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Wien/Bukarest, am 05.05.2021

Auf Trophäenjagd - Der in der Stmk wohnhafte Prinz von Liechtenstein erschießt geschützten Bär in Rumänien

Arthur, Europas größter wilder Bär, wurde von Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein in einem siebenbürgischen Schutzgebiet erschossen. NGOs fordern ein Ende der Trophäenjagd.

Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN und die rumänische Naturschutzorganisation Agent Green verurteilen die Tötung des Bären Arthur durch den Trophäenjäger Emanuel Liechtenstein, der in den rumänischen Karpaten auf Bärenjagd ging.

Dr. Emanuel Liechtenstein, Prinz von Liechtenstein und Burgherr der Riegersburg in der Steiermark, nutzte für die Jagd eine Ausnahmegenehmigung des rumänischen Umweltministeriums, die für eine kleine Bärin ausgestellt wurde. Die Bärin soll im vergangenen Sommer angeblich bei einer Farm im Dorf Ojdula in Siebenbürgen, Rumänien, Schaden angerichtet haben. Tatsächlich erschoss Dr. Liechtenstein aber einen tief in den Wäldern lebenden Bären, der nie in die Nähe einer menschlichen Siedlung gekommen war. Der Bär wurde viele Jahre lang von einem örtlichen Ranger von Agent Green beobachtet, hieß Arthur und war beliebt im ganzen Land. Die Tötung fand im Natura 2000-Schutzgebiet Oituz-Ojdula statt.
 

Petition gegen Trophäenjagd

 

Ann-Kathrin Freude, Campaignerin des VGT: Es ist eine Schande für Österreich, dass Prinz Emanuel diesen schönen, in Rumänien geliebten Bären, getötet hat. Es kann nicht sein, dass einflussreiche Österreicher:innen in anderen Ländern für viel Geld Jagd auf geschützte Tiere machen können! Die Jagd auf Trophäen ist generell verwerflich und wird auch von der Bevölkerung abgelehnt. Wir fordern ein generelles Verbot der Trophäenjagd und das Verbot der Einfuhr von Trophäen, wie beim Elfenbeinhandel und appellieren an den Prinzen, dieses blutige Hobby abzulegen.

Rumänien trauert über den Verlust des geliebten Bären

Gabriel Paun, Präsident der Naturschutzorganisation Agent Green: Arthur war 17 Jahre alt und der größte Bär, der jemals in Rumänien gesehen wurde, höchstwahrscheinlich der größte in ganz Europa. Das Jagdprotokoll stellt der Leiche von Arthur 592,8 von 600 Punkten aus, die bei der Trophäenjagd erreicht werden können. Eine so hohe Punktzahl wurde noch nie verzeichnet. Ich frage mich, wie der Prinz eine kleine Bärin, die in der Nähe eines Dorf gesehen wurde, mit dem größten männlichen Bären, der tief in der Wildnis lebt, verwechselt haben soll. Das ist Wilderei, weil sie den falschen Bären erschossen haben!

Der Braunbär ist eine durch EU-Recht und die Berner Konventionen streng geschützte Art. Ausnahmeregelungen können nur in bestimmten Fällen, nach eingehender Prüfung der Situation, gewährt werden. Die Tötung darf nur als letztes Mittel eingesetzt werden, wenn andere Optionen, wie die Umsiedlung, fehlgeschlagen sind und der Bär Menschenleben oder Haushalte gefährdet. Die EU-Kommission hat sogar den EU-Mitgliedstaaten zugestimmt, die lokalen Bauern und Bäurinnen unverzüglich für entstandene Verluste zu entschädigen.

Abschuss durch den Prinzen - Versehen oder geplant?

Die Beschwerden über eine angeblich wildernde Bärin, die statt Arthur hätte getötet werden sollen, wurden im Sommer letzten Jahres laut. Laut Bürgermeister der Gemeinde Ojdula, handelten alle von einer weiblichen Bärin mit Jungen. Eine Entschädigung für mögliche entstandene Schäden durch eine vermeintliche Bärenattacke gab es allerdings für keinen der Landwirt:innen. Auch nicht für den Bauern, der schließlich um die Tötung einer Bärin ansuchte - allerdings erst Ende Januar diesen Jahres. Die für die Jagdreise des Prinzen nötigen Papiere entstanden kurz darauf, Mitte Februar, um die Jagd im März zu ermöglichen.

