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Zu Besuch bei Toni Hubmanns Zwei-Nutzungsrassen-Hühnerbetrieb in Knittelfeld

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.09.2014)

Knittelfeld, 30.09.2014

Hühnerindustrie: vergaste männliche Eintagsküken, ausgemergelte Legehühner, Masthühner mit Monsterwachstum - Toni Hubmann zeigt auf, wie es auch anders geht

Hühnerindustrie: vergaste männliche Eintagsküken, ausgemergelte Legehühner, Masthühner mit Monsterwachstum - Toni Hubmann zeigt auf, wie es auch anders geht

Maximaler Profit ist die Maxime überall in der Tierindustrie. Die sogenannten Nutztiere werden an ihr biologisches Limit gedrängt, um mit möglichst wenig finanziellem Aufwand in möglichst kurzer Zeit möglichst viel an Fleisch, Milch und Eiern zu produzieren. Das Tierwohl ist dabei schon längst auf der Strecke geblieben, ja es spielt nicht einmal eine Rolle. Die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, dass nur glückliche Tiere viel "leisten", kann durch einen einzigen Blick in Österreichs Tierfabriken widerlegt werden. Waren es die glücklichsten menschlichen SklavInnen, die im 19. Jahrhundert am meisten Baumwolle oder Zuckerrohr aus den Plantagen gewonnen haben? So auch im Tierschutz. Auf das Wohl der Tiere Rücksicht zu nehmen kostet Geld. Die Tierprodukte werden dadurch teurer - und weniger! Ein glücklicheres Huhn z.B. legt weniger Eier als die Hühner der hochgezüchteten Superrassen in den Tierfabriken.

Toni Hubmann ist seit Jahrzehnten ein Pionier in der Freilandhaltung von Hühnern. Ging es ihm aber bis vor einigen Jahren nur um Legehühner, so hat er nun auch Masthähne auf seinem Hof. Der Grund: auch für die gesündeste Henne in bester Freilandhaltung werden die männlichen Brüder, die Hähne, nach dem Schlupf in der Brüterei noch am ersten Lebenstag vergast. Sie sind "unnütz", weil sie unprofitabel wenig Fleisch ansetzen. Schon lange hat man nämlich die Hühner in Zuchtlinien für Lege- und Masthuhnrassen getrennt. Die einen legen fast täglich ein Ei, die anderen wachsen in Rekordzeit bis zum Schlachtgewicht heran. Männliche Legehuhnküken "entsorgt" man daher.

Nicht mehr bei Toni Hubmann. Er experimentiert seit einigen Jahren mit sogenannten Zwei-Nutzungsrassen, also Hühnern, die weniger Eier legen, deren Hähne dafür aber Fleisch ansetzen. Er bezieht alle 5 Monate 6000 Eintagsküken aus Deutschland. Die 3000 Hähne werden bis zur Schlachtung knapp vor der Pubertät (also knapp 100 Tage) gemästet, die Hühner bleiben fast 3 Jahre am Leben und legen Eier. Dazu wird ihnen an Toni Hubmanns Hof in Knittelfeld eine geräumige Halle, ein überdachter Außenscharrraum für schlechtes Wetter und eine beeindruckend große Weide geboten.

Die konventionelle Tierfabrikshaltung sowohl von Mast- als auch Legehühnern ist eine Katastrophe für die Tiere, selbst wenn man die Kükentötungen außer Acht lässt. Die Bio-Freilandhaltung ist dagegen eine Dimension besser, aber dennoch oft problematisch. Auf Toni Hubmanns Hof wird jetzt selbst diese Haltungsform um einen großen Schritt übertroffen: - Die Masthähne wachsen wesentlich langsamer, sodass sie sich normal bewegen und den Freilauf überhaupt nutzen können - Die Legehennen produzieren um 30% weniger Eier und belasten ihre Körper entsprechend wesentlich geringer - auch sie können länger leben (und das sogar mit einem Hahn pro 50 Hennen in der Herde)

Wir erinnern uns an den Versuch des Tierschutzministeriums, die Besatzdichten bei Masthühnern von momentan gültigen 30 auf 39 kg/m2 Lebendgewicht anzuheben. Die Biohaltung schreibt maximal 21 kg/m2, und mit Außenscharrraum (der 1 Drittel mehr Platz bietet) bis 28 kg/m2 vor. Bei Toni Hubmann leben die Masthähne trotz Außenscharrraum auf maximal 15 (!) kg/m2 in der Halle und haben noch dazu einen großzügigen Auslauf. Die Folge ist natürlich ein drastischer Preisunterschied: konventionell bezahlt man EUR 3/kg Hühnerfleisch, für Bio ca. 7-8 EUR/kg und bei Toni Hubmann EUR20/kg. Eine entsprechende Lebensqualität für die Tiere hat eben ihren Preis!

Aber Achtung! Wir sprechen hier von der Haltung auf dem Hof von Toni Hubmann. Die Eier für das Label "Toni's Freilandeier" werden von gut 150 ProduzentInnen hergestellt, die zwar den Haltungsvorgaben der Label "Tierschutz geprüft" und Bio-Freilandhaltung folgen, aber nicht den deutlich besseren Bedingungen auf Hubmanns Hof.

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