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Hintergrundwissen Tierzirkus

Zirkus = Tierquälerei

Egal ob mit Wildtieren oder Haustieren – Zirkus bedeutet Tierqual. Pferde, Ziegen, Lamas, Hunde, Kamele, Dromedare, Kühe, Tauben, Enten und viele andere Tiere müssen in der Manege funktionieren - sie müssen unnatürliche Verhaltensweisen erlernen und oft sind die Dressurmethoden sehr fragwürdig. Immer wieder werden Zirkusse angezeigt, die mit Peitschen oder Elektroschockern arbeiten. Auch sogenannte Elefantenhaken, mit denen die Tiere gestochen und geschlagen werden, kommen nach wie vor in Zirkussen auf der ganzen Welt zum Einsatz. Die Tiere gehorchen aus Angst vor Bestrafung, und nicht, weil die Show ihnen Spaß macht.

In der Manege herrscht Action - das grelle Licht, der Lärm, das Klatschen und die laute Musik sind extrem belastend für die Tiere und immer wieder aufs Neue mit Stress verbunden. Viele Tiere haben viel sensiblere Sinnesorgane als der Mensch und äußere Reize werden viel intensiver wahrgenommen. Außerdem herrscht in der engen Manege akute Verletzungsgefahr. Häufig rutschen Tiere auf den ausgelegten Plastikplanen aus und ziehen sich dabei mitunter schwere Verletzungen zu.

Dazu kommt, dass der Zirkus laufend von einem Ort zum anderen zieht und die Tiere damit einem lebenslangen Tiertransport unterliegen. Das bedeutet großen Stress für die Tiere, die sich niemals an einen Aufenthaltsort gewöhnen können. Viele Tiere sehen nie eine Weide oder einen Auslauf, der ihren arteigenen Bedürfnissen auch nur annähernd entspricht. Sie verbringen tagein tagaus in kleinen Käfigen, beengten Gehegen oder im Transportwagen. Artspezifische Verhaltensweisen werden dadurch erheblich eingeschränkt oder völlig unmöglich gemacht. Viele Zirkustiere werden vernachlässigt und nicht ausreichend versorgt. 2017 gab es ein Auftrittsverbot für sämtliche Tiere des Zirkus Safari - sie waren abgemagert. Oft stehen die Zirkustiere auf Asphaltflächen in der prallen Sonne ohne Wasser. Das alles wurde vom VGT schon dokumentiert und angezeigt. Die Folgen für die Tiere sind fatal: regelmäßiger Stress, viele Transporte, massive Gesundheitsschäden, Krankheiten, Verhaltensstörungen und erhöhte Sterblichkeit.

Dabei müssen nicht nur die „klassischen“ Zirkustiere als Attraktionen herhalten – auch Kühe, Gänse, Schweine, Hasen – sie alle fahren mit den Tierzirkussen von Stadt zu Stadt und sollen Besucher_innen in die Vorstellungen locken. Dabei wird mit den Tieren ordentlich abgecasht - neben dem regulären Eintritt will der Zirkus für Ponyreiten, einen Blick in die dürftigen Stallungen oder für Fotos mit Tieren extra abkassieren.

Was vermitteln wir unseren Kindern?

Die oberflächlichen „Darbietungen“ sind oftmals entwürdigend und die Kinder lernen nichts über die Bedürfnisse von Tieren oder deren natürliches Verhalten. Erfahrenen Kinderpsychologen zufolge vermitteln Zirkusse den Kindern falsche Werte. Wenn Kinder sehen, wie fühlende Lebewesen mit der Peitsche durch die Manege getrieben, dominiert, lächerlich gemacht und benutzt werden, vermittelt das völlig falsche Eindrücke im Umgang mit Tieren. Ein Besuch im Zirkus suggeriert Kindern fälschlicherweise, dass es richtig sei, die Gefühle, Bedürfnisse und Rechte anderer Lebewesen zu ignorieren und bringt ihnen bei, dass es in Ordnung sei, Tiere als Unterhaltungsobjekte zu missbrauchen. Dabei sollten sie vielmehr lernen, dass es wichtig ist, Tiere mit Respekt zu behandeln und NICHT zu unterdrücken.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Seit 1. Jänner 2005 sind in Österreich alle Wildtiere im Zirkus verboten. Österreich nahm damit innerhalb der Europäischen Union eine Vorreiterrolle ein. Seither sind viele Länder nachgezogen: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Irland, Kroatien, Lettland, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Rumänien, Schottland, Serbien, Slowakei, Slowenien. In vielen weiteren EU-Ländern gibt es zumindest Einschränkungen und Verbote bestimmter Tierarten. Diese europäischen Länder haben bereits ein generelles Tierverbot für Zirkusse eingeführt: Bosnien-Herzegowina, Griechenland, Malta und Zypern. (Stand 11.9.2020)

