Teilen:

Das Sozialverhalten von Rindern

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (22.01.2021)

Wien, 22.01.2021

4 spannende Fakten über das Sozialleben von Hausrindern

Rinder sind sehr soziale Tiere. Sie formen lebenslange Freundschaften und leben in einer strengen Herdenhierarchie, die viele soziale Konflikte verhindert. Außerdem haben Kühe starke Bindungen zu ihren Kindern, die ein Leben lang aufrecht bleiben.

Mutter-Kind-Beziehung

Gleich nach der Geburt leckt die Mutter ihr Kind trocken und muht dabei. Das Kalb kann seine Mutter dadurch schon nach kurzer Zeit an der Stimme erkennen und auch die Mutter erkennt ihr Kind an Stimme und Geruch. In der ersten Lebenswoche trinkt das Kalb sechs bis acht Mal täglich mehrere Liter Milch.1 Die Milch wird dabei im Stehen durch Saugen am Euter der Mutter aufgenommen.2 Ab der zweiten Lebenswoche führt die Kuh ihr Kind zur Herde. Haben auch andere Kühe gerade Kälber, kann sogar eine Art Kindergarten gegründet werden, wo die Kälber von erfahrenen Rindern beaufsichtigt werden. Ab dem fünften Monat beginnt das Kalb damit, in der Herde zu weiden und das Leben im Verband zu verbringen.1 In der Milchindustrie werden die Kälber allerdings bereits kurze Zeit nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Je länger Mutter und Kalb zusammenbleiben durften, umso stärker ist die Mutter-Kind-Beziehung ausgeprägt. Eine Trennung bewirkt dann, dass Mutter und Kalb intensiv nach einander suchen. Sie rufen laut und auch eine erhöhte Herzschlagfrequenz konnte bei Untersuchungen gemessen werden.2 Diese Trennung ist ein sehr traumatisches Erlebnis für die Tiere, die nur passiert, weil Menschen die Milch der Kühe trinken wollen.

Sozialleben

Weibliche Kälber bleiben zunächst bei ihrer Mutter und werden nach acht bis neun Monaten eigenständig, männliche Kälber nach elf bis zwölf Monaten. Auf Lebenshöfen verbringen die Kinder teilweise auch danach noch viel Zeit mit ihren Müttern und werden manchmal sogar über Jahre gesäugt. Die Familienbindung bleibt in den meisten Fällen aufrecht, verwandte Rinder weiden oft miteinander, beleckt werden ausschließlich Familienmitglieder und enge Freund:innen. Rinder bilden Herden mit strengen Hierarchien. Dabei können über 70 Herdenmitglieder wiedererkannt werden. In jeder Herde gibt es mehrere Anführer:innen, die zum Beispiel darüber entscheiden, wann sich die Herde wieder Richtung Stall oder Weide bewegt. Außerdem bilden Rinder lebenslange Freundschaften.1 Diese werden zum Beispiel durch gegenseitiges Belecken, gemeinsames Stehen oder Essen oder durch gemeinsames Spielen bei Jungtieren gezeigt. Gerade das Belecken fördert und stabilisiert die Beziehungen zwischen den Tieren.3

Herdenhierarchie

Rinder bilden Herden mit strengen Hierarchien. Höherrangige Tiere haben mehr Anrecht auf Futter oder bessere Liegeplätze. Durch die Hierarchie kommt es im Allgemeinen zu weniger aggressiven Auseinandersetzungen im Sozialverband.4 Abhängig vom Rang in der Herde halten Rinder einen Individualabstand zu anderen ein, der zwischen einem halben bis drei Metern beträgt. Für soziale Interaktionen, wie etwa das Belecken, kann dieser Abstand allerdings unterschritten werden. Innerhalb der Herdenhierarchie gibt es Aufstiegschancen. Ein Rind kann über verschiedene Provokationsgesten ein Tier mit der angestrebten Hierarchieposition herausfordern. Ein Kampf dauert meist nur wenige Sekunden bis maximal eine halbe Stunde. Sobald die Sache geklärt ist, gilt die neue Rangordnung als bestätigt, der Ausgang des Kampfes wird von allen akzeptiert.1

