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Wien, am 20.02.2019

Bodenhaltung – schlimmer als gedacht

Viele Menschen kaufen Eier aus Bodenhaltung in der Annahme, dass die Tiere dabei ein halbwegs schönes Leben geführt haben. Während diese Haltungsform zwar besser ist als die Käfighaltung, gibt es doch auch viele Kritikpunkte.

66 % der österreichischen Legehennen leben in Bodenhaltung9. Da die meisten heimischen Supermärkte keine Eier aus Käfighaltung verkaufen, handelt es sich dabei also meist um die schlechteste Haltungsform, aus der man die Eier kaufen kann. Dennoch hält sich der Glaube, wer Eier aus Bodenhaltung kauft, täte etwas für den Tierschutz. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN klärt auf, wie diese Haltungsform in der Praxis aussieht.

Wie sieht eine Bodenhaltung aus?

In vielen Bodenhaltungen gibt es sogenannte Volieren, eine Art offener Käfig, der es erlaubt, die Tiere auf mehreren Ebenen übereinander anzuordnen, womit auch mehr Tiere auf weniger Platz passen. Das bedeutet aber auch, dass die Tiere auch in dieser Haltungsform oft in Käfigen sitzen, aus denen es meist nur in der untersten Ebene einen Ausgang zum Boden gibt. Oftmals ist ihnen der Weg dorthin durch Artgenossinnen versperrt und durch die Fütterung im Bereich der Käfige werden sie dazu angehalten, oben zu bleiben.

Laut Gesetz müssen Geflügel bei einer Helligkeit von mindestens 20 Lux gehalten werden10. Das entspricht ungefähr einer Straße mit Straßenbeleuchtung bei Nacht, ist also nicht besonders hell. Viele Legehennen in Bodenhaltung sehen niemals Tageslicht, geschweige denn die Sonne, was zu vielen gesundheitlichen Problemen führt.

Wie geht es den Hennen?

Das Haltungssystem hat eine Auswirkung auf die Knochendichte der Tiere6. Je weniger Bewegungsfreiheit die Hennen haben, umso eher erleiden sie im Laufe ihres Lebens Knochenbrüche2,3,5,7,8. Studien haben gezeigt, dass die Tiere am wenigsten Probleme mit den Knochen bekommen, wenn es ihnen in der Haltung möglich ist, aufzufliegen, was in der Bodenhaltung durch den Platzmangel und die Verwendung von Volieren meist nicht möglich ist2,5.

Durch den Mangel an natürlichem Licht bei Bodenhaltungssystemen können die Hennen weniger Vitamin D erzeugen und sind daher auf eine Zufütterung angewiesen. Ein Mangel an Vitamin D kann zu Krankheiten wie Osteoporose führen, was wiederum die Gefahr für Knochenbrüche erhöht4. Außerdem haben die Tiere eine höhere Flackerfusionsfrequenz als der Mensch, das heißt sie sehen mehr Bilder pro Sekunde. Das heißt, dass normales elektrisches Licht von Hennen oft als flackernd wahrgenommen wird, was die Tiere nervös macht und ihr Verhalten negativ beeinflusst.11

Insgesamt liegt die Mortalität bei Legenhennen in Bodenhaltung bei etwa 11,8 %1. Ein sogenannter „Ausfall“, bei dem die Tiere aus verschiedenen Gründen schon während der Legeperiode sterben (z.B. Knochenbrüche, Infektionen) und der von den Halter_innen einberechnet wird. Nach etwa einem Jahr werden die Tiere geschlachtet, weil ihre Legeleistung abnimmt.

Wie natürlich ist ein Ei?

