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Wien, am 29.11.2022

Massentierhaltung von Fischen in Österreich – Teil 2

Produktionsmethoden der Aquakultur in Österreich – Durchflussanlagen für Salmoniden

Aquakultur ist Intensiv- oder Massentierhaltung von Wassertieren. Der Schutz sowie das art- und tiergerechte Wohlergehen der betroffenen Fische, Garnelen, Krebse und Muscheln sind nebensächlich, weil es um einen profitorientierten Wirtschaftszweig mit vielversprechenden Wachstumsraten geht. Die Wassertiere werden vor allem als Produkte gesehen, mit denen gute Geschäfte gemacht werden können.

Im ersten Teil der Artikelserie Massentierhaltung von Fischen in Österreich wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen erläutert, die nationalen und europaweiten Entwicklungsstrategien für die kommenden Jahre vorgestellt und der Ist-Zustand der Aquakultur in Österreich beschrieben.

In diesem zweiten Teil geht es um eine von drei in Österreich existierenden und gesetzlich erlaubten Produktionsmethoden in der Aquakultur, sogenannte Durchflussanlagen. Fischzuchtbetriebe mit Durchflussanlagen halten vor allem Fischarten der zoologischen Familie der Salmoniden (Lachsfische).

Forellen und Saiblinge

Forellen und Saiblinge zählen zu den Salmoniden und sind die am häufigsten in österreichischen Fischzuchtbetrieben mit Durchflussanlagen gehaltenen Fischarten. Regenbogen-, Bach- und Seeforellen mit einem Lebendgewicht von insgesamt 2.007.676 kg wurden im Jahr 2020 produziert. Bei Bachsaiblingen, Seesaiblingen bzw. Elsässer Saiblingen waren es insgesamt 1.251.232 kg Lebendgewicht.1

Die genaue Anzahl der österreichischen Fischzuchtbetriebe mit Durchflussanlagen liegt öffentlich nicht auf. Die Statistik Austria gibt in den Strukturdaten zur Aquakulturproduktion 2020 an, dass Becken, Fließkanäle und Käfige (Netzgehege im Wasser) ein Ausmaß von 237.248 Kubikmeter hatten.1 Knapp 100 Betriebe scheinen auf der Webseite des Verbands österreichischer Forellenzüchter auf.2

Durchflussanlagen

Forellen und Saiblinge benötigen bewegtes (strömendes), sauberes, kühles und sauerstoffreiches Wasser, um leben zu können. Deshalb können sie nur in Durchflussanlagen gezüchtet und gehalten werden. Durchflussanlagen bestehen aus mehreren rechteckigen oder runden, betonierten Becken, in denen die Fische leben müssen. Es können aber auch Erdteiche, mit Wasser gefüllte Gräben oder gemauerte Fließkanäle sein. Wesentlich ist Wasser mit guter Qualität, das ständig durch die Wasserbecken fließt, in denen die Fische leben. Fischzuchtbetriebe mit Durchflussanlagen befinden sich oft neben natürlichen Fließgewässern oder in Quellbereichen von Flüssen. Das benötigte Wasser wird von den natürlichen Gewässern abgezweigt, durchfließt die Fischbecken und fließt danach wieder zurück ins natürliche Gewässer. Das eingeleitete Wasser kann zusätzlich noch aktiv mit Luft oder Sauerstoff angereichert werden. Sind Filtersysteme in der Anlage integriert, kann das Wasser, bevor es wieder zurück in das natürliche Gewässer fließt, gereinigt werden.

Tierschutzprobleme bei Durchflussanlagen

Tierschutzprobleme bei Durchflussanlagen gibt es vor allem, wenn zu viele Fische in zu kleinen Wasserbecken gehalten werden (= zu hohe Besatzdichten), beim Handling (= wie mit den Fischen beim Keschern, beim Ausfischen, beim Umsetzen, beim Sortieren, usw. umgegangen wird), bei der Vermehrung, der Wahl der Futtermittel sowie bei der Tötung der Fische. Außerdem werden bei den meisten in Durchflussanlagen gehaltenen Fischarten natürliche Verhaltensbedürfnisse nicht berücksichtigt.

Fischwanderungen nicht möglich

Beispielsweise wandern alle Forellen- und Saiblingsarten in ihren natürlichen Lebensräumen weite Strecken in Flüssen stromaufwärts, um zu den Laichgründen zu gelangen. Das ist in den Wasserbecken der Fischfarmen nicht möglich. Wenn Fische ein evolutionär entwickeltes wichtiges Verhalten nicht ausleben können, hat das negative Folgen. Welche das sind und in welcher Intensität sie wirken, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht.

