18.03.2026, Wien
VGT-Riesenhuhn räumt mit Eier-Mythen auf
Eine Protestaktion des VGT macht heute am Stephansplatz auf die Missstände in der Eierproduktion aufmerksam.
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
Jedes Jahr zur Osterzeit leuchten bunt gefärbte Eier aus allen Supermarktregalen. Doch das Leid der Legehennen bleibt meist hinter Mauern verborgen. Um mit gängigen Mythen rund um Eier aufzuräumen, hat der VGT neue Bilder aus einer Bodenhaltung veröffentlicht und eine kreative Protestaktion am Stephansplatz veranstaltet.
Wien, 18.03.2026, nach dem Motto „Sei zu Hühnern lieb, sei kein Eierdieb“ machen VGT-Aktivist:innen heute am Stephansplatz auf die Missstände in der Eierindustrie aufmerksam. Dazu gesellt sich ein riesiges aufblasbares Huhn, das die Eier im Nest schützen will. „Süßigkeit statt Hühnerleid“ steht auf dem Osterkorb der Tierschützer:innen, aus dem sich Passant:innen vegane Schokoladeostereier nehmen dürfen. Die Aktion folgt der gestrigen Veröffentlichung neuer Aufnahmen aus einem niederösterreichischen Legebetrieb. Der VGT möchte damit Eier-Mythen, die sich hartnäckig in der Gesellschaft halten, aufklären.
Zu Ostern feiert man das Leben. Besonders in dieser Zeit sollte man respektvoll und wertschätzend mit allen Lebewesen umgehen. Ostertraditionen, die auf dem Einsatz von Tierprodukten beruhen, wie das Verteilen gefärbter Eier, widersprechen diesem Grundgedanken aus meiner Sicht aufs Gröbste. In der Regel wird den Hennen in der heutigen Eierindustrie ihr Leben nach knapp eineinhalb Jahren auf brutale Art und Weise genommen. Davor leben sie oft unter widrigsten Umständen.
Realität: Die Bodenhaltung von Legehennen hat zwar unbestreitbare Vorteile gegenüber der früher verbreiteten Käfighaltung, doch dem VGT zugespielte Aufnahmen von Februar und März 2026 zeigen einmal mehr: Artgerecht ist sie nicht. Dennoch leben derzeit rund 56 % der österreichischen Hennen in Bodenhaltung1. Die dokumentierten Zustände sind für empathische Menschen skandalös, entsprechen aber weitestgehend der legalen Norm. Auf jedem Quadratmeter der kargen Halle drängen sich 7-9 Hennen2. Im besten Fall mit baulich geschlossenem und überdachtem Außenbereich, jedoch immer ohne Zugang zu einer Wiese und teilweise sogar ohne Tageslicht.
Wie auch der hier gezeigte Betrieb sind Bodenhaltungen üblicherweise riesige Hallen, in denen Gruppen von mehreren Tausend Hennen gehalten werden. Es ist eng und schrecklich laut. In den oberen Etagen der Bodenhaltungssysteme stehen die Hühner auf Gittern, lediglich der Hallenboden ist dünn eingestreut.
Die aktuellen Bilder aus dem Frühjahr 2026 zeigen mehrere tote und bereits verwesende Tiere. Studien zufolge sterben allgemein 2-12 % der Legehennen bereits im Legebetrieb3.
Eine Henne steht gekrümmt in abnormaler Körperhaltung und mit kahler Brust - womöglich ein Hinweis auf typische Krankheitsmuster von Legehennen. Ein Großteil der Legehennen erleidet beispielsweise im Lauf ihres Lebens einen schmerzhaften Bruch des Brustbeins4,5.
Realität: Das ursprüngliche Huhn legt, genauso wie andere Vögel, wenige Eier pro Jahr zur Fortpflanzung. Nachdem das Nest gefüllt ist, werden die Eier ausgebrütet und die Kücken großgezogen. Heutige Legehennen hingegen wurden gezielt darauf gezüchtet, unnatürlich viele Eier zu legen. Zudem fehlen ihnen natürliche Legepausen, da die Eier laufend weggenommen werden und nicht ausgebrütet werden können. Das macht sie krank und verletzungsanfällig. Beispielsweise erleidet ein Großteil der Legehennen im Lauf ihres Lebens einen schmerzhaften Bruch des Brustbeins4,5. Auch Erkrankungen der Legeorgane sind ein gängiges Problem6. Zum Vergleich: Während Legehennen mehr als 300 Eier pro Jahr legen, sind etwa 20 Eier im Jahr für ein ursprüngliches Bankivahuhn bereits viel.
Realität: Legehennen gehören Hochleistungszuchten an, die unnatürlich viele Eier legen. Nach einem bis eineinhalb Jahren beginnt ihre Legeleistung langsam zu sinken. Obwohl sie weiterhin viele Eier legen würden, werden sie bereits in diesem jungen Alter geschlachtet und durch neue Hennen ersetzt. Nicht nur die älter werdenden Hennen, sondern auch die männlichen Kücken der Legerassen sind für die Eierindustrie unbrauchbar. Es existiert zwar mittlerweile ein Verbot, die Hahnenkücken zu töten, jedoch hat das Verbot eine wesentliche Ausnahme, die es beinahe obsolet macht: Kücken, die als Futter für andere Tiere in Gefangenschaft gedacht sind, dürfen sehr wohl getötet werden. Das betrifft fast alle Hahnenkücken, die in Österreich schlüpfen und so werden weiterhin jährlich rund 10 Millionen von ihnen durch Ersticken mit CO2 getötet.
Realität: Die Tierindustrie nutzt diesen Mythos als Argument gegen weitere Verbesserungen der Haltungsbedingungen für Tiere. Tatsächlich ist aber das Gegenteil eingetreten. Seit dem Inkrafttreten des Käfigverbots für Legehennen ist der Selbstversorgungsgrad bei Eiern kontinuierlich gestiegen, bis er im Jahr 2022 den bisherigen Höchstwert von 94 % erreicht hat7. In den letzten Jahren zeigt sich erfreulicherweise sogar ein Rückgang der Bodenhaltungen, während Freilandhaltungen zunehmen. Das österreichische Käfigverbot gilt als Paradebeispiel für die erfolgreiche Umsetzung einer bedeutenden Tierschutzmaßnahme.
(3) Schuck-Paim, C., Negro-Calduch, E., & Alonso, W. J. (2021). Laying hen mortality in different indoor housing systems: a meta-analysis of data from commercial farms in 16 countries. Scientific Reports, 11(1), 3052. Supplementary Material: https://www.hen-welfare.org/mortality-data.html (Zuletzt aufgerufen am 17.03.2026)
(7) Statistik Austria Versorgungsbilanz
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