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3 Stunden "Kritische Fragen an die Jagd" in Graz

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (10.03.2014)

Graz, 10.03.2014

Mutiger Jäger stellt sich "Tierschutzmeute": Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätze, konnten in konstruktivem Dialog herausgearbeitet werden

Mutiger Jäger stellt sich "Tierschutzmeute": Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätze, konnten in konstruktivem Dialog herausgearbeitet werden

Er ist Jäger, stammt aus einer Familie mit Jagdtradition und hat ein Hochgebirgsrevier in Salzburg. Und er ist mutig, im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zunft: am 7. März 2014 stellte sich Florian Gartler den Fragen von ca. 70 TierschützerInnen in einem Hörsaal des Afroasiatischen Instituts der Uni Graz. Dabei zeigten sich einige Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten, auf denen vielleicht für die Zukunft aufgebaut werden könnte. An der Diskussion beteiligte sich auch die steirische Tierschutzombudsfrau Dr. Barbara Fiala-Köck, die ebenfalls Jägerin ist.

Gartler sieht Fansanerien und Enterien, die Gatterjagd und Treibjagden kritisch. Auch mit der Jagdhundedressur mittels Elektroschocker, wie es viele seiner KollegInnen propagieren und gar für notwendig erachten, ist er nicht einverstanden. Und wenn es nach ihm ginge, könnte auch jener Zeitraum, in dem jagdbare Paarhufer nicht gefüttert werden dürfen, ausgedehnt werden. Das alles sind Bereiche, in denen gemeinsam mit dem Tierschutz eine Reform des Jagdgesetzes angestrebt werden könnte.

Andererseits hat Gartler kürzlich einen Auerhahn geschossen, obwohl diese sehr selten sind. Seiner Ansicht nach müsse man den Abschuss von ca. 400 dieser Tiere pro Jahr in Kauf nehmen, weil sich die JägerInnen im Gegenzug dafür einsetzen, dessen Lebensraum zu verbessern. Ein ähnliches Argument wird oft auch - allerdings nicht von Gartler - für die Jagd auf Elefanten und Löwen in Afrika gebracht: die Jagdeinnahmen gingen in den Artenschutz. Aber muss man Menschen wirklich erst die Möglichkeit bieten, Tiere zu erschießen, damit die Gesellschaft diesen Tieren einen Wert beimisst und darin investiert, sie zu schützen?

Bei der Fütterung von Hirsch und Reh gingen die Ansichten auseinander. Einig war man sich, das Beste für die betroffenen Tierarten zu wollen. Doch für Gartler und die Jägerschaft bedeutet das Winterfütterung und damit viel höhere Wilddichten, als laut Förster (wie z.B. Georg Meister, siehe das Buch "Tatort Wald") der Mischwald vertragen kann. Im Kanton Genf in der Schweiz geht es anders. In einem Filmbeitrag wurde gezeigt, dass dort nur auf Wildschweine und da nur im Ausnahmefall, wenn es zu einer landwirschaftlichen Schädigung kommt und alle anderen Maßnahmen nicht gefruchtet haben, geschossen wird. Seit 40 Jahren wird nicht mehr gefüttert und sonst überhaupt nicht mehr gejagt. Die Wildpopulationen seien naturnah und waldverträglich - und keinesfalls scheu. Gartler meinte dazu, dass der Ausgangspunkt in Genf ein anderer gewesen sei und es daher nicht möglich wäre, die dortigen Erfahrungen in Österreich umzusetzen. Vor 40 Jahren habe es nämlich in Genf praktisch keine Hirsche und Rehe mehr gegeben, im Gegensatz zu Österreich, wo diese Tierarten heute häufiger vorkommen, als jemals zuvor. Seltsam, dass genau jene Tierarten, die am meisten bejagt werden, am häufigsten vorkommen. Als Bestandsreduktion ist die Jagd offensichtlich nicht effektiv!

Ein erster Schritt in Richtung Dialog zwischen Jägerschaft und Tierschutz ist jedenfalls gesetzt!

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