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Verunfallter Schweinetransport auf der A9 – Ferkel brüten in der Hitze

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (29.07.2020)

Obersteiermark, 29.07.2020

Ein Reifenplatzer setzte einen Langstrecken-Transport von Schweinen auf der A9 Richtung Graz außer Gefecht. Einsatzkräfte mussten Tiere mit Wasser versorgen. VGT kritisiert die Durchführung des Transports.

Gestern Vormittag zwang ein Reifenplatzer einen Schweinetransport mit 800 bis 900 Tieren auf einem Autobahnparkplatz vor dem Bosruck-Tunnel zum Stillstand. Er war von den Niederlanden nach Kroatien unterwegs. Nach Information einer Augenzeugin schrien die Schweine fürchterlich und schienen kein Wasser zur Verfügung gehabt zu haben. Einsatzkräfte mussten die Tiere mit Wasser versorgen.

Für einige kam jede Hilfe zu spät

Nach anhaltender Zwangspause in der brütenden Hitze des gestrigen Tages sollen die Tiere auf einen anderen Transporter umgeladen worden sein. Laut Zeug_innen vor Ort kamen dabei auch bereits tote Tiere zum Vorschein. Ob sie bereits während der Fahrt, während der Hitze auf dem Parkplatz oder während des Umladens verstarben, ist unklar. Die überlebenden mehr als 800 Tiere wurden weiter an den Bestimmungsort des Transports nach Kroatien transportiert.

Kein Transport bei 35°C!

Die EU-Transport-Verordnung schreibt für Langstreckentransporte eindeutig vor, dass diese nicht abgefertigt oder durchgeführt werden dürfen, wenn es irgendwo entlang der Strecke 30°C bzw. (inkl. Toleranz-Grad) 35°C hat. Der gestrige Tag war außerordentlich heiß in Österreich – laut der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) wurden gestern zwischen 30° und 37°C prognostiziert. Es ist skandalös, dass dieser Transport überhaupt stattfand bei dieser Hitze, so VGT-Aktivistin Lena Remich. Es obliegt übrigens auch jeder Behörde entlang der Strecke, diese gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Tiere durchzusetzen. Doch hier wurde der Transport nach dem Umladen offenbar einfach weitergeschickt.

Ferkel-Export als Geschäft

Auf der A9 sind diese Schweinetransporter in Richtung Kroatien ein bekanntes Bild. Ihr Ursprung in den Niederlanden ist auch nicht überraschend. 2018 wurden von dort insgesamt mehr als 2,6 Millionen Schweine zum Schlachten und mehr als 7,4 Millionen zur Mast exportiert1. Nach Kroatien gingen davon 115.224 Schweine zur Schlachtung und 29.587 zur Mast. Nach Österreich wurden 2018 mehr als 32.000 niederländische Schweine zur Mast exportiert. Insgesamt wurden im Jahr 2018 415.079 Schweine zur direkten Schlachtung nach Österreich transportiert (die meisten aus Deutschland, gefolgt von Ungarn) und weitere 119.968 Schweine zur Mast (v.a. aus Deutschland und den Niederlanden.)

Transporte stoppen!

Eine typische Strecke aus den Niederlanden nach Kroatien umfasst mehr als 1200 km und mindestens 16 Stunden Fahrtzeit. Von den Niederlanden nach Österreich sind es immerhin noch rund 960 km und 13 Stunden auf der Straße (exkl. verpflichtender Pausenzeiten für die Fahrer_innen und Be- und Entladezeiten). In der aktuellen Corona-Situation sind auch die Grenzübergänge immer wieder Gefahrenorte für längere Wartezeiten – bei der großen Hitze erhebliches zusätzliches Leid für die Tiere. Die EU, aber insbesondere auch die Mitgliedsstaaten selbst müssen diesen tierquälerischen und völlig sinnlosen Langstreckentransporten von Schweinen und anderen Tieren endlich einen Riegel vorschieben!, so Remich. Nicht einmal die bestehenden Richtlinien zum minimalen Schutz der Tiere, wie etwa die 30°C-Temperaturgrenze, werden eingehalten. Wie kann das sein?

Der VGT wird in diesem Fall Anzeige erstatten.


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