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Wien, am 11.12.2018

Tierpelz oder Kunstpelz?

Pelzkrägen und Bommeln an Hauben oder als Accessoires sind beliebt wie nie. Mit diesen Tipps findet ihr heraus, ob es sich um "echten" Tier- oder Kunstpelz handelt!

Die letzte österreichische Pelzfarm hat 1998 geschlossen. Dennoch findet man heute massenhaft Tierpelz in den Geschäften. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass sie Tierpelz kaufen und oft ist er auch nicht einmal richtig deklariert. Anhand zahlreicher Unterscheidungsmerkmale kann man aber oft herausfinden, ob der Pelz von einem Tier stammt.

Ferndiagnose

Tierpelz kann man oft schon aus einiger Entfernung erkennen. Echte Haare bewegen sich mit dem/der Träger_in mit, wippen also beim Gehen leicht auf und ab. Kunstpelz sieht eher etwas starrer aus. Auch kann man auf den Pelz daraufpusten, um die Bewegung der Haare zu sehen. Dies funktioniert eher bei Bommeln oder Krägen mit längeren Haaren, die nicht zu sehr bearbeitet wurden.

FernerkennungLinks sieht man einen Bommel aus Tierpelz. Die Haare sehen natürlicher aus, sind nicht alle gleich lang oder gleich gefärbt, außerdem kann man die Unterwolle erkennen. Man sieht, dass die Haare leicht aussehen und sich im Wind oder bei Bewegung natürlich mitbewegen würden. Beim Kunstpelz-Bommel auf der rechten Seite sieht man einen plastikartigen Glanz, die Haare sehen zu gleichmäßig aus und würden sich bei Bewegung kaum mitbewegen.

Den Pelz scheiteln

Ein ganz einfacher Trick ist es, die Haare so weit auseinander zu ziehen, dass man dazwischen eine Art Scheitel sehen kann. Sieht der Scheitel aus wie Leder, aus dem die Haare heraus wachsen und hat vielleicht auch noch Poren, handelt es sich um Tierpelz, der samt der Haut verarbeitet und gegerbt wurde. Findet man stattdessen ein Stoffnetz, in das die Haare eingewebt wurden, handelt es sich um Kunstpelz, der deswegen auch Webpelz genannt wird.

Scheitel von Tierpelz Scheitel von KunstpelzZieht man die Haare auseinander, bis sich ein Scheitel bildet, kann man beim Tierpelz (linkes Bild) das Leder samt Poren sehen, aus dem die Haare gewachsen sind. Bei Kunstpelz (rechtes Bild) befindet sich anstelle des Leders einfach ein Gewebe unter den Haaren, in welches diese eingearbeitet wurden.

Unterwolle

Wenn man Tierpelz genau anschaut, kann man oft die Unterwolle erkennen. Sie dient den Tieren als zusätzliche Wärmedämmung. Es handelt sich dabei um kürzere, meist gekräuselt aussehende, viel dichtere Haare unter einem längeren, lockeren Deckfell.

UnterwolleUnter den Haaren des Tierpelzes (rechts) ist die Unterwolle klar zu erkennen. Es handelt sich dabei um kürzere, flauschiger aussehende, gekräuselte Haare, die dem Tier Wärme gespendet haben.

Beschaffenheit der Haare

Während die Haare von Kunstpelz stumpfe, abgeplattete Enden aufweisen und alle gleich lang sind, hat Tierpelz eine ganz andere Beschaffenheit. Die Haare von Tieren sind glänzend und zum Ende hin spitz zulaufend. Außerdem sind sie unterschiedlich lang, immer wieder kann an einer Stelle ein viel längeres Haar aus der Masse hervorstechen. Auch vereinzelte weiße oder andersfarbige Haare kommen in Tierpelzen vor. Üblich ist es auch, dass einzelne Haare verschiedene Farben haben, also einen Farbverlauf aufweisen, das ist z.B. gut vergleichbar mit den Haaren getigerter Katzen.

Spitzen HaarlängeSieht man sich die Spitzen der Haare genauer an (linkes Bild), lässt sich ein deutlicher Unterschied erkennen. Die Haare des Kunstpelzes (links) haben sehr gerade, abgeplattete Enden, jene des Tierpelzes (rechts) laufen zum Ende hin spitz zusammen. Am rechten Bild sieht man, dass in Tierpelz die Haare nicht immer gleich lang sind, einzelne Haare stehen länger aus der Masse hervor.

