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Wölfe – Dichtung und Wahrheit

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.06.2018)

Wien, 28.06.2018

Wolfsexpertin Elli H. Radinger fesselte am Mittwoch, dem 27. Juni 2018 im Wiener SkyDome etwa 140 Personen mit spannenden Berichten und Einsichten aus ihrer dreißigjährigen Erfahhrung mit wilden Wölfen.

Im bis zum letzen Platz gefüllten Vortragssaal des SkyDomes, lauschte ein interessiertes Publikum den Ausführungen der Wolfsexpertin, wobei sie aus ihrer Erfahrung im persönlichen Umgang mit wilden Wölfen schöpfen konnte und mit vielen Mythen und Unwahrheiten aufräumte, die nur allzu gerne von jenen verbreitet werden, die sich ein Europa ohne Wolf wünschen. Doch eine friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Wolf ist nicht nur möglich, sondern sollte im Sinne des Arten- und Naturschutzes auch gewünscht sein.

Alles begann, so Elli H. Radinger, mit einem Wolfskuss, der sie mit der Liebe zu diesen ganz besonders interessanten Tieren, infizierte. Es war auch der Moment, in dem sie ihre Privatkanzlei als Rechtsanwältin an den Nagel hängte, um ihr Leben der Begegnung mit dem Vorfahren unseres Haushundes zu widmen, der in einem starken Familienverband, dem Wolfsrudel lebt, das im Allgemeinen aus einem Elternpaar und deren Nachwuchs aus zwei Jahren, sowie eventuell Onkel und Tanten, besteht. Drei wesentliche Grundlagen halten das Rudel zusammen: Die Konzentration auf das Wesentliche, die permanente Kommunikation und eine starke Führung. Bei der Konzentration auf das Wesentliche geht es darum, dass jedes Rudelmitglied seine Stärken kennt und sie einsetzt. Die permanente Kommunikation umfasst auch Rituale, die die Gruppe stärkt und zusammenhält. Gemeinsam kümmert man sich um den Nachwuchs, zeigt ihnen alles, was ein Wolf in freier Wildbahn zum Überleben benötigt und setzt ihnen Grenzen. Die starke Führung erweist sich in hoher sozialer Kompetenz und einem umfassenden Harmoniebedürfnis, wobei die Führung individuell, situationsbedingt wechseln kann und vor allem in Momenten der Krise zum Tragen kommt. Jeder steht an dem Platz, an dem er gebraucht wird. Dabei kümmern sie sich aufopferungsvoll um alte und kranke Rudelmitglieder, bringen ihnen zu essen und sichern so ihr Überleben. Will man wissen, wie soziales Miteinander funktionieren kann, tut man gut daran sich an einem Wolfsrudel zu orientieren.

Doch die Menschen haben Angst vor dem Wolf. Auch wenn diese Angst letztlich unbegründet ist, denn – lt. Fr. Radinger - es gab in den letzten 70 Jahren nur vier Menschen, die von Wölfen getötet wurden. Weit mehr Menschen kommen bei Angriffen von Kühen oder durch verschluckte Kugelschreiberminen um, was uns jedoch nicht davon abhält uns vor Kühen nicht zu fürchten, schon gar nicht vor Kugelschreiberminen. Einer der Gründe dafür ist die Unkenntnis, denn man fürchtet, was man nicht kennt. Immer weiter rückt der moderne Mensch von der Natur ab, als dass er sich eine ungezwungene Begegnung mit einem Wolf vorstellen könnte. Gerne wird er als das blutrünstige Monster dargestellt, das im Blutrausch ganze Schafherden tötet. Auch das kommt vor, doch nur, wenn der Wolf in einen Schafstall eindringt und ein Beutetier nach dem anderen an seiner Nase vorbeilaufen sieht. Zumeist werden einzelne Tiere getötet. Es kommt vor, und es wäre eine zu romantisierende Sicht der Dinge, würde man von einem Raubtier verlangen, er solle eine Beute gehen lassen, die ihm quasi am Silbertablett serviert wird. Dabei ist es relativ leicht Herden vor dem Wolf zu schützen, durch elektrische Weidezäune, Schäfer_innen und Herdenschutzhunde, denn wer seine Tiere liebt, der schützt sie. Menschen haben Wölfe normalerweise nicht zu fürchten, denn der Mensch fällt nicht in sein Beuteschema, das die Jungwölfe von ihrer Mutter gelehrt bekommen. Wer einem Wolf begegnet, sollte ruhig und selbstbewusst auftreten und ihn durch lauten Zuruf und Klatschen vertreiben. Der Hauptanteil der Nahrung besteht aus Hirschen, Rehen und Wildschweinen, zu etwa 95 Prozent, während nur 0,8 Prozent des Nahrungsanteils Nutztiere ausmachen. Damit trägt der Wolf wesentlich dazu bei, dass die Überpopulation an Rehen und Hirschen, worüber die Jägerschaft so gerne Klage führt, eingedämmt wird. Ebenso verhält es sich mit dem Schwarzwild, da der Wolf gerne Frischlinge reißt. Eigentlich sollten die Jäger_innen, die sich als Heger_innen und Hüter_innender Natur verstehen, die Rückkehr des Wolfes begrüßen. Stattdessen wird er, wo auch immer möglich, bekämpft. Noch steht der Wolf in ganz Europa unter strengstem Artenschutz, so dass er nicht bejagt werden darf. Je mehr Wölfe in unseren Wäldern wieder heimisch werden, je mehr die Menschen über Wölfe wissen und die Möglichkeit auf eine Begegnung haben, desto größer kann die Akzeptanz sein. Denn nur, was man kennt, kann man schützen. Das ist, was Elli H. Radinger vermitteln möchte. Ihre persönliche Begeisterung macht sie unumstritten zur einer der wichtigsten Botschafter_innen des Wolfes im deutschsprachen Raum. Es lohnt sich ihr Buch zu lesen und den Weg mit ihr mitzugehen.

Wir danken der Autorin Daniela Noitz fürs Verfassen dieses Berichts.

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