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Das Sozialverhalten von Schweinen

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (16.01.2022)

Wien, 16.01.2022

Wissenswertes über das Sozialleben von Hausschweinen.

Schweine sind soziale Tiere, die Beziehungen zu anderen pflegen. Sie kuscheln und spielen gerne und haben eine strenge Rangordnung. Im Alter von wenigen Monaten werden Schweine geschlechtsreif, wobei die Mütter gerne ein weiches Nest für die Geburt bauen. Die Ferkel sind bereits bei der Geburt voll entwickelt und werden nach einigen Wochen in die Gruppe eingeführt. In der Massentierhaltung können die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie Suhlen oder Spielen, leider nicht ausführen.

Sozialleben

Schweine sind sehr sozial. Innerhalb einer Gruppe (auch Rotte genannt) pflegen sie ein Netz aus sozialen Beziehungen. Die Bindung zwischen verwandten Tieren ist in der Regel besonders ausgeprägt. Sozialkontakte werden gepflegt, indem die Tiere die meisten Verhaltensweisen, wie etwa Trinken oder Suhlen, gemeinsam ausführen. Schweine spielen außerdem sehr gerne. Das Spielen ist ein Anzeichen von Wohlbefinden und hat keinen Ernstbezug. Die Schweine lernen dabei z.B. das angemessene Verhalten in einer sozialen Gruppe. Ein typisches Spiel ist der Wange-an-Wange-Kampf, wobei versucht wird, dem anderen ins Gesicht, den Nacken oder die Schultern zu beißen. Ältere Tiere spielen weniger.

Rangordnung

Schweine haben in ihren Gruppen eine Rangordnung, die sich bei gleichaltrigen Tieren bereits aus der Saugordnung der Ferkel an der Mutter ergibt. Bei Umgruppierungen bilden sich neue Gruppen, wobei zwischen fremden Schweinen Aggressionen auftreten können. Um diese zu vermeiden, sollte genügend Platz vorhanden sein, damit niederrangige Tiere den höherrangigen ausweichen können. Neue Rangordnungen werden durch Auseinandersetzungen und Kämpfe festgesetzt. Eine soziale Gruppe von Schweinen ist fremden Schweinen oder Gruppen gegenüber aggressiv, neue Einzeltiere werden erst nach Monaten akzeptiert. In der Massentierhaltung ist es den Schweinen meist nicht möglich, einander auszuweichen, was oft zu Verletzungen und Fehlverhalten führt.

Brunst

Weibliche Schweine werden mit fünf bis acht Monaten, männliche mit vier bis sieben Monaten geschlechtsreif. Während Eber dauerhaft paarungsbereit sind, teilt sich die Brunst der Sauen in drei Phasen. Sie beginnt mit dem sogenannten Proöstrus, der zwei Tage vor der Paarungsbereitschaft beginnt. In der Natur schließt sich die Sau in dieser Zeit einem Eber an, lässt ihn aber noch nicht aufspringen. Dann folgt die Zeit des Östrus, auch Vollrausche genannt. Auch diese dauert zwei Tage. Die Sau nimmt in dieser Zeit weniger Nahrung zu sich und es ist ein Duldungsreflex zu beobachten, wenn der Eber aufspringt, durch den das mehrere Minuten dauernde Paarungsverhalten vollzogen werden kann. Danach folgt der ebenfalls zwei Tage andauernde Metöstrus, wo die typischen Verhaltensweisen der Rausche wieder abklingen. In der Massentierhaltung ist es den Schweinen nicht möglich, diese natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Stattdessen wird den Säuen das Hormon PMSG zur Brunst-Synchronisation verabreicht, damit alle Tiere zur gleichen Zeit schwanger werden und die Ferkel zur selben Zeit zur Welt kommen. Dieses Hormon wird aus dem Blut schwangerer Stuten, sogenannter Blutstuten, gewonnen, eine grausame Tierquälerei. Außerdem sterben in der Schweinehaltung immer wieder Ferkel, weil sie keine Milch bekommen. Schwache Tiere, die es nicht bis zum Gesäuge schaffen, können nicht trinken und verhungern oft über Stunden und Tage. Hilfe durch Menschen bekommen die Neugeborenen meist keine, wie Aufdeckungen des VGT zeigen.

Mutter-Kind-Beziehung

Vor der Geburt baut die Mutter unter natürlichen Umständen ein weiches Nest. Studien haben gezeigt, dass es sich dabei um ein angeborenes Verhalten handelt, dass sie unter allen Umständen auszuführen versucht. In der Fleischindustrie ist das leider nicht möglich, stattdessen verbringen viele Müttersäue die Zeit rund um die Geburt in einem Kastenstand, der jegliche Bewegung verunmöglicht. Schweine sind direkt nach der Geburt voll entwickelt. In der ersten Zeit nach der Geburt verlassen die Ferkel das Nest kaum, sondern liegen mit Körperkontakt zu anderen Ferkeln, um sich gegenseitig zu wärmen, wenn die Mutter auf Nahrungssuche ist. Ab der zweiten Woche folgen sie der Mutter über kurze Entfernungen. Danach suchen die Mütter oft Kontakt zu Müttern mit gleichaltrigen Ferkeln, mit denen sie auch gemeinsame Nester bauen. Erst nach drei bis vier Wochen schließen sie sich wieder der Gruppe an. Ab dem dritten Lebensmonat lockert sich die Bindung zwischen Mutter und Kind, mit durchschnittlich 88 Tagen sind die Ferkel von der Muttermilch entwöhnt.

Quellen

Schmidt, Ann-Kathrin (2004): Normalverhalten beim Hausschwein. Projektarbeit, Fachbereich Nutztierethologie und Tierhaltung, Universität Kassel.

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