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Wien, am 27.10.2022

Massentierhaltung von Fischen in Österreich – Teil 1

Wenig Tierschutz in der österreichischen Aquakultur

Aquakultur ist ein interessantes Wort. Es lässt eine kultivierte Tätigkeit vermuten. Und es geht um Wasser. Da tauchen Bilder von idyllischen Fischteichen vor dem inneren Auge auf, in denen Fische ein vermeintlich artgerechtes Leben führen können. Vereinzelt gibt es das in Österreich tatsächlich noch, aber der Trend dieses Zweiges der Geschäftemacherei mit Wassertieren geht in eine ganz andere Richtung. Das bekannte Wort Fischzucht passt besser. Den Kern treffen die Begriffe Massen- oder Intensivtierhaltung von Wassertieren. Das ist es, worum es wirklich geht.

Dieser Bericht behandelt ausschließlich Fische in Aquakultur in Österreich. Über die Haltung anderer Wassertiere wie Krebse, Garnelen oder andere Weichtiere wird es zu einem anderen Zeitpunkt einen eigenen Artikel geben.

Massentierhaltung landwirtschaftlicher Nutzfische per Gesetz

Die AEV Massentierhaltung definiert im Paragraphen 1 Massentierhaltung als Form der konzentrierten Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere.1 Jedem bekannt sind die Bilder von Massentierhaltungen mit Schweinen, Rindern, Hühnern oder andere Nutztieren. Im Prinzip gleich ist die Massentierhaltung landwirtschaftlicher Nutzfische unter Wasser. Das Bundestierschutzgesetz beschreibt im Paragraphen 4, Ziffer 6 alle Haus- oder Wildtiere, die zur Gewinnung tierischer Erzeugnisse, beispielsweise Nahrungsmittel gehalten werden, also alle Fische, die in Aquakulturbetrieben gehalten werden, als landwirtschaftliche Nutztiere.2 In der 1. Tierhaltungsverordnung schließlich finden sich die Mindestanforderungen für die Haltung von Nutzfischen.3 Die AEV Aquakultur beschreibt im Paragraphen 1 Aquakultur als Haltung von Fischen oder anderen Wassertieren mit dem Ziel, durch Anwendung bestimmter Maßnahmen die Wachstumsprozesse gezielt zu verstärken und den Zuwachs an Tiermasse zu steigern.4 Im Schnellbericht Aquakulturproduktion Kalenderjahr 2020 der Statistik Austria wird Aquakultur als Aufzucht oder Haltung von Wasserorganismen (Fische, Krebs, Garnelen, etc.) unter Einsatz entsprechender Techniken, mit dem Ziel, die Produktion über das unter natürlichen Bedingungen mögliche Maß hinaus zu steigern, definiert.5 Zusammengefasst und verständlich formuliert heißt das also: Fische gelten in der Aquakultur als landwirtschaftliche Nutztiere, die in Massentierhaltung gehalten werden dürfen, mit dem Ziel, die Produktion zu steigern und zu erhöhen.

Tierschutz bleibt auf der Strecke

Wo bleibt der Tierschutz bei all dem? Was ist mit dem fühlenden Lebewesen Fisch mit seinen speziellen Bedürfnissen? Es fällt auf, dass beim Lesen der unterschiedlichen Texte über Aquakultur die betroffenen Fische und ihr Schutz kaum Erwähnung finden. Es geht immer um Produktion, Steigerung, Wettbewerbsfähigkeit, Marketing, Verarbeitung und Vermarktung. Das erinnert sehr an Grundprinzipien von Unternehmensführung in einem kapitalistisch orientierten Markt. Die Fische werden zu Produkten degradiert. In Tabellen und Statistiken über Produktionsmengen beispielsweise finden sich immer nur Mengenangaben in Tonnen, nicht in Anzahl von Fischen. Damit wird verborgen, dass es eigentlich um Millionen von Fischen geht. Jeder einzelne von ihnen ist ein fühlendes Lebewesen.

Aquakulturproduktion in Österreich im Jahr 2020

So steht dann also im schon erwähnten Schnellbericht der Statistik Austria geschrieben, dass 4.527 Tonnen Speisefisch in Österreich im Jahr 2020 in Aquakulturanlagen produziert wurden. Die größten Produktionsmengen gab es bei Forellen (Regenbogen-, Bach- und Seeforellen) mit 2.007.676 Kilogramm Lebendgewicht. Darauf folgen in der Liste Saiblinge (Bach- und Seesaibling sowie Elsässer Saibling) mit 1.251.232 kg Lebendgewicht. Platz drei nehmen Karpfen mit einer Produktionsmenge von 620.555 kg Lebendgewicht ein. Auf Platz vier befindet sich bereits der Afrikanische Raubwels, eine in Österreich natürlich nicht vorkommende Art, die ausschließlich in Indoor-Kreislaufanlagen gezüchtet und gehalten wird, mit 498.887 kg Lebendgewicht.5

Weitere Fischarten in Aquakultur sind Graskarpfen, Zander, Silberkarpfen, Europäischer Wels, Stör, Huchen, Schleie, Hecht und andere. Insgesamt gab es 526 Aquakulturunternehmen. Bei Aquakultur geht es neben Speisefischen auch um die Produktion von Fischlaich und um Jungfische.

