und die Effizienz der erfolgreichen Evakuierung verringert. Schafe zeigen ein ähnliches Verhalten. Ganz anders machen das Ameisen, die auch in Stresssituationen so reagieren, dass ein Bewegungsfluss bleibt und es zu keinen Verstopfungen kommt.

Ein Team von Biophysiker:innen an der französischen Universität Grenoble Alpes wollte kürzlich wissen, wie sich Fischschwärme verhalten, wenn sie einen normalen Raum durch eine enge Öffnung verlassen müssen. Bislang war über das Verhalten von Fischen in einer solchen Situation nichts bekannt.

Mitte Juli 2023 wurden die Ergebnisse der Studie1 nun bekannt, die interessanten Erkenntnisse im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht: Fischschwärme zeigen, dass durch die Einhaltung sozialer Regeln eine Menge von Individuen selbst in einer Notsituation ohne Verstopfung evakuiert werden kann. Die Studienautor:innen weiter: Wir zeigen, dass bei dieser Art von Fischen die sozialen Regeln immer zu dominieren scheinen, insbesondere im Vergleich zu Schafen oder Menschen, die unter hohem Druck dazu neigen, soziale Regeln zu vergessen.

Untersuchungsfische waren Neonsalmler (Paracheirodon innesi), eine beliebte Süßwasser-Zierfischart, deren natürlicher Lebensraum im oberen Amazonasbecken liegt. Ein Neonsalmler wird 3,5 bis 4 cm lang, er zeigt ausgeprägtes Schwarmverhalten.

Die Schlussfolgerungen aus der Studie können vor allem für Menschen nützlich sein, wie die Wissenschaftler:innen abschließend schreiben: Letztendlich könnte das Lernen aus dem Verhalten der Fische dazu beitragen, die Prävention von Massenpaniken zu verbessern, die immer wieder zu Todesfällen in der ganzen Welt führen.

Anmerkung: Bei der hier vorgestellten wissenschaftlichen Studie wurden 80 Fische verwendet. Die Versuchsprotokolle wurden von der Ethikkommission der Universität Grenoble Alpes genehmigt. Sie bestanden aus Verhaltensbeobachtungen und blieben unter der Kategorie leicht der Schweregradklassifizierung von Verfahren, wie in Abschnitt I der Richtlinie 2010/63/EU des Europäischen Parlaments und des Rates zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere definiert.

Der VGT lehnt Tierversuche ab, auch solche, die in der erwähnten Studie durchgeführt wurden. Die Erkenntnisse und Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Forschungen rechtfertigen die Versuche an den Fischen nicht. Die Forschungen werden in diesem Text nur deshalb erwähnt, um die naturwissenschaftlichen Beweise für sozial intelligentes Verhalten von Fischen darzustellen.

Quelle

  1. Renaud Larrieu, Philippe Moreau, Christian Graff, Philippe Peyla & Aurélie Dupont: Fish evacuate smoothly respecting a social bubble, Scienticic reports 13, Article number: 10414, veröffentlicht am 20. Juli 2023.

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