Zu viele Fische auf zu wenig Raum

Zu hohe Besatzdichten in zu kleinen Wasserbecken verursachen bei den Fischen eine Art Dauerstress, der sich durch erhöhte Aggressionen, mehr Auseinandersetzungen mit mehr Verletzungen, Nervosität und Unruhe sowie eine insgesamt geschwächte Gesamtkonstitution der Fische äußert. Abgesehen von sonstigen negativen Auswirkungen im Sozialverhalten, die wissenschaftlich noch nicht bekannt sind.

Ein Blick auf die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu den Besatzdichten bei Regenbogenforellen verdeutlicht, dass eher Schätzungen statt wissenschaftliche Fakten gelten. Bei Regenbogenforellen in Erdteichen darf ein Besatz von maximal 10 kg je Kubikmeter Teichvolumen nicht überschritten werden. In Rundstrombecken, Langstrombecken und Fließkanälen dürfen es 60 kg pro Kubikmeter sein.3 Bei biologischer Haltung müssen es 25 kg pro Kubikmeter sein.4 Die Willkür lässt grüßen. In der Anlage 10 der 1. THVO heißt es dazu: Bei der Besatzdichte ist auf die Bedürfnisse und Größe der jeweiligen Fischarten, auf die Wasserqualität und Durchflussmengen sowie auf Form und Volumen der Haltungseinrichtung Bedacht zu nehmen. Diese Formulierung ist sehr unklar und lässt viel zu. Der Schutz der Fische ist damit nicht gesichert.

Tierschutzproblem Handling

Der Umgang mit Fischen – das Handling – in der Aquakultur ist immer ein Tierschutzproblem. Gemeint sind damit alle Tätigkeiten, bei denen Fische aus dem Wasser geholt und etwas mit ihnen gemacht wird. Beispielsweise werden sie nach Größe sortiert. Oder in andere Becken umgesetzt. Fische werden in Transporttanks auf Fahrzeugen gegeben und nach dem Transport zu einem anderen Becken aus diesen wieder herausgeholt. Sie werden in Hälterungsbecken umgesetzt und nach der Hälterung betäubt und getötet. Hälterung bedeutet, dass die Fische tage- oder wochenlang keine Nahrung erhalten. Die Fische werden dabei mit Keschern (spezielles Werkzeug der Fischerei, oder Netzen aus dem Wasser geholt. Handling ist für Fische immer mit Stress verbunden. Bei allen aufgezählten Tätigkeiten werden die Fische beispielsweise aus dem Wasser geholt. An der Luft können sie nicht atmen. Das bedeutet extremen Stress. Auch bei großer Sorgfalt kommt es immer wieder zu Verletzungen der Fische an Flossen, Schwanz oder am Körper. Die äußerste Hautschleimschicht der Fische, die ein wichtiger Schutz vor Krankkeitserregern ist, wird dabei immer beeinträchtigt.

Tierschutzproblem unnatürliche Vermehrung

In freier Natur legen weibliche Forellen oder Saiblinge Eier am Gewässergrund aus Kies ab, die männlichen Tiere befruchten die Eier mit Sperma. Die befruchteten Eier entwickeln sich nach einer bestimmten Zeit zu Jungfischen. Da in Fischzuchtbetrieben das natürliche Laich- und Vermehrungsverhalten nicht möglich ist, erfolgt die Reproduktion mit anderen Methoden. Zum Beispiel dem Streifen (oder Abstreifen). Aus Tierschutzsicht ist das abzulehnen, weil es für die Fische höchst belastend ist. Sie werden zuerst gehältert, dann aus dem Wasser geholt, von einem (oder mehreren) Menschen gehalten, dann werden die Eier und/oder das Sperma durch Druck mit den Fingern und Händen aus dem Fischkörper gepresst (gestreift), dann wird der Fisch wieder ins Wasser gesetzt oder getötet.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen vor, dass das Streifen nur von kundigen und fähigen Personen vorgenommen werden darf. Die Fische dürfen auch betäubt werden. Aber auch wenn sie sediert werden und durch die Betäubung diese Prozedur möglicherweise weniger belastend wahrnehmen, können sich daraus negative Folgewirkungen für den Fisch entwickeln. Die Betäubung selbst ist auch nicht unproblematisch. Aus Sicht des VGT ist diese Prozedur eindeutig tierschutzwidrig.