Ann-Kathrin Freude, Campaignerin des VGT: Die Vermutung liegt durchaus nahe, dass es gar nie um die Tötung einer Bärin ging, sondern von Anfang an um eine große Trophäe für den Prinzen. Ob der Prinz nun selbst diese Vorgänge in Auftrag gegeben hat, oder er keine Kenntnis davon hatte, wissen wir natürlich nicht. Aber wäre das seinerseits ein Versehen gewesen, müsste er ja spätestens beim Abschuss bemerkt haben, dass er statt einer kleinen Bärin den wahrscheinlich größten Bären Europas getötet hat und  sichdementsprechend betrübt zeigen.

Auch Rumänien in der Pflicht

Rumänien hat seit seinem EU-Beitritt immer wieder gegen EU-Gesetze verstoßen, indem Tötungsquoten für die Prävention festgelegt wurden, während das Land bisher keine Koexistenz- und Anpassungsmaßnahmen umgesetzt hat. Hier gibt es viele Möglichkeiten, wie Elektrozäune und Hunde als Schutz für Tiere und Grundstück. Eine Tötung sollte immer das allerletzte Mittel sein. Darüber hinaus hat Rumänien die Bärenpopulation nicht mit wissenschaftlichen Methoden, wie Beispielsweise DNA-Proben, gezählt. Die Messungen basierten immer auf der direkten Beobachtung durch Jagdverwaltungsbezirke. Dies ermöglicht Mehrfachzählungen desselben Bären, der jedoch an nur einem Tag über mehrere Bezirke wandern kann. Im Fall von Arthur ist er möglicherweise seit dem letzten Sommer, in dem der Angriff einer Bärin gemeldet wurde, hundert Kilometer weit gewandert, bis der Landwirt schließlich im Januar beschlossen hat, den Jagdverband aufzufordern, einen Bären zu töten.

Bären sind mehreren Bedrohungen ausgesetzt: Zerstörung von Lebensräumen, Klimawandel und Verfolgung durch Menschen. Das rumänische Umweltministerium muss sich mit den Ursachen befassen, die zu Konflikten zwischen Menschen und Bären führen und nicht mit den Auswirkungen. Das Entnehmen großer männlicher Bären bringt die Population durcheinander und führt zu Inzucht. Rumänien hat keine Ahnung, wie viele Bären es überhaupt gibt, und muss Tötungsquoten und die Trophäenjagd beenden. Andernfalls kommt es zu Konflikten und die Arten werden gefährdet, so Ann-Kathrin Freude.

Gabriel Paun, von Agent Green, der außerdem Biologe ist: Unabhängig von der tatsächlichen Anzahl der Bären hat Rumänien das Privileg, die Heimat dieser Art zu sein, die an der Spitze der Nahrungskette aller Lebensräume mit gemäßigtem Klima steht. Durch die Umsetzung eines ehrgeizigen nationalen Plans, der sich mit den Bedrohungen für die Arten befasst und in Maßnahmen zur Koexistenz und Anpassung investiert, könnte sich Rumänien als Hauptstadt der Güte und der biologischen Vielfalt in Europa profilieren. Das Potenzial für Ökotourismus in diesem Land ist einzigartig.

Es müssen auch radikale Entscheidungen getroffen werden. Wenn tödliche Handlungen unvermeidbar sind, sollte nur der örtliche Jäger in Anwesenheit eines örtlichen Vertreters des Umweltministeriums den Abzug betätigen dürfen. Und um die Trophäenjagd zu begraben, muss das tote Tier verbrannt werden, nachdem die DNA-Probe gesichert wurde. Es ist dasselbe wie beim Elfenbeinhandel, um Elefanten zu retten und zu schützen, schließt Paun.


Pressematerial frei zum Abdruck (Copyright: Agent Green)

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