Feuerprobe

Wenn man Haare eines Tierpelzes anzündet, riecht es ganz charakteristisch nach verbrannten Haaren. Zur Gegenprobe kann man sich eigene Haare auszupfen und auch diese anzünden. Bei Kunstpelz wird man den Geruch von verbranntem Plastik wahrnehmen, er kräuselt sich beim Verbrennen. Beim Umgang mit Feuer bitte immer vorsichtig sein und Wasser in der Nähe behalten; niemals Haare anzünden, ohne sie vorher auszureißen.

Nadelprobe

Sticht man mit einer Nadel in Kunstpelz, gleitet diese ganz leicht durch den Stoff hindurch. Sticht man allerdings in Tierpelz, spürt man einen leichten Widerstand, da die Nadel auf das widerstandsfähige Leder stößt, dass sich unter den Haaren befindet. Diese Methode kann eventuell bei Pelzbommeln oder -krägen, bei denen das Leder entfernt wurde, weniger gut funktionieren. Bitte niemals mit Nadeln in Kleidungsstücke stechen, die gerade von Personen getragen werden.

Gewicht

Bei Pelzmänteln kann man außerdem eine Gewichtsprobe durchführen. Mäntel aus Kunstpelz haben ein viel geringeres Gewicht, jene aus Tierpelz fühlen sich ungewöhnlich schwer an, weil neben den Haaren auch das schwerere Leder, aus dem die Haare wachsen, mitverarbeitet wurde.

Vorsicht bei falscher Kennzeichnung!

Eine der offensichtlichsten Methoden, um Tierpelz im Geschäft zu erkennen, ist die Deklaration, sollte man meinen. Laut EU-Verordnung sind alle Kleidungsstücke mit Pelzbesatz mit dem Hinweis "Enthält nicht textile Teile tierischen Ursprungs" zu kennzeichnen. Abgesehen davon, dass dieser Satz nicht sehr klar ist, kann er sich sowohl auf Pelz als auch auf Leder beziehen. Oft fehlt sogar diese, eigentlich vorgeschriebene Kennzeichnung. Teilweise werden statt der tatsächlichen Tierart Fantasienamen angegeben, um die Herkunft zu verschleiern. "Finnracoon" steht etwa für Marderhunde, eine Wildhundeart, die besonders in chinesischen Pelzfarmen häufig vorkommt. Immer wieder werden dem VGT Fälle von falscher, mangelhafter oder fehlender Kennzeichnung zugetragen.

Keine Unterscheidungsmerkmale

Unnatürliche Farben, wie etwa neon-grün oder -gelb, sind kein eindeutiger Hinweis darauf, ob es sich um Kunstpelz handelt. Tierpelz kann, genauso wie menschliches Haar, in jede beliebige Farbe eingefärbt werden. Auch der günstige Preis ist kein gutes Unterscheidungsmerkmal. Tierpelz ist oft billiger als Kunstpelz, weil das aufwendige Webverfahren zur Herstellung von Kunstpelz höhere Kosten verursacht. No-Name-Hauben mit Tierpelzbommel sind oft schon für wenige Euro erhältlich.

Anhand dieser vielen Merkmale kann man in den meisten Situationen Tierpelz und Kunstpelz unterscheiden. Solltet ihr euch dennoch mal unsicher sein, ob es sich bei einem Kleidungsstück um Tierpelz handelt, schickt uns gerne ein Foto davon per E-Mail an pelz[ät]vgt[punkt]at. Unsere Expert_innen helfen euch gerne weiter! Bitte schreibt uns ebenfalls, falls ihr einmal einen nicht oder falsch deklarierten Tierpelz in einem Geschäft oder auf einem Markt entdeckt! Wenn ihr euch unsicher seid, ist es im Zweifel immer besser, das Kleidungsstück nicht zu kaufen.

Generell finden wir allerdings: Pelz ist out! Auch Kunstpelz trägt dazu bei, dass Pelzkrägen und Bommel wieder in Mode kommen und sich die "echten" Bommel unter den "falschen" besser verstecken können. Viele Menschen wissen dabei nicht, ob sie Tierpelz tragen oder es ist ihnen sogar egal. Daher wäre es besser, wenn diese Art der Kleidung aus der Mode käme. Denn Tierpelz bedeutet großes Leid für Millionen von Tieren. Lasst uns gemeinsam für eine bessere Zukunft für diese Tiere kämpfen!

Unter vgt.at/pelzfrei findet ihr unsere Pelzfreiliste, eine Zusammenstellung von Marken und Geschäften, bei denen ihr guten Gewissens einkaufen könnt!

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