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Probleme bei Lebendtiertransporten ins EU-Ausland

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (06.04.2017)

Wien, 06.04.2017

Schlechte oder fehlende Tierschutzbestimmungen und keinerlei Kontrolle am Zielort und trotzdem werden europäische Tiere tagtäglich über die EU-Grenzen hinaus exportiert.

Jedes Jahr werden über eine Million europäische Rinder per LKW und per Schiff in die Türkei, den Mittleren Osten und Nordafrika in Länder verschickt, die keinerlei Gesetze besitzen, um die Tiere vor brutaler Behandlung zu schützen. In Ägypten, eines der Hauptimportländer für europäische Rinder, sind beispielsweise der Einsatz grausamer Praktiken wie das Durchschneiden der Fußsehnen oder das Blenden der Tiere durch Augenstechen um sie ruhig zu stellen an der Tagesordnung. Die Tierschutzorganisation Animals International hat einige grausame Fälle der Tierquälerei an europäischen Rindern aufgedeckt. Sie hat unter anderem Videomaterial gesammelt, auf dem zu sehen ist, wie ausgewachsene Stiere bei vollem Bewusstsein auf einem Bein aufgehängt werden, bevor sie den tödlichen Schnitt durch die Kehle erhalten. Die Schlachter sind oft unausgebildet und haben Angst vor den Tieren, weshalb es zu zusätzlichen unnötigen Tierquälereien kommt. Die Schlachttrommel wird falsch eingesetzt, diese an sich schon nicht sehr angenehme Methode hat den Sinn, dass sich die Kehle durchstreckt und so leichter und exakter zu durchtrennen ist. Bei einem Video aus Ägypten ist deutlich zu sehen, dass schon viel zu früh angesetzt wird und mehrmals geschnitten werden muss. Außerdem wurde die Misshandlung der Tiere mit Elektroschockern dokumentiert, auf manchen Videos ist zusätzlich zu sehen, wie mehrere Männer sich auf ein Tier stürzen, um es festzuhalten.

Doch bereits die Überfahrt in dieses Länder ist für die Tiere eine Tortour. Leider gibt es derzeit keine Vorschriften, die besagen, dass ein Tierarzt die Schifffahrt begleiten muss, obwohl dort tausende Tiere zusammengepfercht für bis zu 15 Tage in schlechten Bedingungen verbringen müssen. Viele der eingesetzten Schiffe besitzen nur unzureichende Ausstattung, um Tiere zu transportieren. Dies führt häufig zu Verletzungen und die Tiere leiden zusätzlich an Schmerz und Stress durch den langen Aufenthalt an Bord. Krankheiten können sich durch die Begebenheiten am Schiff schnell ausbreiten und führen auch oft zum Tod der Tiere.

Es gibt internationale Übereinkommen über den Schutz von Tieren, wie die Standards der OIE (World Organisation for Animal Health), welche den Tierschutz auch über die Grenzen der Exportländer hinaus sichern sollen. Diese schreiben die international anerkannten „Fünf Freiheiten“ vor: Freiheit von Hunger, Durst und Mangelernährung; Freiheit von Angst und Not; Freiheit von physikalischem und thermischem Diskomfort; Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit; und Freiheit zum Ausleben normaler Verhaltensmuster. In einem Urteil des EuGH ist außerdem festgehalten, dass die Bestimmungen für Transporte aus einem EU-Land nicht an den EU-Grenzen enden, sondern bis an den Zielort eingehalten werden müssen. Diese Vorgaben werden allerdings beim Transport der Tiere meist nicht eingehalten. Im Gegenteil finden sich auf Schiffen häufig katastrophale Zustände, die Tiere stehen oft zentimetertief in ihren eigenen Exkrementen und tragen eine Kotschicht im Fell. Dadurch können sie ihre Körpertemperatur nicht mehr ausreichend regulieren, zusätzlich zur mangelhaften Belüftung kommt es häufig zu Überhitzungen. Die Wasserversorgung ist durch die Verschmutzung mit Exkrementen und Krankheitserregern oft unzureichend und Fütterungsanlagen funktionieren nicht einwandfrei. Selbst bei ausreichend bereitgestelltem Futter schaffen es rangniedrigere Tiere oft nicht zu den Trögen und verhungern.

Die Eurogroup for Animals, ein Zusammenschluss europäischer Tierschutzorganisationen, fordert die EU-Kommission sowie die betreffenden Exportländer dazu auf, sofort ein Regulierungssystem zu implementieren, das die Exporteure in die Verantwortung stellt, die OIE Standards für die Tiere zu überprüfen, wie dies beispielsweise schon in Australien passiert. Außerdem soll die Verordnung 1/2005 zum Tierschutz bei Tiertransporten sowohl für Land- als auch für Schiffstransporte überarbeitet und verbessert werden. Ein Amtstierarzt soll künftig alle Lebendtransporte auf Schiffen begleiten und Krankheiten und Verletzungen sowie Todesfälle am Schiff sollen zwingend dokumentiert werden müssen. Der VGT unterstützt diese Forderung. Mit der Petition soll aufgezeigt werden, dass die Österreichische Bevölkerung über die katastrophalen Zustände beim Transport in EU-Drittländer und den Bedingungen in den örtlichen Schlachthöfen Bescheid weiß und sich klar gegen diese ausspricht. Die Regierung wird aufgefordert, die Forderungen der Eurogroup auf EU-Ebene zu unterstützen und außerdem keine Tiere aus Österreich mehr in Länder ohne Tierschutzbestimmungen zu exportieren.

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