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Fleischkonsum in Österreich: aktuelle Entwicklungen und ihre Bedeutung für die Tiere

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (23.10.2024)

Wien, 23.10.2024

Der Fleischverzehr in Österreich sinkt. Der Gesamt-Fleischkonsum ist dennoch viel zu hoch. Österreichs Schlachtzahlen für Geflügel steigen an.

Laut aktuellen Zahlen der Statistik Austria ist der Gesamt-Fleischkonsum der Österreicher:innen 2023 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.1 Dass weniger Fleisch pro Kopf gegessen wird, ist sowohl aus gesundheitlicher als auch aus Tierschutz- und Umwelt-Sicht zu begrüßen. Allerdings wurde ein wesentlicher Faktor bei der Berichterstattung dazu wenig berücksichtigt – Die Menschen essen mehr und mehr „Geflügel“ – in erster Linie Hühner. Es wird zwar weniger Schweine- und Rind-, allerdings mehr Geflügelfleisch als jemals zuvor gegessen. Waren es im Jahr 2000 noch rund 10 kg, verzeichnen wir 2023 mehr als 13 kg pro Person pro Jahr.2 Ein kontinuierlicher Anstieg, der sich selbstverständlich auch in den Schlachtzahlen widerspiegelt. Im Jahr 2023 gab es in Österreich 101,4 Millionen Geflügelschlachtungen.3 Zum Vergleich: 1999 waren es insgesamt 62,8 Millionen.4 Seit einigen Jahren wird nicht mehr öffentlich bekanntgegeben, wie viele davon Masthühner, Legehennen, Puten, Enten oder Gänse sind. Allerdings ist klar, dass der allergrößte Teil der geschlachteten Tiere Masthühner sind. Der Pro-Kopf-Verzehr von Hühnerfleisch liegt nämlich aktuell bei über 10 kg im Jahr.2 Dabei handelt es sich lt. Statistik Austria um eine näherungsweise Berechnung exkl. Knochenanteile, industrielle Verwertung, Verluste am Weg zu den Verbraucher:innen und Kochverluste sowie Verwendung für Haustierfutter. Zieht man diese Werte nicht ab, liegt der Inlandsverbrauch pro Kopf 2023 bei 17,3 kg Huhn bzw. 22,3 kg Geflügel.

Das Los der kleinen Tiere

Die philosophische Überlegung des Small Body Problem beschäftigt sich mit dem Fakt, dass viel mehr kleinere als größere Individuen getötet werden müssen, um am Ende die gleiche Menge an tierlichem Nahrungsmittel zu erhalten. Die Schlachtung eines Rindes bringt z.B. rund 330 kg Fleisch. Für die gleiche Menge muss man rund 250 Hühner töten (~ 1,3 kg pro Huhn).5 Für Fische, Schalentiere oder Insekten wäre diese Zahl denkbar höher. Das Small Animal Replacement Problem führt diesen Gedanken auf Basis aktueller Entwicklungen weiter. Ein Trend hin zum vermehrten Verzehr kleinerer Tiere lässt sich nämlich, wie oben erwähnt, bereits beobachten. Die Menschen werden von verschiedenen Faktoren in diese Richtung gedrängt. Etwa der billigere Preis, leichtere Zubereitung, ein gesundheitlicher Vorteil von weißem gegenüber rotem Fleisch, eine geringere Umweltbelastung oder mehr Empathie gegenüber großen Tieren bzw. Säugetieren könnten ausschlaggebend sein. Unweigerlich ist die Folge davon, dass um ein Vielfaches mehr Individuen in Tierfabriken leiden und getötet werden.

