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Schleien in der Fischzucht

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (25.01.2024)

Wien, 25.01.2024

Die Schleie (Tinca tinca) ist der Fisch des Jahres 2024. Der VGT ruft dazu auf, Schleien zu schützen.

Der VGT informiert aus Sicht des Tierschutzes über den Fisch des Jahres. Es gibt unterschiedliche Themenbereiche. Über Schleien und Angelfischerei wurde im Webartikel Fisch des Jahres 2024: Die Schleie berichtet. In diesem Artikel geht es um die Zucht von Schleien. Aus der Sicht des VGT handelt es sich dabei um Geschäftemacherei auf Kosten der Fische.

Geschäft mit Schleien als Besatzfische

Schleien werden gezüchtet, um als Speisefische oder als Besatzfische verkauft zu werden. Besatzfische sind Fische, die gebrütet und zu Jungfischen aufgezogen werden, um in einem Gewässer ausgesetzt zu werden. 15 österreichische Fischzuchtbetriebe bieten Schleien als Besatzfische an. Die aktuellen Preise für 1 kg lebende Schleien in der Größe zwischen 10 und 20 cm und einem Gewicht von 200 bis 1000 Gramm liegen zwischen 6,50 und 16,95 Euro. Im Jahr 2022 wurden insgesamt 78.101 Stück Jungschleien in österreichischen Fischzuchtbetrieben produziert.1 Unterschiedliche Berechnungen mit diesen Daten ergeben Summen zwischen 253.828 Euro und 1.323.811 Euro, die sich mit dem Verkauf von Besatzschleien verdienen lassen.

Besatzfische für Angelfischerei

Gekauft werden Besatzfische gerne von Fischereivereinen oder Angelteichinhaber:innen, um sie in Angelgewässern auszusetzen. Warum wird ausgesetzt? Hauptsächlich, damit die Fische nach einiger Zeit geangelt werden können, nicht um die Schleienpopulation in einem Angelgewässer durch die Besatzfische nachhaltig und langfristig zu stärken. Es geht also nicht um Fischschutz, sondern um die Befriedigung der Angelgelüste von Fischer:innen.

Den finanziellen Aufwand, den die Käufer:innen von Besatzschleien haben, holen sie sich durch unterschiedliche Einnahmen wieder zurück, die von den Fischer:innen verlangt werden. Das können Gebühren für die Erlaubnis des Angelns an einem Gewässer in Form von Fanglizenzen, Tages-, Wochen- oder Jahreskarten sein. Oder Beiträge für Vereinsmitgliedschaften. An manchen Angelteichen müssen Fischer:innen auch für die gefangenen und getöteten Schleien zahlen.

Schleien in der Speisefischproduktion

Ein einträgliches Geschäft ist auch die Brut, Aufzucht und der Verkauf von Schleien als Speisefische. 4.687 kg Schleien in Lebendgewicht wurden im Jahr 2022 in österreichischen Fischzuchtbetrieben produziert.1 Das klingt nicht nach viel. Aber bei einem aktuell gültigen Durchschnittspreis von 50 Euro für ein Kilo essfertige Schleie sind das immerhin doch 234.350 Euro.

Schleien werden in österreichischen Fischzuchtbetrieben hauptsächlich als Nebenfische in Karpfenteichen aufgezogen. Die Haltungs- und Lebensbedingungen dieser extensiv bewirtschafteten Schleien entsprechen weitgehend den natürlichen Lebensbedingungen dieser Fischart.3 Aus Sicht des VGT problematisch sind alle Aktivitäten, bei denen die Schleien aus dem Wasser geholt werden. Entweder, um sie in andere Teiche umzusetzen. Oder um sie nach Erreichen der Besatzfisch- oder Speisefischgröße abzufischen. Schleien die als Speisefische enden, werden vor dem Verkauf oder der Schlachtung in Hälterungsbecken gesetzt und dort tage- oder wochenlang gehältert. Das bedeutet, die Schleien erhalten wochenlang kein Futter und sie werden in strukturlosen Wasserbecken in zu hohen Besatzdichten gehalten. Das ist ähnlich wie das Zwangsfasten bei Karpfen. Wir vom VGT halten das für Tierquälerei.

Fragwürdige Brutmethoden

Problematisch sind auch künstliche Brutmethoden von Schleien. Diese Form der Erzeugung von Schleienbrut ist ein unnatürlicher Vorgang. Dabei werden den weiblichen und männlichen Laichfischen synthetische Hormone gespritzt. Wird so verfahren, kann die gesamte Eimenge auf einmal gewonnen werden, heißt es dazu in einer Fachpublikation der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft.2 Die befruchteten Eier von Schleien sind sehr klebrig, deshalb ist bei der künstlichen Erbrütung die Entklebung offensichtlich notwendig. Die Verwendung von alkalischen Lösungen wird empfohlen, weil damit wesentlich höhere Schlupfraten erreicht werden.2 Die Verwendung synthetischer Hormone ist ein manipulativer Eingriff in das Brutverhalten der Fische. Das verletzt die Rechte und Würde der Fische. Der Einsatz chemischer Mittel ist unnatürlich und kann negative Folgewirkungen haben. Aus Sicht des VGT sind derartige Methoden abzulehnen.

Problematisches Fischfutter

Problematisch ist auch das Futter für Schleien in der Fischzucht. Frei und natürlich lebende Schleien ernähren sich hauptsächlich von Schnecken, Würmern, Insektenlarven und kleinen Muschelarten. Deshalb wird in der Fischzucht Fischfutter mit hohem Protein- und Fettgehalt empfohlen. Da eine Getreidezufütterung bei Schleien nicht möglich ist, kann eine effektive Aufzucht großer Chargen qualitativ hochwertiger Speiseschleien nur mittels Verabreichung vollwertiger Mischfuttermittel erfolgen.2 Dieses Fischfutter wird am Markt angeboten. Fettquelle ist oft Fischöl, Proteinquelle Fischmehl. Fischöl und Fischmehl sind Nebenprodukte der industriellen Meeresfischerei, die ausbeuterisch, nicht nachhaltig und tierquälerisch ist. Die Proteinquelle im Fischfutter kann auch Tiermehl sein. Beispielsweise Geflügelmehl, das aus Schlachtabfällen hergestellt wird.

Besser keine Schleie am Speiseteller

Die meisten Schleien werden gezüchtet und getötet, um gegessen zu werden. Um den Schleien auch in diesem Bereich zu helfen, empfiehlt der VGT, auf den Konsum von Schleien zu verzichten. Mag. Erich Schacherl: Wir vom VGT bitten alle Fischesser:innen, im Jahr 2024 auf den Konsum von Schleien zu verzichten. Zeigen Sie Verantwortungsbewusstsein und setzen Sie sich so für den Schutz der Schleien ein.

Quellen

  1. Statistik Austria: Aquakulturproduktion 2022
  2. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Fachbroschüre Karpfenteichwirtschaft, 2007
  3. vgl. Geldhauser, Franz und Peter Gerstner: Der Teichwirt – Anleitung zur Zucht und Haltung des Karpfens im Haupt- und Nebenbetrieb einschließlich der Nebenfische. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin 2002

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