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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (19.05.2017)

Wien, am 19.05.2017

Steiermarks Schweine-Vorzeigebetriebe täuschen ORF und Öffentlichkeit!

VGT deckt auf und fordert sachliche, unabhängige Information und Initiativen zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Schweinen.

Am Tag vor dem "Tag der offenen Stalltür" von SAUGUT hat der VGT anhand von aktuellem Foto- und Videomaterial den kritischen Blick auf die aktuelle Schweinehaltung geschärft.


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Zustände in Österreich

In der Schweinehaltung liegt vieles im Argen: schon den kleinen Ferkeln werden die Schwänze abgeschnitten, als "Schutz" dagegen, dass sie sich diese im engen und frustrierenden Lebensraum nicht gegenseitig anknabbern. Die männlichen Ferkel werden ohne Narkose kastriert, weil es so billiger ist. Es wird extrem gespart wo es geht, deshalb wurden Haltungssysteme eingeführt, die für den Menschen einfach zu bedienen, für die Tiere aber artwidrig sind. So leiden die Tiere offensichtlich unter fürchterlicher Enge in strukturloser Umgebung, sie können ihre grundlegendsten Verhaltensweisen nicht ausleben!

Objektive Information ist wichtig!

Die "Informationsplattform Saugut" (Eigenbeschreibungstitel) betreibt eine Website und eine FB-Seite und geht mit diversen Aktionen an die Öffentlichkeit. Bekannt sind u. a. drei Videobeiträge, die in Zusammenarbeit mit dem ORF entstanden sind. Aktuell gibt es den "Tag der offenen Stalltüre", der die Menschen in vier ausgewählte Betriebe einlädt. Die Zwei Grundziele all dieser Aktivitäten sind folgende:

1.: Die konventionelle Tierhaltung sei für die Tiere völlig ausreichend und die Haltungsbedingungen seien gut genug, um das Fleisch mit gutem Gewissen genießen zu können.

2.: Die Betriebe sind vorbildlich geführt und es wird vollkommen offengelegt, wie die Tierhaltung aussieht.

VGT fordert Information statt Desinformation!

Um die Öffentlichkeit zu informieren, ist es es wichtig, vielseitige Informationen bzw. Wissen zur Verfügung zu stellen. Einem Zusammenschluss von Bauern/Bäuerinnen sollte nicht blind vertraut werden, ohne kritische Stimmen zumindest zu hören. So wundert es, dass es SAUGUT ermöglicht wurde, in letzter Zeit zwei kostenlose (?) Werbesendungen im ORF auszustrahlen. Wozu finanziert der Staat WissenschafterInnen auf der Veterinärmedizinischen Universität und der Universität für Bodenkultur, wenn deren Wissen nicht für die Bildung der Öffentlichkeit genutzt wird?

Herzeigen und verstecken

Angeblich sind mehr als 70 Betriebe beim Zusammenschluss SAUGUT dabei, aber nur vier davon machen mit beim Tag der offenen Stalltüre. Und hier muss davon ausgegangen werden, dass nicht alle Stallräume gezeigt werden. Die älteren Stall-Bereiche, die aber etwa die Hälfte des Bestandes ausmachen, werden - vermutlich - verschlossen bleiben. Das Foto und Filmmaterial, das dem VGT zur Verfügung gestellt wurde, zeigt aber auch diese verborgenen Bereiche.

Stroh für die Schweine?

Die Wahrheit ist, dass SAUGUT nach den gesetzlichen Mindestrichtlinien arbeitet. Die in den ORF-Beiträgen von Herrn Pail vorgeführten Strohraufen z.B. werden nicht einmal von diesem selber ernsthaft verwendet. Fotos von vielen Buchten zeigen, dass manche Raufen leer sind. Videomaterial zeigt, dass die Schweine das Stroh kaum annehmen und deshalb auch kaum nutzen können. Viele Schweine haben auch überhaupt keine Strohraufe. Durch den ORF-Beitrag bekommen die potentiellen KonsumentInnen aber das Gefühl, die Schweine haben Stroh und können dieses auch nutzen. Hier wird ein falscher Eindruck vermittelt! Noch dazu wäre Stroh notwendig, um den Tieren als Wühlmaterial zu dienen. So wie Hühner Scharrmaterial brauchen, brauchen Schweine Material, das ihren Trieb nach Futtersuche mit ihrer Nase befriedigt. Schwer erreichbare einzelne Strohhalme können das sowieso nicht ersetzen.

Beschäftigungsmaterial

Im ORF-Beitrag sieht man lebhafte Aufregung im Stall. Die Schweine kommen neugierig, spielen mit den Holzstücken an den Ketten, mit dem (kotverschmierten) Ball. Gezeigt werden Schweine in kindlichem Stadium, die aufgeregt und neugierig sind und sich freuen, wenn einmal jemand anwesend ist. Abseits von ORF-Kameras führen diese Schweine jedoch ein frustrierendes Leben. Wie Hunde ruhen Schweine auch viele Stunden am Tag, aber einige Stunden wollen sie sich aktiv beschäftigen. Und nicht alle Schweine wollen zur selben Zeit aktiv sein! Aufgrund der Enge kommt es unweigerlich zu Problemen und Stress innerhalb der Gruppe. Die Schweine nutzen die Eisenketten ein wenig und beißen hinein. Eine Ersatzhandlung für die fehlende artgemäße Umgebung. Die meiste Zeit, also wahrscheinlich mehr als 22 Stunden täglich (!), liegen die Tiere einfach nur herum, in der restlichen Zeit wird verzweifelt versucht, sich sinnvoll zu beschäftigen.

Keine angemessene Liegefläche!