Es liegt in der menschlichen Natur, leichter Empathie gegenüber Lebewesen zu entwickeln, die uns evolutionär ähnlicher sind.6 Kühe und Schweine sind, wie auch Menschen und viele unserer geliebten Heimtiere, Säugetiere. Sie sind uns in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich, weshalb es uns tendenziell leichter fällt, sie in unseren moralischen Geltungsbereich zu inkludieren. Vögel wie Hühner und Puten sind uns weniger nah. Aus biologischer Sicht gibt es aber keinen Grund, anzunehmen, dass sie weniger unter den industriellen Bedingungen der Fleischproduktion leiden. Die allermeisten Masthühner leben in artwidrigen Haltungssystemen und können ihre natürlichen Bedürfnisse niemals erfüllen. Zudem gehören sie größtenteils Qualzuchtrassen an: Durch ihre genetisch bedingte, extrem schnelle Gewichtszunahme leiden sie unter verschiedensten typischen Verletzungen und Krankheiten. Und das, obwohl sie bei der Schlachtung erst 4 – 6 Wochen alt sind.7

Wie steht es um die (menschliche) Gesundheit?

Weißes Fleisch wie das von Hühnern oder Puten wird im Gegensatz zu rotem Fleisch als wesentlich gesünder empfunden. Doch auch der Verzehr dieser Tierarten kann gesundheitliche Risiken haben. Ein solches wäre z.B. die Belastung mit antibiotikaresisten Keimen bei Hühnerfleisch.8 Auch wer die Hühnerbrust als fettfreien Proteinlieferanten sieht, liegt immer öfter daneben. Masthühner leiden heute aufgrund ihrer Rasse häufig unter verschiedensten Erkrankungen der Brustmuskulatur. Eine davon – das sogenannte White Striping (Muskelverfettung) – verursacht Fetteinlagerungen im Muskelgewebe. Dadurch steigt der Fettgehalt, der Proteingehalt sinkt und die Proteinqualität ist nachweislich schlechter.9 Die Krankheit lässt sich leicht durch schmale weiße Streifen erkennen, die sich durch das Brustfleisch ziehen.

Ohnehin wird in Österreich mit 57,6 kg im Jahr 1 immer noch viel mehr Fleisch konsumiert, als gesund wäre. Die aktuelle Empfehlung des Gesundheitministeriums liegt bei 32,25 Gramm pro Tag.10 Auf ein Jahr umgelegt ergäbe das 11,77 kg. Damit essen die Österreicher:innen also fast 5 mal so viel Fleisch wie empfohlen. Nach wie vor leiden Rinder und Schweine massiv auf Vollspaltenböden, während qualgezüchtete Hühner und Puten in riesigen Masthallen dahinvegetieren müssen. Erschwerend hinzu kommt, dass etliche dieser Tiere getötet werden, nur um am Ende in der Mülltonne zu landen – 11% der gekauften Fleisch-, Fisch – und Wurstwaren werden in Österreichs Haushalten weggeworfen.11

Fazit: Wir sehen zwar einen positiven Trend in Richtung weniger Fleischkosum, von einer vernünftigen Menge und einem wertschätzenden Umgang mit Nutztieren sind die Österreicher:innen als Gesellschaft allerdings meilenweit entfernt. Der Umwelt, den Tieren und der eigenen Gesundheit wäre mit einer stärker pflanzlich basierten Ernährung am allermeisten geholfen.

Quellen

  1. Statistik Austria – Versorgungsbilanz für Fleisch nach Arten ab 1994 in Tonnen
  2. Statistik Austria – Versorgungsbilanz für Geflügel nach Arten ab 1994 in Tonnen
  3. Statistik Austria – Schlachtungen 2023
  4. OTS: 1999 Rekord an Geflügelschlachtungen (Statistik Austria) [23.10.2024]
  5. Hierzu gibt es unterschiedliche Schätzungen. Diese basiert auf den Datensätzen von ourworldindata.org für Huhn und Rind.
  6. Miralles, A., Raymond, M. & Lecointre, G.: Empathy and compassion toward other species decrease with evolutionary divergence time, in: Scientific Reports 9, 19555 (2019)
  7. Hintergrundwissen Masthühner
  8. Antibiotikaresistenz: Europäisches Hühnerfleisch im Test
  9. Petracci, Massimiliano, S. Mudalal et al: Effect of white striping on chemical composition and nutritional value of chicken breast meat, in: Italian Journal of Animal Science, 13(1), 2016
  10. Ernährungsempfehlung des österreichischen Gesundheitsministeriums
  11. WWF: Lebensmittelverschwendung in österreichischen Haushalten [23.10.2024]

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