Big business

Seit Jahren ist bekannt, dass Aquakultur weltweit der am schnellsten wachsende Bereich der Lebensmittelproduktion ist. 120.104 Millionen Tonnen Fische, Muscheln, Krebse und andere Wasserlebewesen wurden im Jahr 2019 weltweit produziert. Der Big Business Player ist China mit 68.424 Millionen Tonnen Aquakulturproduktion, gefolgt von Indonesien (15.893 Millionen Tonnen), Indien (7.800 Millionen Tonnen) und Vietnam (4.456 Millionen Tonnen). Die EU steht in der Liste mit 1.367 Millionen Tonnen bescheiden da.6

Europäische und österreichische Zukunftsstrategien

Mit dem Verkauf von Fischen und anderen Wassertieren sowie Produkten von Fischen und anderen Wassertieren aus Aquakultur lässt sich also richtig viel Geld verdienen. Nach Jahren der Untätigkeit konnte die europäische Staatengemeinschaft nicht mehr zusehen und hinnehmen, wie ihr Jahr für Jahr Milliardenbeträge entgingen. Also hat die Europäische Kommission Strategische Leitlinien für eine nachhaltigere und wettbewerbsfähigere Aquakultur in der EU für den Zeitraum 2021 – 2030 erarbeitet, die im Mai 2021 veröffentlicht wurden.7 Jetzt ist ein Plan vorhanden, der in die Wege leiten soll, dass auch Europa in naher Zukunft am großen Aquakulturprofitkuchen mit naschen kann. Österreich darf da natürlich nicht fehlen. Die Alpenrepublik unterstützt diese Strategie und hat zusätzlich noch einen eigenen nationalen Strategieplan für die Aquakultur und Fischerei für den Zeitraum 2021 bis 2027 erstellt.8 Tierschutz kommt darin nicht vor.

Falsche globale Ernährungsstrategie

Warum ist das so? Was hat Aquakulturproduktion zu seinem so wichtigen Produktionszweig der Lebensmittelherstellung werden lassen? Es geht um aktuelle und zukünftige Nahrungsquellen für Milliarden von Menschen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sieht im Ausbau der Aquakultur einen wichtigen Teil, um die zukünftige Ernährung der nach wie vor zunehmenden Weltbevölkerung möglich und sicher zu machen.9 Deshalb wird weltweit in Aquakultur investiert, es wird ausgebaut, finanziert, geforscht und vor allem produziert. Diese nach Ansicht des VGT einseitige, falsche und nicht zielführende Strategie übersieht den Wert und Nutzen einer pflanzenbasierten Ernährung und auch das Leid der betroffenen Wassertiere. Aber die Staaten der Welt folgen dem Weg der Nutzung und Ausbeutung von Fischen, egal ob es richtig und zukunftsweisend ist.

Steigerung, Steigerung, Steigerung

Da ist auch Österreich keine Ausnahme und baut die heimische Aquakultur aus. Offiziell zur Sicherung eines zukunftsfähigen österreichischen Aquakultur- und Fischereisektors, wie das Oberziel im nationalen Strategieplan definiert wird.8 Dazu benötigt es die Anpassung an den Klimawandel und eine weitere Fokussierung in Richtung Nachhaltigkeit und Biodiversität. Es bedarf der Steigerung der heimischen nachhaltigen Produktion zur Erhöhung des Selbstversorgungsgrades. Angestrebtes Wachstumsziel ist eine Jahresproduktion von 6.345 Tonnen Lebendgewicht im Jahr 2027, das sind verglichen mit den 4.244 Tonnen aus dem Jahr 2018 eines Steigerung von knapp 50 Prozent. Es braucht weiter eine Steigerung der Qualität der heimischen Produkte und der regionalen Wertschöpfung aus der Aquakultur und der Fischerei.

VGT ist die Stimme der Wassertiere

In ähnlicher Diktion zieht sich der nationale Strategieplan weiter. Vieles davon klingt beeindruckend, modern, zeitgemäß und wichtig. Ist es aber nicht. Denn Tierschutz und Fische als fühlende Lebewesen kommen darin nicht vor. In Wirklichkeit geht es um den Ausbau einer tierfeindlichen und tierquälerischen, profitorientierten Einnahmequelle für eine demografisch gesehen kleine Minderheit einiger Fischzüchter:innen, die mit staatlicher Unterstützung, zusätzlich noch gefördert und finanziert mit EU Geldern, lukrative Geschäfte machen wollen. Unter dem Deckmantel von Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität. Der VGT wird dafür sorgen, dass die betroffenen Fische (und anderen Wassertiere) eine Stimme erhalten, ihre Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt werden und sie den Schutz erhalten, der ihnen zusteht.

Quellen

  1. AEV Massentierhaltung
  2. Österreichisches Bundesgesetz über den Schutz von Tieren
  3. 1. Tierhaltungsverordnung
  4. AEV Aquakultur
  5. Statistik Austria, Aquakulturproduktion in Österreich im Jahr 2020
  6. Der EU Fischmarkt, Ausgabe 2021
  7. Strategische Leitlinien für eine nachhaltigere und wettbewerbsfähigere Aquakultur in der EU für den Zeitraum 2021 – 2030
  8. Nationaler Strategieplan Österreich Aquakultur 2021 bis 2023
  9. FAO 2030 Agenda for Sustainable Development

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