Für Haustiere oder Heimtiere, die in Zirkussen mitgeführt werden, gelten in Österreich seit 1. Jänner 2005 dieselben Haltungsbedingungen wie in anderen Bereichen, d.h. für sogenannnte Nutztiere gelten dieselben Bestimmungen wie in der Landwirtschaft, für Heimtiere gelten die gleichen Bestimmungen wie in der Privathaltung zu Hause. Zusätzlich wurde die Anwendung von Ausbildungs- und Dressurmitteln, die dem Tier Schmerzen oder Schäden zufügen, oder es in Angst versetzen, verboten.

Das Wildtierverbot im Zirkus bedeutet aber nicht, dass Zirkusse, die in Österreich auftreten, nicht trotzdem mit Wildtieren arbeiten. Sie lassen die Elefanten, Löwen und anderen exotischen Tiere an der Grenze zu Österreich zurück, und nehmen sie wieder auf, sobald sie Österreich verlassen. Das ist eine legale Umgehung des Gesetzes, die Tierschützer_innen besonders sauer aufstößt! Denn Wildtiere leiden besonders unter den fragwürdigen Trainingsmethoden und der dürftigen Unterbringung im Zirkus.

Kleine Geschichte des Tierzirkus

Der Zirkus hat seinen Ursprung in den Jahrmärkten des 17. Jahrhunderts, in denen Gaukler_innen, Seiltänzer_innen, Feuerspucker_innen und Jongleur_innen zu sehen waren, aber auch Abnormitätenkabinette mit sogenannten „Sonderlingen der Natur“. Das waren in Wirklichkeit Menschen mit Behinderungen und exotische Tiere. Ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die reinen Zur-Schau-Stellungen der „Sonderlinge“ zu langweilig, und der Mensch stieg als „Bezwinger der ungebändigten Natur“ zu den Tieren in den Käfig. Dabei wurden die Tiere absichtlich durch Lärm und Peitschenknallen provoziert, damit sie möglichst wild und gefährlich wirkten. Im Rahmen der Vorführung wurden die „wilden Tiere“ dann unterworfen: sie mussten dem Meister die Schuhe lecken oder sich vor ihm niederducken. Die Gier des Publikums nach Sensation war grenzenlos. Die Wildtiere wurden bis zur Bewusstlosigkeit durch die Manege getrieben und so lange aufgestachelt, bis sie nicht mehr konnten. Die Nachfrage nach Wildtieren war enorm - der deutsche Tierhändler Carl Hagenbeck belieferte viele Zirkusse seiner Zeit und importierte zwischen 1866-1886 insgesamt 1000 Löw_innen, 400 Tiger, 700 Leopard_innen, 1000 Bär_innen, 800 Hyänen, 300 Elefant_innen, 26 Nashörner, mindestens 100.000 Vögel und 10.000e Affen.1

Ab dem 20. Jahrhundert konnte der künstlich dargestellte Kampf zwischen Mensch und Wildtier im Zirkus niemanden mehr beeindrucken. So ging man dazu über, das Wildtier als domestiziert und vermenschlicht zu präsentieren. Die Wildtiere werden als Menschen verkleidet, verniedlicht, müssen tanzen und singen, Musikinstrumente spielen oder Wasserschi fahren, und werden generell zur Lachnummer. Das vormals respekteinflößende Wildtier wird zum Clown degradiert. Niemand fürchtet sich mehr, alle lachen. Bis heute ist das die Darstellungsform von (Wild)tieren im Zirkus.

Aber seitdem sich der Tierschutzgedanke ausbreitet, der Respekt vor dem Tier fordert, und der das Tier in seinem natürlichen Lebensraum erhalten will, und nicht in fahrenden Wanderzirkussen als Sonderlinge der Natur oder lächerliche Clowns, nehmen Zirkusse zunehmend Abstand von der Wildtierhaltung. Die Vorreiterrolle übernahm der ehemalige Österreichische Nationalzirkus Elfi Althoff-Jacobi im Jahr 1996 und erhielt dafür die „Umweltlorbeer“ verliehen. Die meisten Zirkusse zogen nach. Nur wenige Ausnahmen, wie der Österreichische Nationalzirkus Louis Knie sowie der Zirkus Belly-Wien, bestanden bis zuletzt auf der Ausstellung exotischer Wildtiere und reagierten äußerst aggressiv und gewalttätig auf die Kampagne des VGT.