Tierschutzproblem Fischfutter

Forellen und Saiblinge ernähren sich carnivor, also vorwiegend von tierischer Nahrung. In freier Natur sind das vorwiegend Wasserinsekten und deren Larven, Kleinkrebse, Würmer, Schnecken und auch Kleinfische. Dieses natürliche Futter erhalten Forellen und Saiblinge in der Aquakultur nicht. In den meisten Zuchtbetrieben werden sie heutzutage hauptsächlich mit speziellem, industriell gefertigten Fischfutter gefüttert. Der Hauptbestandteil dieses Futters ist Fischmehl.

Das Fischmehl stammt von Fischen, die Opfer der industriellen Meeresfischerei mit ihren tierquälerischen, die Ozeane zerstörenden, ökologisch bedenklichen und nicht nachhaltigen Fangmethoden wurden. Jahr für Jahr werden in allen Ozeanen der Welt Milliarden von Sardellen, Makrelen, Heringen und anderen Fischarten gefangen, um zu Fischmehl verarbeitet zu werden.

Jeder österreichische Fischzuchtbetrieb, der wie oben beschrieben produziertes Fischfutter verwendet, unterstützt also die tierquälerische industrielle Meeresfischerei.

Tierschutzproblem Fischtötung

Grundsätzlich muss in der Aquakultur gemäß der Tierschutz-Schlachtverordnung jeder Fisch fachgerecht betäubt werden, bevor er getötet wird. In der Aquakultur übliche Tötungsmethoden sind der Herz- oder Nackenstich, Genickbruch, Kiemenschnitt oder das Erschlagen.

Wird ein Betäubungsschlag auf den Kopf sachgemäß ausgeführt, kommt es zum sofortigen Bewusstseinsverlust beim Fisch. Deshalb kann diese Betäubungsmethode als eine schonende Betäubungsmethode angesehen werden. Dies setzt jedoch Erfahrung, Wissen und Konzentration bei der Person voraus, die den Betäubungsschlag ausführt. Ist die ausführende Person nicht entsprechend geschult, erfahren, konzentriert und ausgeruht, kann es schnell zu einem oder mehreren unsachgemäßen Betäubungsschlägen auf den Kopf des Fisches kommen, die diesen nicht betäuben, sondern ihm Schmerzen und Leiden zufügen.

Der richtige Betäubungsschlag ist auch nur unter bestimmten äußeren Bedingungen möglich. Es braucht Ruhe, keine Hektik oder Stress, keinen Zeit- oder Produktionsdruck. Wenn ein Betriebsablauf nun aber erfordert, dass innerhalb einiger Tage Hunderte bis Tausende Forellen oder Saiblinge getötet werden müssen, ist sehr wahrscheinlich, dass Fische oft nicht richtig betäubt werden, bevor sie getötet werden. Wird ein nicht richtig betäubter Fisch möglicherweise durch Herz- oder Nackenstich, Genickbruch oder Kiemenschnitt getötet, stellt das immer eine eindeutig tierquälerische und gesetzeswidrige Handlung dar.

Aquakultur ohne Tierschutzprobleme nicht möglich

Zahlreiche Fischzüchter:innen, Vertreter:innen der Branche und benachbarter Wirtschaftsbereiche wie Lebensmittelhandel und Gastronomie arbeiten seit Jahren intensiv daran, die heimische Zucht von Salmoniden und den Verkauf der daraus gewonnenen Produkte als biologisch, nachhaltig, regional, ökologisch wertvoll und tierfreundlich darzustellen. Gemäß den geltenden gesetzlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anschauungen mag das manchmal auch tatsächlich der Fall sein. Gemessen an Grundsätzen des Tierschutzes allerdings ist die Zucht und Haltung von Salmoniden in Durchflussanlagen immer als problematisch anzusehen. Weil die Fische als Produkte bzw. Waren gesehen werden, die gezüchtet, gehalten und verkauft werden, um damit Geld zu verdienen. Das ist der Zweck. Die Bedürfnisse der Tiere, ihr Schutz, ihr Wohlbefinden, ihre Rechte als eigenständige Lebewesen, all das ist nebensächlich.

Im dritten Teil der Artikelserie Massentierhaltung von Fischen in Österreich geht es um die Produktionsmethode Teichwirtschaft mit Karpfen.

Quellen

  1. Statistik Austria, Aquakulturproduktion in Österreich im Jahr 2020
  2. Verband österreichischer Forellenzüchter, Betriebe
  3. 1. Tierhaltungsverordnung
  4. Bio-Fisch Produktion, Informationsblatt für Aquakultur am Bio-Betrieb

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