Hühner sind Allesfresser. In der Natur ernähren sich Hühner zum Beispiel von Samen, Blüten, Knospen, Gras oder Wurzeln. Auch kleine wirbellose Tiere stehen auf ihrem Speiseplan. Da sie sich in der Bodenhaltung kein eigenes Futter suchen können, sind sie auf die Futtermittel, die ihnen angeboten werden, angewiesen. Damit sie ausreichend Eier produzieren können, werden ihnen durch die Fütterung sehr viele Vitamine und Mineralstoffe zugeführt, welche die Futtermittel nicht auf natürlichem Wege enthalten. Unter anderem sind synthetische Aminosäuren (z.B. Methionin, Lysin) im Futter, für deren Herstellung es verschiedene chemische Methoden gibt. Die Vitamine A, D und E, sowie Phospor, Natrium, Eisen, Jod, Kupfer, Mangan, Zink und Selen können dem Tierfutter beigemengt sein. Auch Kalk, meist in Form von Muschelgrit, muss den Tieren über die Fütterung zugeführt werden, da sie für die Produktion der Eierschale täglich etwa 6 g Kalzium benötigen1.

Alternativen

Auch wenn Freilandhaltung und Biobetriebe den Tieren ein besseres Leben bieten, werden die Tiere auch dort eingesperrt und gegen ihren Willen ausgenutzt. Die Tiere werden dazu gezüchtet, möglichst viele Eier zu produzieren, was ihren Körper nach kurzer Zeit auslaugt. Sobald sie nicht mehr genügend Eier legen, werden die Hennen auch in diesen Haltungsformen geschlachtet. Um den Tieren dieses Leid zu ersparen, kann man Eier auch einfach durch pflanzliche Lebensmittel ersetzen. Unter vgt.at/eialternativen finden sich zahlreiche Möglichkeiten, um auch ganz ohne den Einsatz von Eiern die gewünschten Ergebnisse beim Kochen und Backen zu erzielen.

Quellen:

1 Brade, W.; Flachowsky, G.; Schrader, L. (2008): Legehuhnzucht und Eiererzeugung: Empfehlungen für die Praxis, Landbauforschung, Sonderheft 322:85. Johann Heinrich von Thünen-Institut, Deutschland.

2 Fleming, R. H.; Whitehead, C. C.; Alvey, D. M.; Gregory, N. G.; Wilkins, L. J. (1994): Bone Structure and strength in laying hens housed in different husbandry systems. Proceedings 9th European Poultry Conference. Vol. 1:284-185. Glasgow, UK.

3 Gregory N. G.; Wilkins, L. J.; Kestin, S. C., Belyavin, C. G.; Alvey, D. M. (1991): Effect of husbandry system on broken bones and bone strength in hens. Vet. Rec. 128:397-399.

4 IOF: International Osteoporosis Foundation. Online unter: https://www.iofbonehealth.org/osteoporosis-musculoskeletal-disorders/osteoporosis/prevention/vitamin-d

5 Knowles, T. G.; Broom, D. M. (1990): Limb bone strength and movement in laying hens from different husbandry systems. Vet. Rec. 126:354-356.

6 Knowles, T. G.; Broom, Gregory, N. G.; Wilkons, L. J. (1993): Effect of bone strength on the frequency of broken bones in hens. Res. Vet. Sci. 54:15-19.

7 Norgaard-Nielson, G. (1990): Bone strength of laying hens kept in alternative system compared with hens in cages and on deep litter. Br. Poult. Sci. 31:81-89.

8 Van Niekerk, T. G. C. M.; Reuvekamp B. F. J. (1994): Husbandry factors and bone strength in laying hens. Proceedings 9th European Poultry Conference. Vol. 2:133-136. Glasgow, UK.

9 Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft. Daten & Fakten: Legelinie – Junghennen/Legehennen. Online unter: http://www.zag-online.at/presse/daten-fakten (05. Februar 2019).

10 1THVO: Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen, über die Mindestanforderung für die Haltung von Pferden und Pferdeartigen, Schweinen, Rindern, Schafen, Ziegen, Schalenwild, Lamas, Kaninchen, Hausgeflügel, Straßen und Nutzfischen (1. Tierhaltungsverordnung). Online unter: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003820 (5. Februar 2019).

11 Szölyényi, W.; Korbel, R. (2000): Wie Hühner sehen. Freiland-Journal 4/00, 6-8.

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