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Tierschutz-Ministerium toleriert illegale Tiertransporte

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.11.2016)

Wien, 28.11.2016

In der heutigen Pressekonferenz präsentierte der VGT verdeckt aufgenommene Videos vom brutalen Umgang mit Kälbern: zahlreiche Anzeigen

TierschützerInnen filmten heimlich Verladungen von Milchkälbern in der Steiermark. Die dem VGT zugespielten Aufnahmen zeigen den brutalen Umgang mit diesen Tierkindern. Die zahlreich auf den Filmen dokumentierten Gesetzesübertretungen wurden vom VGT zur Anzeige gebracht.

Darüber hinaus enthüllten die Nachforschungen in diesem Fall aber einen viel größeren Skandal: Bereits 2009 informierte die EU-Kommission die Mitgliedsländer und damit auch Österreich, dass die Tränksysteme in den Transportern nicht zur Versorgung von Kälbern geeignet sind. Für Kälber sei daher laut EU-Recht unter diesen Bedingungen nur eine maximale Transportdauer von 8 Stunden zulässig. Trotz dieser rechtlichen Situation und trotzdem nach wie vor keine geeigneten Tränksysteme existieren, rollen Kälber-Ferntransporte mit über 8 Stunden Transportdauer illegal durch Österreich, ohne dass das Tierschutzministerium Maßnahmen setzen würde, um hier rechtsstaatliche Zustände herzustellen.

Verdeckte Aufnahmen zeigen Gesetzesübertretungen

Im Herbst 2016 gelang es TierschützerInnen, Kameras an einem Tiertransporter zu montieren, der auf einer Route durch die Steiermark an verschiedenen Sammelplätzen und Milchbetrieben Kälber abholte. Die Aufnahmen zeigen brutal durchgeführte Verladungen. Es ist offensichtlich gängige Praxis, die Tiere am Kopf oder den Ohren zu ziehen und ihnen den Schwanz schmerzhaft zu verdrehen. Beides Maßnahmen, die explizit tierschutzrechtlich verboten sind. Darüber hinaus sind auch Tritte und Schläge auf den Aufnahmen dokumentiert. Auffallenderweise vor allem in Bereichen, die von außen uneinsichtig sind.

Nach der Sichtung des Materials hat der VGT die unzähligen Gesetzesübertretungen zur Anzeige gebracht.

David Richter, Kampagnenleiter des VGT, kommentiert: Für die jungen Kälber ist der Transport besonders belastend. Sie wurden zuvor von ihren Müttern getrennt und rufen ständig nach ihnen, weil sie alleine Angst haben. Doch Zeit ist Geld und so werden sie auf brutale Weise gestoßen, getreten und es wird ihnen der Schwanz verdreht, nur damit sie schneller gehen. 80.000 Kälber werden jedes Jahr so unwürdig behandelt. Das ist eine Schande für das Milch-Land Österreich!

Illegale Kälber Ferntransporte

Die aus der Steiermark und Kärnten zusammengesammelten Kälber werden zu einem Transportunternehmen in Farrach (Steiermark) gebracht. Von dort werden sie alle zwei Wochen in einem Sattelschlepper in einer über 12,5 Stunden dauernden Fahrt nach Bozen in Südtirol verfrachtet. Von Bozen aus werden Kälber sowohl in Italien verteilt als auch nach Spanien transportiert (20 Stunden Transportdauer).

Wie sich nun herausstellte, sind derartige Fern-Transporte von Kälbern unter zwei Monaten illegal. Kälber sind nämlich in diesem Alter noch auf Milch angewiesen. Die Tränksysteme auf den Transportern können sie nicht nutzen. Daher sieht die EU-Verordnung vor, dass die Transportdauer auf 8 Stunden beschränkt sein muss.

Bereits im Jahr 2009 hat die EU-Kommission alle Mitgliedsländer in dieser Angelegenheit angeschrieben und über die Gesetzeslage informiert. Die Niederlande haben 2015 die Konsequenzen gezogen und begonnen, Kälber-Ferntransporte zu untersagen. Und das, obwohl die Niederlande der siebt-größte Milchproduzent Europas sind. Für 2017 haben sie noch eine weitere Verschärfung der Kontrollen in diesem Bereich angekündigt, sowohl den Import als auch den Export betreffend.

Österreich hingegen lässt die Kälber im Stich und toleriert die illegalen Transporte. David Richter dazu: Es ist unfassbar, dass das Tierschutz-Ministerium von diesen Gesetzesbrüchen weiß, aber nichts unternimmt. Die Geschäftemacherei wird hier vom Ministerium offenbar sogar höher gewertet als die Rechtsstaatlichkeit. Und über das Leid wehrloser Tierkinder wird sowieso einfach hinweggegangen. Österreich muss sich hier endlich besinnen und sich ein Beispiel an den Niederlanden nehmen: Schluss mit den illegalen Kälbertransporten durch Österreich!

Hintergrundinformation

Wie vom VGT bereits im Jahr 2014 aufgezeigt, werden pro Jahr 80.000 Milchkälber aus Österreich nach Italien und Spanien exportiert. Hintergrund dieses regen Tierhandels ist, dass Milchkühe einmal pro Jahr ein Kalb gebären müssen, um den Milchfluss aufrecht zu erhalten. Insbesondere die männlichen Kälber, die auf diese Weise als Abfall der Milchproduktion entstehen, sind wirtschaftlich uninteressant. Als Mastrinder taugen sie nicht, da sie als Milchrasse-Kälber zu langsam Fleisch ansetzen. Diese Tierkinder werden daher ihren Müttern entrissen und in einem Alter von wenigen Tagen an Transportunternehmen abgegeben, die sie ins Ausland verfrachten.

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