Unfälle mit Zirkustieren

Aufgrund der Enge der Manege und dem Stress, den die Tiere bei den Vorführungen ausgesetzt sind, kommt es regelmäßig zu Unfällen. Dabei werden einerseits die Tiere, aber auch Zuschauer_innen verletzt. Seit 1998 wurden in Österreich vier Menschen von Zirkustieren verletzt. Einmal trampelte ein Kamel auf einen kleinen Buben, zweimal biss ein Affe Kinder und einmal hob ein Elefant einen Besucher über die Absperrung und zerdrückte ihm den Brustkorb. Der Mann wurde dabei lebensgefährlich verletzt. 1984, als Wildtiere in österreichischen Zirkussen noch erlaubt waren, wehrte sich der Zirkuselefant Madura im Zirkus Knie gegen die Misshandlungen und tötete den Wärter. Im Jahr 2000 trampelte ein 500 kg schweres Kamel eines französischen Wanderzirkus in Oberösterreich einen 6-jährigen Buben nieder und brach ihm den Oberschenkelknochen und eine aus Österreich importierte asiatische Elefantin tötete ihren "Pfleger" in London2. Zu trauriger Berühmtheit gelange 1994 die Elefantenkuh Tyke, die bei einer Vorstellung in Honolulu ihren Trainer tötete und dann aus dem Zirkus ausbrach. Sie lief eine halbe Stunde durch die Stadt, bis sie von Polizisten mit 86 Schüssen getötet wurde.3 Die bewegenden Ereignisse rund um den 20. August 1994 wurden auch in einem Tierrechts-Film namens "Tyke" festgehalten. Der von der Elefantenkuh getötete Trainer hatte sie zeit ihres Lebens schwer misshandelt.4
Weltweit wurden zwischen 1990 und 2000 insgesamt 50 Unfälle mit Elefanten und 32 Unfälle mit Großkatzen bekannt, die zusammen in 18 Fällen mit dem Tod eines Menschen geendet haben. Zumeist waren die Angegriffenen die Trainer_innen der Tiere.

Zirkusse in den Schlagzeilen

Immer wieder machen Zirkusse Negativ-Schlagzeilen, weil sie Tiere schlecht versorgen oder nicht artgerecht unterbringen. Ein paar Beispiele seien hier aufgezählt:
Circus Safari 2017,
Louis Knie jr. 2019,
Zirkus Belly 2020,
Circus Safari 2020 u.v.m.

Spendenkeilerei

Aus falsch verstandener Tierliebe gibt es immer wieder Menschen, die auf die Tricks der Zirkusleute hereinfallen und ihren rührseligen Spendenaufrufen folgen. Dabei bitten die Zirkusse oft um Futterspenden für die armen Tiere, die sonst angeblich nicht durch den Winter kommen. Auch die Situation rund um Covid-19 wurde dafür benutzt, naiven Tierliebhaber_innen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Fallen Sie nicht auf die Tricks der Tierausbeuter_innen herein! 1. Wer für die Tiere nicht ausreichend sorgen kann, sollte keine Tiere halten und 2. Die Tiere werden jahrein jahrhaus unter schlimmsten Bedingungen gehalten und für Geld missbraucht. Bitte unterstützen Sie dieses System nicht. Die Tiere wären auf einem Lebenshof besser aufgehoben.

Es geht auch anders

Im 21. Jahrhundert angekommen zeigen immer mehr Zirkusse, dass es auch wunderbar ohne Tierleid geht. Viele Zirkusse verzichten freiwillig gänzlich auf Tiernummern oder ersetzen diese beispielsweise durch moderne Hologramm-Technik. Bei den Zuschauer_innen, die immer weniger Lust haben, für Tierleid zu bezahlen, kommen solche Innovationen sehr gut an.

Damit die Gewalt gegen Tiere im Zirkus aufhört, ist ein generelles Tierverbot im Zirkus notwendig. Der VGT setzt sich dafür ein, dass Tiere nicht mehr als Attraktion in Zirkussen missbraucht werden!


(1) vgl. https://archiv.veggie-planet.at/warumvegan/tierrechte/die_kampagne_gegen_tierzirkusse.html

(2) vgl. https://archiv.veggie-planet.at/warumvegan/tierrechte/das_ende_des_zirkus_knie.html

(3) Quelle: Wikipedia

(4) Quelle: Wikpedia


Literatur

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