Die Schweine sind auf hohe Zuwachsleistung gezüchtet. Ihre schweren Körper erfahren in der konventionellen Haltung aber keinen Liegekomfort, da es kein Stroh oder ähnliches Material gibt. So liegen sie 6 Monate lang auf Spaltenboden, monatelang auf Betonvollspaltenboden. Gelenksentzündungen sind hier keine Ausnahme.

Grausamer Gestank!

Die Tiere müssen ununterbrochen über ihren eigenen Exkrementen leben. Kot und Urin kleben oftmals an den Körpern der Tiere und sollen durch die Spalten im Boden in den Gülleschacht gedrückt werden. Der Gestank ist ekelerregend und schädigt auch die Lungen, was neben dem Hausverstand auch Schlachthof-Veterinärberichte beweisen. Das Geruchsempfinden ist bei Schweinen mindestens genauso ausgeprägt wie bei Hunden, ihr Geschmackssinn ist wesentlich ausgeprägter als bei Menschen! Der Gülleschacht ist auch Lebensraum tausender Insekten, von denen die Schweine umgeben sind. Fliegen und Kakerlaken wurden in fast jedem Stall dokumentiert, Mäuse und Ratten in einigen.

Futter - tagtäglich das gleiche!

In den Werbevideos wird immer wieder die Regionalität des Futters betont. Mais aus den Mais-Wüsten der Südsteiermark sind Hauptbestandteil des Futters. Gentechnik-Soja aus Übersee in vielen Betrieben (nicht allen) alltäglich. Was verschwiegen wird: nicht nur Mineralstoffe werden den Schweinen verfüttert, sondern eine Vielzahl von Vitaminen (inkl. Vit B12) und anderen Zusatzstoffen. Das Futter ist tagtäglich das gleiche und die Struktur ist praktisch immer ein Brei, dabei würden Schweine gerne auch Grünfutter essen – und eben auch Stroh.

DIESE SCHWEINEHALTUNG IST EINE KULTURSCHANDE!

Ja, es stimmt natürlich, dass die Schweinehaltung "früher" auch nicht optimal war. Auch wenn weniger Tiere an einem Betrieb gehalten wurden, hatten diese oft nicht mehr Platz und mussten manchmal buchstäblich in ihren eigenen Exkrementen leben. Aber in Österreich gibt es ein steigendes Maß an Tierschutzbewusstsein, das verbesserte Tierhaltungsstandards fordert. Die Antwort von SAUGUT darauf scheint zu sein, die Menschen auf ein Niedrig-Niveau zu eichen. Fürchterliche Lebensbedingungen werden verharmlost mit Begründungen wie höherer Wirtschaftlichkeit und "mit der Zeit gehen". Gemeinsam mit "einfachen Botschaften" der Werbeindustrie werden die KonsumentInnen einseitig "informiert". Vergleicht man jedoch die Standards, die der durchschnittlichen Bevölkerung als angemessen erscheinen und nimmt man den Stand der Wissenschaft auch nur ein wenig ernst, so muss man anerkennen: es ist eine Schande, wie die österreichische (Schweine-)Bauernschaft ihre Tierhaltung betreibt! (Es gibt Ausnahmen!) Es ist eine Kulturschande, wenn man den menschlichen Lebensstandard (und auch derer unserer geliebten Haustiere) vergleicht mit dem Lebensstandard in der Nutztierhaltung! Die Bedürfnisse der Tiere sind im Prinzip immer gleich, egal, wofür oder wie sie vom Menschen genutzt werden!

Forderungen des VGT:

  1. Kritische Medienberichterstattung:
    Tierschutz ist den Menschen wichtig – sie wollen informierte Entscheidungen treffen können. Medienberichte dürfen keine Werbefilme sein! Es wird immer wieder betont, dass die KonsumentInnen nicht bereit wären, mehr zu zahlen. Die KonsumentInnen seien schuld an niedrigen Preisen und niedrigen Standards. Die Desinformationskampagne von SAUGUT ist sicherlich nicht hilfreich, die Bereitschaft der KonsumentInnen zu steigern, mehr für Fleisch zu bezahlen. Die Stimmen von unabhängigen (Verhaltens-)ExpertInnen muss gehört und kommuniziert werden!
  2. Initiative und Bekenntnis des Tierschutzlandesrats Anton Lang:
    LR Lang und der gesamte Landtag müssen sich der Schweinehaltung in der Steiermark annehmen. Es braucht eine effektive Umsetzung und Kontrolle zumindest der bestehenden Tierschutzgesetze! Das Tierschutzgesetz ist Bundessache. Und man hat kürzlich gemerkt, welch niedrigen Stellenwert der Tierschutz in der ÖVP-SPÖ-Regierung hat. Nicht einmal die grausame Kastration männlicher Ferkel wurde verboten, hier wird abgewartet! Doch wozu haben wir einen Tierschutz-Landesrat? Wo ist seine kritische Stimme im großen Problembereich der Nutztierhaltung? Die Politik sollte die Wünsche der Menschen wahr und ernst nehmen und dementsprechend umsetzen! Rigorose Kontrollen des bestehenden Tierschutzgesetzes würden das Leid drastisch reduzieren!
  3. Supermärkte und der Handel müssen ihrer Verantwortung nachkommen:
    Billigfleisch und Angebotspolitik im Fleischsektor führt zu Tierleid und muss beendet werden. Die KonsumentInnen sollen z.B. durch eine aussagekräftige Fleischkennzeichnung bezüglich der Haltungsbedingungen informiert werden. Das können die Supermärkte jederzeit freiwillig einführen bzw. die Politik dazu drängen, dies für alle geltend umzusetzen!

Tierschutz ist ein Anliegen praktisch aller Menschen in Österreich und sollte endlich dementsprechend ernst genommen werden!