Brunst

Nach der Pubertät werden Kühe regelmäßig brünstig und signalisieren Paarungsbereitschaft. Der Brunst-Zyklus beträgt ca. 21 bis 25 Tage, die eigentliche Brunst dauert wenige Stunden. Brünstige Kühe brüllen häufig und bespringen andere Rinder. Wird eine brünstige Kuh besprungen, bleibt sie stehen, das nennt man den Duldungsreflex, eine nicht brünstige Kuh würde ausweichen.1 Während der Brunst verändern sich die Hormonkonzentrationen im Körper der Kuh, wodurch ihr Verhalten beeinflusst wird. An den Verhaltensänderungen lässt sich die Brunst leicht erkennen. Anzeichen sind beispielsweise erhöhte Nervosität, das gegenseitige Bespringen oder Veränderungen im Genitalbereich.5 In der Milchindustrie werden Kühe jedes Jahr künstlich besamt, um den Milchfluss am Laufen zu halten.

Quellen

  1. Butenland: Denise Hof, Jens Grote (2008): Paul: Ein Botschafter der Rinder. Stiftung Hof Butenland (Hg.)
  2. Dr. Wilfried Brade, Dr. Edwin Brade (2017): Verhaltensgenetische Aspekte bei Rindern. Teil I: Nahrungsaufnahme-, Ruhe- und Fortpflanzungsverhalten. Berichte über Landwirtschaft: Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft. Band 95, Ausgabe 1. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft (Hg.)
  3. Ökolandbau: Soziale Interaktionen
  4. Dr. Wilfried Brade, Dr. Edwin Brade (2017): Verhaltensgenetische Aspekte bei Rindern. Teil II: Temperament und Sozialverhalten. Berichte über Landwirtschaft: Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft. Band 95, Ausgabe 1. Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft (Hg.)
  5. Katharina Hämel (2009): Analyse von zyklusabhängigen Lauten beim Rind zur Erkennung der Brunst. Klinik für Klauentiere des Fachbereichs Veterinärmedizin, Freie Universität Berlin.

07.10.2026, Wien

VGT-Aktion: Tintenfische schützen, nicht essen

Morgen ist Welt-Oktopus-Tag. Brutale Methoden beim Fang sind weithin unbekannt

06.10.2026, Wien

Handelsgericht urteilt in SPAR-Klage gegen VGT: SLAPP weitgehend bekräftigt

Richterin bestätigt OGH-Urteil und 6 Verbote der EV zu Schweine-Vollspalten, verbietet dem VGT aber zusätzlich, wissenschaftliche Studien zu Mortalität und Tierwohl-Preisen zu zitieren

06.10.2026, Wien

Welt-Oktopus-Tag: VGT-Aktion am Stephansplatz

Tierschutz-Aktion in Wien soll tierquälerische Aspekte bei der Fischerei von Tintenfischen in den Fokus rücken

05.10.2026, Wien/Neutillmitisch(Stmk.)

VGT kritisiert Greenwashing bei Insekten-Hundefutter

Neue Studie stellt Umweltvorteile von Insektenprotein in Frage

01.10.2026, Wien

VGT vor dem Landwirtschaftsministerium: nicht vergessen, Schweine brauchen Stroh

Jahr 2026 neigt sich dem Ende zu: laut Tierschutzgesetz MUSS 2027 ein neuer Mindeststandard in der Schweinehaltung festgelegt werden!

29.09.2026, Wien

Freudentag für Kröten: Baubeginn Amphibienschutztunnel Hanslteich

1. Bauphase eingeleitet: VGT erfreut über rasche Durchführung

24.09.2026, Wien

Unter Schweinen – Der Undercover-Einsatz, den ich nie wieder wollte

Filmvorführung am 18. November 2026 in Wien mit anschließendem Gespräch mit Protagonistin Samara Eckardt und der Regisseurin Carmen Hammerschmidt

17.09.2026, St. Pölten

Tierschützer:innen fordern Konsequenzen für Horrorstall

50 Personen schließen sich trotz Regenwetters VGT-Demomarsch bis vor die BH St. Pölten an