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Österreich/Cartagena/Welt, am 05.10.2022

Rinder-Export übers Meer - VGT zeigt Tiere an den Häfen

Der Weg österreichischer Milchkälber führt nach der Mast oft weiter per Schiff in den Nahen Osten. Ihr Schicksal sollte verborgen bleiben - der VGT deckt nun die Zustände bei der Verladung in Spanien auf.

Cartagena, Spanien: Hier werden jedes Jahr tausende Rinder aus ganz Europa - auch aus Österreich - nach der Mast in Spanien auf Tiertransportschiffe verladen, die sie zur Schlachtung  in den Libanon, nach Israel oder in die Türkei bringen. Länder, in denen keine Tierschutzgesetze existieren, die sie noch schützen könnten.

Das Schicksal dreier Jungbullen, die ihren minutenlangen Todeskampf bei vollem Bewusstsein erleiden mussten, hat der VGT 2020 eindrücklich gezeigt. Der Transport übers Meer bedeutet für die Tiere eine enorme Quälerei: Sie sind mehrere Tage bis Wochen unterwegs auf völlig maroden Schiffen. Unter dröhnendem Lärm der Schiffsmotoren und in stickiger Hitze stehen und liegen sie in ihren Fäkalien. Stirbt ein Tier unter Deck, wird es nicht selten vor den Augen seiner Artgenoss:innen zersägt und ins Meer geworfen. Zahlreiche Skandale der letzten Jahre zeigen das enorme Gefahrenpotential dieser Transporte für Tiere, Besatzung und Umwelt. Allein in den letzten beiden Jahren hat der VGT von zahlreichen dramatischen Unfällen von Tiertransportschiffen am Mittelmeer berichtet.

Tiertransporte über das Meer sind zeitlich unbegrenzt, werden quasi nicht kontrolliert und die maroden Schiffe wurden oft ausrangiert und umgerüstet. Tiere sind keine Waren, die wochen- und monatelang in engen Frachtschiffen transportiert werden können. Die Tiere leiden unweigerlich immense Qualen. Die Skandale der letzten Jahre zeigen deutlich, wie marod nicht nur diese Schiffe, sondern die gesamte Milchindustrie ist, die kleine Kälber wie Abfall entsorgt. Europa muss sich als exportierendes Land dieser Verantwortung stellen und diese Transporte sofort und endgültig stoppen!, fordert VGT-Campaignerin Ann-Kathrin Freude.

 

Petition: transportestoppen.at

 

AUS DEN AUGEN, AUS DEM SINN - VON DER MAST IN DEN SCHIFFSBAUCH


Der Hafen ist für außenstehende Personen nicht zugänglich - wahrscheinlich nicht ohne Grund. Die Verladungsvorgänge sind alles andere als angenehm für die Tiere. Sie müssen das Treiben mit harten Stöcken und Elektroschocks, teilweise sogar ins Gesicht, aushalten. Die steilen Rampen zu den Schiffen rutschen sie immer wieder herunter und scheuen vor der Dunkelheit im Schiff zurück.

Das Beladen dauert mehrere Tage. In der Zeit müssen die ersten Tiere im Schiffsinneren ausharren. Das verlängert den ohnehin schon wochenlangen Transport für die Tiere noch weiter. Rund 2000 Tiere werden auf solche Schiffe gezwängt.

Den ganzen Tag und selbst in der Nacht fahren Tiertransporter in den Hafen ein. Die meisten Tiere werden jedoch nicht sofort verladen. Einige Tiertransporter werden einfach auf einem Parkplatz in der Nähe des Hafens abgestellt. Die Tiere darin leiden unter der Hitze. Die Ventilatoren und die Wasserversorgung werden oft nicht eingeschaltet. Einstreu gibt es meist nicht, weswegen sich nicht selten Kot-Seen unter den Füßen der Rinder bilden, auf denen sie ausrutschen und sich verletzen können.

MILCHPRODUKTION ALS URSACHE

Die Tiere, die auf diesen Schiffen unvorstellbares Leid durchleben müssen, sind das Nebenprodukt der europäischen Milch-Überproduktion. Denn eine Kuh muss, um für den landwirtschaftlichen Betrieb wirtschaftlich zu sein, jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die überzähligen männlichen Kälber werden in Länder wie Spanien oder Italien transportiert, wo die Mast am billigsten ist – Zehntausende davon jedes Jahr aus Österreich.

Isabell Eckl, Campaignerin des VGT: Ich denke nicht, dass Menschen, die Produkte wie Milch, Käse und Joghurt kaufen, so empathielos sind, dass sie dieses immense Leid bewusst unterstützen. Viel mehr steckt jahrzehntelanges geschicktes Marketing sowie Desinformationskampagnen der Tierindustrie hinter diesem weltweiten Skandal. Wir vom VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN haben es uns zur Aufgabe gemacht, das leidvolle Dasein der sogenannten „Nutztiere“ zu dokumentieren und zu veröffentlichen, um Menschen dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit ihren eigenen moralischen Wertvorstellungen liegen.

Um diese leidvollen Schiffstransporte und Kälbertransporte zu beenden, ist es unumgänglich, dass Österreich von seinem Fokus auf immer mehr Milch abkommt. Österreich weiß, was mit den Milchkälbern passiert. Österreich weiß, was mit ihnen nach der Mast geschehen kann. Der VGT fordert die Regierung auf, eine Systemänderung einzuleiten und die Exporte von österreichischen Kälbern endlich zu verbieten.

Gemeinsame Recherche von VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN, Animals International und Animal Welfare Foundation

Pressematerial (bitte Copyright-Hinweise beachten!)


Sendung im Tierrechtsradio:

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